Stell dir vor, es ist attraktiver und erfolgreicher Fußball - und keiner geht hin...
Von Yannik Möller

Die bisherige Saison verläuft für die TSG Hoffenheim grandios, anders kann man es nicht sagen. Zurzeit wird der dritte Tabellenplatz belegt. Das Resultat einer tollen Entwicklung, welche die Mannschaft unter Christian Ilzer genommen hat. Damit ist sogar die Champions League ein realistisches Ziel.
Um die aktuelle Fabel-Saison mal zu veranschaulichen: 42 Punkte nach 20 Spieltagen sind schon zehn mehr als in der kompletten Vorsaison (als Ilzer schon vor dem Aus stant) und bedeuten einen Vereinsrekord zum aktuellen Saison-Zeitpunkt. Seit dem 7. Spieltag hat die TSG 35 Zähler gesammelt. Zwei mehr als der FC Bayern!
Es könnte also kaum besser für die Kraichgauer laufen. Es wird nicht nur ein erfolgreicher, sondern auch attraktiver und unterhaltsamer Fußball gespielt. Hoffenheim hat beispielsweise die zweitmeisten Tore erzielt, erspielt sich viele Torchancen, kombiniert ebenso sicher wie gewagt, hat die drittwenigsten Gegentore hinnehmen müssen. Und obwohl zurzeit so viel für die TSG spricht, ist die Fankulisse eine große Enttäuschung.
Toller Fußball, schwindende Kulisse: Hoffenheim sorgt kaum für wachsendes Interesse
Das jüngste Beispiel ist zugleich das beste Beispiel: Zur besten Fußball-Zeit, also am Samstagnachmittag, konnte Hoffenheim am vergangenen Wochenende einen 3:1-Heimsieg über Union Berlin feiern. Zu diesem Zeitpunkt ritt die Mannschaft längst auf der aktuellen Erfolgswelle - und trotzdem schien gefühlt jeder zweite Platz im Stadion leer zu sein. Laut dem Portal Fußballmafia wurde mit nur etwas mehr als 19.000 Zuschauern sogar ein neuer Tiefstwert für die aktuelle Saison hingelegt. Anhand der Kapazität von rund 30.000 Zuschauern ist also etwas mehr als ein Drittel (!) aller Plätze leer geblieben. Ein Trauerspiel.
Weitere Fakten: Hoffenheim hat nach dem 1. FC Heidenheim (Kapazität: 15.000), Union Berlin (22.000) und dem VfL Wolfsburg (29.000) den gleich viertschlechtesten Zuschauerschnitt. Alle drei genannten Klubs, die noch unter der TSG stehen, haben aber auch eine (zum Teil deutlich) geringere Stadionkapazität vorzuweisen. Mit 86 Prozent (offizielle Zahlen - nicht angereiste Fans sind noch gar nicht berücksichtigt) bietet der Klub die zugleich zweitschwächste Auslastung an, lediglich vier von zehn Heimspielen waren ausverkauft.
Für die Bundesliga, die Liga mit dem eigentlich besten Ruf was Fans angeht, ist das eine äußerst schwache Ausbeute.
Das 'Sinsheim-Argument' greift in diesem Fall auch nicht mehr
Nun mag man argumentieren, die Region und damit das Einzugsgebiet des Klubs wäre auch einfach deutlich kleiner, als die anderer Vereine. Und klar, Sinsheim ist mit etwa 35.000 Einwohnern gewiss keine Großstadt. Das erklärt aber längst nicht, wieso der Zuschauerschnitt in dieser Saison sogar noch niedriger ausfällt, als in anderen Spielzeiten zuvor.
Anhand der offiziellen Zahlen liegt der Zuschauerschnitt für die aktuelle Saison bei 25.855 (via transfermarkt). Die Zahl ist natürlich nur theoretisch korrekt, weil oftmals deutlich mehr Plätze frei bleiben. Und dennoch liegt dieser Schnitt nur minimal über dem Vorjahr (25.309).
In der Saison 2017/18 landete Hoffenheim auch auf dem dritten Platz. Der Zuschauerschnitt in der Saison: 28.716. In der Saison 2018/19 wurde vergleichsweise 'nur' der neunte Tabellenplatz erreicht. Durchschnittlich waren 28.456 Zuschauer bei den Heimspielen.
Der Zuschauerschnitt war also zuweilen schon deutlich höher - und das in teilweise weitaus weniger erfolgreichen Jahren. Das liegt nicht daran, dass Sinsheim in diesen paar Jahren überraschend geschrumpft ist. Es ist schlichtweg das geringe Interesse, das ein Verein wie Hoffenheim mit sich bringt. Darauf angesprochen, musste auch der eigene Cheftrainer eingestehen (via Bild): "Wir sind sicher nicht die größte Familie im deutschen Fußball, aber wir haben eine extrem treue Anhängerschaft. [...] Ich bin extrem dankbar für jeden, der uns unterstützt, der positiv zu uns steht und mitfiebert."
Hoffentlich muss er derartige Sprüche nicht zur nächsten Saison bemühen, wenn nur wenige hundert Hoffenheim-Anhänger die internationalen Auswärtsreisen spät abends unter der Woche begleiten. Anhand der Auftritte der Mannschaft wäre ihnen der zusätzliche Wettbewerb zumindest sportlich zu wünschen.
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