VAR-Ärger beim VfB: Das kurioseste Tor der Saison und zwei weitere Szenen im Fokus

Sebastian Hoeneß übte nach dem 3:3 in Heidenheim Kritik am Schiedsrichter und am VAR. Ermedin Demirovic kommentierte seine beiden zurückgenommenen Treffer süffisant. Doch ist der VfB-Frust überhaupt berechtigt?
Stegemann (r.) schaut, Demirovic (2. v. l.) hadert
Stegemann (r.) schaut, Demirovic (2. v. l.) hadert / IMAGO/Sportfoto Rude
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Drei Tage nach der Gala im 'Paradise' von Glasgow konnte der VfB Stuttgart in der Bundesliga die Patzer der Konkurrenz nur bedingt ausnutzen. Die Schwaben kamen beim Tabellenschlusslicht Heidenheim nicht über ein 3:3-Remis hinaus.

Damit rangiert das Hoeneß-Team zwar weiter auf Champions-League-Platz vier - der Vorsprung auf Leipzig beträgt aber nur zwei statt der erhofften vier Zähler.

VfB "über das Ergebnis enttäuscht"

"Das war ein Spiel, das ich jetzt auch noch nicht so erlebt habe in meiner Zeit."

VfB-Coach Hoeneß, DAZN

An einer mangelnden Einstellung oder Bereitschaft gegen den Underdog machte VfB-Coach Sebastian Hoeneß die Punkteteilung nach dem Spiel nicht fest. "Wir haben nach einer englischen Woche mit 124 gelaufenen Kilometern abgerissen, sind 125 Kilometer gelaufen und haben fast 60 Prozent der Zweikämpfe gewonnen. Ich glaube, man kann deswegen mit Fug und Recht behaupten, dass wir das Ding hier heute angenommen haben", lobte Hoeneß sein Team.

Gab aber vielleicht auch deshalb zu: "Klar wollten wir hier gewinnen, das war der Plan. Und natürlich sind wir deswegen über das Ergebnis enttäuscht."

Nicht enttäuscht, sondern verärgert war Hoeneß über die Eingriffe des Videoschiedsrichters. Gleich drei Szenen standen im Fokus - wobei Heidenheims 2:1-Führung das wohl kurioseste Tor der Saison war. "Das war ein Spiel, das ich jetzt auch noch nicht so erlebt habe in meiner Zeit. Es sind so viele Dinge passiert...", meinte Hoeneß am DAZN-Mikro.


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Hoeneß' VAR-Ärger: Drei Szenen im Fokus

Was Hoeneß mit "viele Dinge" meinte, war nach Schlusspfiff allen klar. Besonders im Fokus stand die Heidenheimer Führung zum 2:1 nach gut einer halben Stunde. Denn eigentlich hatte sich der VfB über die 2:1-Führung gefreut. Doch der VAR hatte etwas dagegen: Einen Zweikampf von Maximilian Mittelstädt im eigenen Sechzehner gegen Eren Dinkci sah der Video-Schiedsrichter als Foulspiel an - weshalb Feld-Schiedsrichter Sascha Stegemann an den Bildschirm geschickt wurde.

Mittelstädts vermeintliche Klärungsaktion hatte den direkten Konter zum VfB-Treffer eingeleitet. Ermedin Demirovic' Tor wurde aberkannt, Heidenheim bekam einen Strafstoß und verwandelte. Es sollte übrigens nicht der einzige aberkannte Demirovic-Treffer des Abends bleiben...

Es waren "ein paar spielentscheidende Situationen, die einfach gar nicht für uns gelaufen sind. Ich habe deswegen auch mit dem Schiedsrichter noch gesprochen - und wir haben uns über das Spiel unterhalten. Und die Dinge, die ich jetzt sagen werde, sind nur meine Meinungen", führte Hoeneß zunächst aus.

Hoeneß-Meinung über FCH-Elfmeter diskutabel

Dann ging der VfB-Coach konkret auf die umstrittenen Szenen ein: "Angefangen mit dem Elfmeter, den wir gegen uns bekommen. Ich sehe auch den Kontakt - aber bitte, Leute. Der Schiedsrichter nimmt es auf dem Feld als Blocken wahr. Da jetzt von außen zu intervenieren, das ist eine klare Fehlentscheidung. Was dann bedeutet, dass wir kein Tor machen. Das verstehe ich nicht, das ist mir zu wenig. Das ist jetzt hier eine Zeitlupe, die wir sehen - und ich sehe eben fast zeitgleich einen Block. Ich sehe auch keinen harten Kontakt, keine Sohle. Ein ganz normaler Zweikampf, der im Mittelfeld nie gepfiffen wird."

Mittelstädt treffe Dinkci zwar, "keine Frage. Doch das ist keine klare Fehlentscheidung", meinte Hoeneß. Eine Sichtweise, die man als VfB-Fan zwar nachvollziehen kann - aus neutraler Sicht findet man aber schon auch gute Argumente für ein Foulspiel. Der Mittelstädt-Treffer an Dinkcis Fuß passierte schließlich minimal vor dem Blocken des Stuttgarter Abwehrspielers.

Falsche Abseitslinie?

In der 73. Minute war Demirovic dann zum zweiten Mal zur Stelle. Und wieder zählte der Treffer nach VAR-Überprüfung nicht. Vor dem vermeintlichen 3:2 für die Stuttgarter soll der VfB-Torjäger minimal im Abseits gestanden haben.

Demirovic selbst kommentierte das süffisant: "Ich werde daran arbeiten, nicht im Abseits zu stehen, vielleicht ein Kilo abnehmen, dann ist die Schulter ein bisschen dünner."

"Mir kann jetzt niemand sagen, dass das Abseits ist. Es ist einfach Quatsch, dass wir so viel den Computern überlassen und nichts mehr selbst entscheiden. Das finde ich schwach."

Ermedin Demirovic

"Das ist natürlich alles bitter, tut weh", kommentierte Demirovic noch bei Sky. Generell ist der 27-Jährige kein Freund vom VAR und würde lieber wieder mehr Verantwortung beim Schiedsrichter auf dem Platz sehen wollen: "Er entscheidet, was auf dem Platz passiert. Wenn sie sagen, es ist Foul, dann ist es Foul. Das sind Tatsachenentscheidungen. Der Schiedsrichter bekommt das auf dem Platz besser mit als jeder Computer oder irgendeiner, der in Köln sitzt und Kaffee trinkt und irgendetwas für die Schiedsrichter entscheidet. Das finde ich ein bisschen schwach. Die Schiedsrichter sollten anfangen, das selbst in die Hand zu nehmen."

Was die Stuttgarter nach dem Spiel beim Abseits-Tor zu Bedenken gaben: Die Linie könnte falsch gezogen worden sein. Der VAR zog sie bei Demirovic' Gegenspieler Stefan Schimmer. Auf den Bildern kann man aber erahnen, dass möglicherweise FCH-Verteidiger Sirlord Conteh näher zum Tor stand. "Die Hacke von Conteh ist tief drin. Das ist schon hart", meinte Hoeneß.

Ob die Linie am Ende beim falschen Verteidiger angebracht wurde, lässt sich aber nicht mit Gewissheit sagen.

Foul vor dem 3:2?

Neben diesen beiden möglichen Stuttgarter Toren beschwerte sich Hoeneß auch noch über das 3:2 für die Hausherren. Da will der VfB-Trainer im Vorfeld ein Foul von Heidenheims Angreifer Schimmer an Ramon Hendriks gesehen haben. Durch Schimmers Einhaken nehme er Hendriks die Chance, "den Ball wegzuspitzeln. Und wenn du jetzt die andere Szene mit reinnimmst, dann muss sich der Schiedsrichter die Szene hier zumindest einmal anschauen. Gerade mit der Vorgeschichte."

Hendriks hätte laut Hoeneß die Situation zwar besser lösen müssen. "Trotzdem ändert es nichts an der Tatsache, dass es für mich ein Foul ist. Ramons Bein wird eingeklemmt. Ich hätte mir gewünscht, dass er es direkt pfeift und dann zumindest, dass er es sich anschaut."

Ob das Tor bei einer Review auf dem Platz zurückgenommen worden wäre, bleibt ebenfalls fraglich. Eine klare Fehlentscheidung lag auch hier nicht vor. Am Ende kann man den VfB-Frust deshalb zwar verstehen - Schiedsrichter Stegemann und VAR Günter Perl aber auch in Schutz nehmen. Was man eindeutig sagen kann: Der VfB-Abend an der Ostalb war maximal unglücklich.


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