Standard-Macht und Rekordserie: Warum der BVB wieder vom Titel träumen darf
Von Niclas Hergt

Borussia Dortmund hat zum Auftakt des 22. Spieltags gegen den 1. FSV Mainz 05 ein Ausrufezeichen gesetzt. Beim 4:0-Heimsieg überzeugte der Tabellenzweite nicht nur mit Effizienz, sondern vor allem mit einer neuen Waffe: Standards. Julian Ryerson bereitete alle vier Treffer vor, drei davon per ruhendem Ball.
Der BVB bleibt damit seit 15 Bundesliga-Heimspielen ungeschlagen und stellte zudem einen BL-Rekord ein: Zum 15. Mal in Folge ging Dortmund mit 1:0 in Führung. Das gelang zuvor nur dem Hamburger SV im Jahr 1980 und dem BVB selbst 2013, damals noch unter Meistertrainer Jürgen Klopp.
Ryersons Sahnetag und die neue Standard-Stärke
Ob per Freistoß, Ecke oder aus dem Spiel heraus, Ryersons Hereingaben fanden an diesem Abend zuverlässig einen Abnehmer. "Ich muss den Ball auf den Punkt bringen und die anderen müssen halt dahinlaufen", erklärte der Norweger bei Sky und verwies zugleich auf die oft übersehene Detailarbeit: "Nicht nur der Assistgeber oder Torschütze ist wichtig, sondern auch die, die man nicht sieht – zum Beispiel die Blocker."
Guirassy (10., 42.) und Beier (15.) verwerteten gleich drei Flanken per Kopf, Bensebaini legte nach einer weiteren Ecke nach. "Es war schön, das Spiel früh zu entscheiden, das gibt uns ein gutes Gefühl. Ich habe den Ball mehrfach perfekt getroffen“, sagte Ryerson zufrieden. Und mit einem Augenzwinkern ergänzte er mit Blick auf den Spielball: "Wenn ich den letzten Assist bekomme, dann hole ich mir den Ball."
Auch Niko Kovac geriet ins Schwärmen. "Wir haben schon in der Hinserie einiges gut gemacht, aber jetzt perfektionieren wir die ganze Geschichte", lobte der BVB-Coach und hob besonders die ungewohnte Kopfballstärke hervor: "Ich weiß nicht, wann wir Dortmunder mal in einem Spiel mit drei Kopfballtoren aufblitzen konnten."
Rekorde, Selbstvertrauen und Meister-Argumente
Mit nun 51 Punkten und 15 Ligaspielen ohne Niederlage geht Borussia Dortmund selbstbewusst in die entscheidende Saisonphase. Kovac hatte im Titelrennen gefordert, "vorlegen" zu müssen und seine Mannschaft lieferte. Selbst Mainzer Schlussmann Daniel Batz räumte ein: "Die Standards haben uns gekillt."
Der BVB präsentiert sich aktuell gefestigt, effizient und variabel. Guirassy trifft wieder konstant, Ryerson sorgt für Präzision bei ruhenden Bällen, und die Defensive steht auch ohne Nico Schlotterbeck stabil. Hinzu kommt die beeindruckende Serie früher Führungen, die für Fokus und Entschlossenheit spricht. Qualitäten, die in den vergangenen titellosen Jahren oft fehlten.
Mit den anstehenden Champions-League-Duellen gegen Atalanta sowie den Bundesliga-Spitzenspielen gegen Leipzig und Bayern warten nun echte Gradmesser. Doch die neue Wucht bei Standards, die Kopfballstärke und das gewachsene Selbstverständnis könnten genau die Zutaten sein, die Dortmund im Meisterrennen den entscheidenden Vorteil verschaffen.
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