Verspätete Aufklärung nach Schiri-Frust: Darum gab es keinen Schalke-Strafstoß
Von Yannik Möller

Frühzeitig, so schien es, bekam der FC Schalke am Freitagabend die Gelegenheit, mit einem Elfmeter gegen den SC Paderborn in Führung zu gehen. Kenan Karaman stand bereits mit dem Ball am Elfmeterpunkt, als Schiedsrichter Tobias Reichel einen Funkspruch aufs Ohr bekam und sich die Szene nochmal am VAR-Bildschirm anschaute.
Nach mehreren Minuten stand die Entscheidung: Das Foul an Moussa Sylla war unstrittig, das Schiedsrichterteam hatte es aber nicht im, sondern noch vor dem Strafraum gesehen. Dementsprechend gab es einen Freistoß anstatt den Strafstoß, der wiederum keine Torgefahr einbrachte.
Weiteres Schubsen war für möglichen Elfmeter "nicht relevant"
Auf Nachfrage der WAZ gab es nun auch eine Erklärung seitens des DFB. "Für den Schiedsrichter war im Zweikampf zwischen Brackelmann und Sylla ein Kontakt im Kniebereich ursächlich dafür, dass Sylla zu Fall kam", so Alex Feuerherdt, der Kommunikationschef der DFB-Schiedsrichter. Diesen Kontakt habe Reichel zunächst fälschlicherweise im Strafraum verortet - wogegen auch kein SCP-Akteur protestierte. "Der VAR hat bei der Überprüfung der Strafstoß-Entscheidung jedoch festgestellt, dass dieser Impuls knapp außerhalb des Strafraums stattfand", so Feuerherdt weiter.
Das weitere Schubsen, das nachweislich im Sechzehner stattfand, sei hingegen nur ein "leichter Kontakt im Oberkörperbereich" gewesen, der für diese Entscheidung "nicht von Relevanz" war. Deshalb wurde der Strafstoß schlussendlich zurückgenommen und stattdessen auf Freistoß entschieden.
Eine weitere Frage, die angesichts dieser dann korrigierten Entscheidung aufkam: Warum wurde Calvin Brackelmann dann nur mit Gelb und nicht mit Rot bestraft? Hier erklärte Feuerherdt: "Aus Sicht des Schiedsrichters wurde mit dem Foulspiel nur ein aussichtsreicher Angriff unterbunden und keine offensichtliche Torchance vereitelt." Letzteres hätte einen Platzverweis nach sich gezogen.
Miron Muslic hatte nach Abpfiff eine klare Meinung zu dieser Szene. "Ich habe mir die Bilder noch einmal angeschaut. Ich finde: Die erste Entscheidung des Schiedsrichters war die richtige. Es ist ein klarer Elfmeter, ein klares Foul innerhalb der Box", zeigte er sich trotz des Sieges verärgert über die Szene. Der Schalke-Cheftrainer sprach sogar von einem "Tor-Raub", weil die Foulszene für ihn nicht derartig auseinander zu dividieren war, wie es das Schiedsrichterteam tat. Womöglich hatte Muslic noch etwas VAR-Frust aus der Vorwoche im Gepäck, als Mika Wallentowitz gegen Preußen Münster ein eigentlich reguläres Tor abgepfiffen worden war - ohne den VAR-Eingriff, der Königsblau in diesem Fall geholfen hätte.
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