Werder Bremen hat am vergangenen Samstag den Bann endlich gebrochen. Nach unfassbaren 13 Spielen ohne Sieg bezwangen die Grünweißen im heimischen Weserstadion Schlusslicht 1. FC Heidenheim mit 2:0.
In Halbzeit eins vergab Werder noch zahrleiche Topchancen, ehe Jovan Milosevic nach knapp einer Stunde die Kugel endlich im Tor unterbrachte. Dank der drei so wichtigen Punkte hat sich der SVW zumindest wieder auf Relegationsplatz 16 vorgeschoben.
Damit der Klassenerhalt trotz zwischenzeitlicher Horror-Serie gelingt, muss die Thioune-Truppe aber auch in den kommenden Wochen weiter punkten. Die nächsten Gelegenheiten sehen auf dem Papier recht gut aus: Es geht zunächst kommenden Sonntag zu Union Berlin, eine Woche später kommt mit Mainz 05 der nächste direkte Konkurrent an die Weser, ehe es zum Tabellen-17. nach Wolfsburg geht.
Keine Rückkehrer gegen Union Berlin
Vorerst muss der neue Trainer Daniel Thioune aber weiterhin mit einigen Personalsorgen zurechtkommen. Vor allem in der Defensive drückt der Schuh. Shootingstar Karim Coulibaly hatte sich in dieser Saison auf Anhieb einen unumstrittenen Stammplatz in der Abwehr erkämpft, fiel gegen St. Pauli und Heidenheim aber mit einer Oberschenkelverletzung aus.
Auch gegen die Eisernen wird es für den 18-Jährigen offenbar nicht reichen. "Ich gehe momentan nicht davon aus, dass jemand gegen Union zurückkehrt", wird Thioune am Dienstag von der Deichstube zitiert.
Damit meinte der Werder-Coach auch Coulibalys Abwehrkollege Amos Pieper, dem die Folgen einer Risswunde am Knie weiter zu schaffen machen. Ebenso wie Offensiv-Hoffnung Samuel Mbangula. Der 22-jährige Belgier hatte sich vor dem Heidenheim-Spiel eine Muskelverletzung am Oberschenkel zugezogen. Just nach seinem ersten Werder-Einsatz über die vollen 90 Minuten.
Abwehr-Leihgabe Maximilian Wöber und Routinier Mitchell Weiser fallen ohnehin schon länger aus und werden auch nicht zeitnah zurückerwartet.
Thioune will Abwehrsorgen mit Youngstern trotzen
"Schön wäre es, wenn gerade die Defensivspieler zeitnah zurückkommen, aber ich habe auch gesehen, dass unsere jungen Talente eine gewisse Qualität haben und deshalb berechtigterweise auf ihre Chance warten. Dann schmeiße ich die halt rein, wenn die anderen nicht zurückkommen", gab sich Thioune kämpferisch.
Gemeint haben dürfte er dabei eher nicht den 24-jährigen Julian Malatini, der schon im vergangenen Sommer und auch im zurückliegenden Winter als Abgangskandidat gehandelt wurde. Malatini kann weiterhin nur selten im SVW-Trikot überzeugen und sollte bis Saisonende lediglich Notnagel bleiben - ehe die Trennung dann sehr wahrscheinlich vollzogen wird.
Der 18-jährige Mick Schmetgens steht dagegen für die Zukunft bei Werder. Der deutsche Junioren-Nationalspieler kickt seit fünf Jahren in Grünweiß. Schmetgens schaffte es diese Saison schon neunmal in den Bundesliga-Spieltagskader, wartet aber noch auf sein Debüt im Oberhaus. Für Werders U23 kam der Innenverteidiger zwölfmal zum Einsatz.
Systemwechsel bringt Erfolg
Trotz der aktuellen Engpässe in der Defensive kann Thioune aber im Abstiegskampf auf Routine vertrauen. In Kapitän Marco Friedl und Niklas Stark verfügt er über ein Innenverteidiger-Duo, das Werder die nötige Stabilität geben kann. Wobei Stark schon die komplette Saison mit hartnäckigen Problemen an der Hüfte zu kämpfen hat. Der 30-Jährige braucht deshalb immer wieder seine Pausen.
Ein Faktor, weshalb die Personallage in der Abwehr nicht mehr so schwer ins Gewicht fällt, ist aber auch der Systemwechsel gegen Heidenheim. Thioune rückte von der Dreierkette ab und setzte auf eine 4-3-3-Formation, die er in seiner bisherigen Profi-Trainer-Laufbahn ohnehin favorisierte. Neben Senne Lynen und Jens Stage stärkte darin Cameron Puertas das Mittelfeldzentrum, Torschütze Milosevic durfte endlich auf der Neun von Beginn an ran.
So ein wenig scheint es, als sei Thioune zu seinem Glück "gezwungen" geworden. Ob Heidenheim für das "neue Werder" der Maßstab für den Weg aus der Krise war, müssen die kommenden Wochen allerdings erst noch zeigen.
