Streit um Pyro-Strafen - Diese Klubs mussten 25/26 bislang am meisten zahlen
Von Simon Zimmermann

Das Abbrennen von Pyrotechnik in den Fankurven der Bundesliga-Stadien ist ein Dauerthema. Das die Klubs teuer zu stehen kommt. Laut Sport Bild mussten die 18 Bundesligisten in diesem Jahr schon über zwei Millionen Euro Strafe an den DFB zahlen. Und die Zahl wird noch heftig steigen.
Union Berlin drohe eine Rekordstrafe von bis zu 900.000 Euro. Die Fans der Eisernen hatten zum Klub-Jubiläum gegen Eintracht Frankfurt im Rahmen einer Choreo ordentlich gezündet und für eine Spielunterbrechung gesorgt. Die Eisernen gelten als Wiederholungstäter, weshalb die Strafe entsprechend hoch ausfallen dürfte.
Ordentlich zur Kasse gebeten wurde in dieser Saison schon der HSV. Mit über 600.000 Euro Pyro-Strafen führt der Bundesliga-Rückkehrer das ligaweite Ranking gemäß der Sport Bild sogar an. Rund 300.000 Euro Strafe fallen allein auf die Vorkommnisse im Nordderby-Heimspiel gegen Werder Bremen.
260.000 Euro Strafe! DFB bittet Werder zur Kasse
Bislang stand der Erzrivale der Rothosen auf dem vierten Platz der Pyro-Strafen. Nun aber muss Werder weitere 260.000 Euro berappen. Grund dafür: ebenfalls das Nordderby. Die SVW-Auswärtsfans sollen fünf Böller, einen Heuler und mindestens 237 bengalische Feuer gezündet haben. Die Grünweißen wurden deshalb "im Einzelrichterverfahren nach Anklageerhebung durch den DFB-Kontrollausschuss wegen eines unsportlichen Verhaltens seiner Anhänger mit einer Geldstrafe in Höhe von 260.000 Euro belegt".
Da die Klubs rund ein Drittel der Geldstrafe für eigene sicherheitstechnische oder gewaltpräventive Maßnahmen verwenden dürfen, bleiben 87.000 Euro der Geldstrafe in der Bremer Kasse. Die Grünweißen müssen aber bis zum 30. September 2026 einen Nachweis bringen, dieses Geld auch für solche Maßnahmen verwendet zu haben.
Diese Profiklubs zahlten 25/26 bislang die höchsten Pyro-Strafen
Klub | Strafe |
|---|---|
HSV | 629.400 € |
Werder Bremen* | 418.000 € |
Union Berlin | 242.000 € |
VfB Stuttgart | 163.500 € |
FC St. Pauli | 140.600 € |
BVB | 139.000 € |
Hansa Rostock | 132.555 € |
Rot-Weiss Essen | 132.450 € |
Eintracht Braunschweig | 101.100 € |
Schalke 04 | 94.500 € |
via Sport Bild (von fussballmafia.de - Stand 5.2.2026)
*bei Werder Bremen wurde die jüngste 260.000-Euro-Strafe dazuaddiert
Klub-Kritik an Wirkung und Verteilung der Geldstrafen
Die hohen Geldstrafen stoßen bei den Klubs längst auf deutliche Kritik. Ein Argument: Sie dienen für die Fans nicht als Abschreckung. Die Klubs selbst können Pyro-Vergehen der eigenen Anhänger kaum verhindern.
Werder-Geschäftsführer Tarek Brauer (Organisation und Personal) meinte zurSportbild, dass die Geldstrafen für die Bremer pro Saison im mittleren sechsstelligen Bereich liegen. "Dennoch ist bundesweit kein nachhaltiger Rückgang von Pyrotechnik erkennbar. Wenn Millionen-Beträge erhoben werden, erwarten wir messbare Wirkung. Die Realität zeigt, dass diese Abschreckung nicht funktioniert."
Ähnlich äußerte sich auch der FC St. Pauli in einem Statement: "Die Strafen haben auf die Fans keine abschreckende Wirkung. Sie bringen nichts, belasten die Vereine aber enorm."
Der HSV teilte mit: Die Strafen sind für alle Klubs finanziell deutlich spürbar. Entscheidend ist für uns jedoch nicht ihre Höhe, sondern vor allem ihre Wirkung. Reine Abschreckung hat in der Vergangenheit nicht den gewünschten Effekt erzielt."
Was den Klubs aus der 1. und 2. Bundesliga ebenfalls sauer aufstößt: Zwei Drittel der Strafen leitet der DFB an seine Stiftungen weiter und werden damit zweckentfremdet. 2025 waren das rund sechs Millionen Euro - rund 50 Prozent davon gingen an die DFL-Stiftung). So kamen allein in den letzten vier Jahren fast 21,5 Millionen Euro für die Stiftungen zusammen.
Die Verteilung der Pyro-Strafen auf die DFB-Stiftungen
2025 wurden rund sechs Millionen Euro an Pyro-Strafen fällig. 120.000 Euro gingen an diverse Projekte, 35.250 Euro wurden für Kleinspenden verwendet. Das restlichte Geld wurde gemäß der Sport Bild folgendermaßen aufgeteilt:
Stiftung | Spende |
|---|---|
DFL-Stiftung | 3 Mio. € |
Egidius-Braun-Stiftung | 1,225 Mio. € |
Stiftung Nationalmannschaft | 500.000 € |
DFB-Kulturstiftung | 500.000 € |
Sepp-Herberger-Stiftung | 350.000 € |
Robert-Enge-Stiftung | 125.000 € |
Franz-Beckenbauer-Stiftung | 100.000 € |
Fritz-Walter-Stiftung | 34.750 € |
Uwe-Seeler-Stiftung | 10.000 € |
Kuschen die Klubs vor den Ultras?
Längst gibt es eine "AG Stadionsicherheit", in der Vertreter von DFB, DFL, den Klubs und den Fans vertreten sind. Ein Vorschlag daraus: Der Anteil der Strafe, die für eigene Sicherheitsmaßnahmen verwendet werden kann, sollte von 33 auf 40 bis 50 Prozent steigen. Ein finaler Vorschlag sei dieses Jahr möglich, müsste aber vom DFB-Präsidium abgesegnet werden.
Aus Verbandskreisen und von der DFL sei laut Sport Bild aber zu hören, dass die meisten Klubs die voraussichtlichen Pyro-Strafen lieber schon in den Saisonetat einrechnen, anstatt hart gegen die eigenen Anhänger vorzugehen. Besonders die Ultra-Gruppierungen stehen hier im Fokus.
"Am Ende zahlen die Klubs für Handlungen, die sie faktisch nicht vollständig steuern können.""
- Werder-Geschäftsführer Tarek Brauer
St. Pauli gibt allerdings zu bedenken, dass es "unmöglich ist, alle verbotenen Gegenstände zu finden, da ein Abstasten im Intimbereich weder erlaubt noch gewollt ist. Dabei bräuchte es Nacktscanner, was weder angemessen noch organisatorisch und finanziell umzusetzen wäre."
Bremens Geschäftsführer Bauer hält fest: "Am Ende zahlen die Klubs für Handlungen, die sie faktisch nicht vollständig steuern können."
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