Es war ein emotionaler "Last Dance" an alter Wirkungsstätte. Bei der torlosen Nullnummer des FC Bayern am Samstagabend stand Manuel Neuer wohl zum letzten Mal in einem Pflichtspiel auf dem Rasen der Veltins-Arena.
Seit seinem Wechsel nach München vor 15 Jahren ist das Verhältnis zwischen dem gebürtigen Gelsenkirchener und den königsblauen Anhängern zerrüttet – bei jedem Ballkontakt wurde der einstige Fan-Liebling gnadenlos ausgepfiffen. Neuer selbst reagierte nach dem Abpfiff gewohnt gelassen und kommentierte das Pfeifkonzert trocken: "Das ist Liebe."
Während Schalker Legenden wie Olaf Thon den unbarmherzigen Empfang der Fans im Nachgang scharf kritisierten und mehr Respekt für die Lebensleistung des Keepers einforderten, blicken die Vereinsverantwortlichen mit einer völlig anderen Perspektive auf die Personalie. Die Schalker Führungsetage hegt längst keinen Groll mehr gegen den ehemaligen Welttorhüter, der den Verein 2011 zum Pokalsieg geführt hatte.
Hefer und Baumann öffnen Neuer die Tür
Ganz im Gegenteil: Die Bosse können sich eine Rückkehr des Weltmeisters nach dessen aktiver Karriere sehr gut vorstellen. Aufsichtsratschef Axel Hefer schlug im Interview mit der Bild-Zeitung überraschend versöhnliche Töne an: "Als Verein können wir stolz sein auf seine Karriere. Sein Abgang war kontrovers, aber ich persönlich finde, dass jeder Fehler machen kann, gerade wenn er jung ist. Das ist dann irgendwann auch mal gut." Neuer müsse sich selbst überlegen, wo er nach der Karriere tätig werden wolle – in der alten oder in der neuen Heimat.
Auch Sportvorstand Frank Baumann bekräftigte diese Haltung. Zwar habe es noch keinen konkreten Austausch gegeben, "aber ausschließen würde ich es definitiv nicht". Auf die direkte Frage in der Bild, ob er Neuer nach der aktiven Laufbahn tatsächlich einen Job auf Schalke anbieten würde, antwortete Baumann klar mit "Stimmt": "Grundsätzlich finde ich es interessant, aufgrund der Qualifikation und der Leidenschaft ehemalige Spieler mit einzubinden – im Wissen, dass es nicht leicht wird, eine Lösung zu finden."
Rückkehr in die alte Heimat?

Für Neuer, der voraussichtlich seine letzte Saison als Profi bestreitet und sich privat gerade über die Geburt seines zweiten Sohnes freuen durfte, liegt die sportliche Konzentration noch voll auf dem FC Bayern München. Doch das Signal der Führung des FC Schalke 04 ist unmissverständlich: Die Hand zur Versöhnung ist ausgestreckt.
Ob Neuer diesen Schritt wagt und sich eines Tages gegen die Vorbehalte mancher Fans stellt, um seinen Herzensverein in einer neuen Funktion mitzugestalten, liegt nun ganz allein an ihm.
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