Die Tottenham Hotspur sehen sich eigentlich in der Spitzengruppe der Premier League. Der Kader-Marktwert von über 800 Millionen Euro sollte das hergeben. Doch statt in Englands Oberhaus oben mitzuspielen, muss der amtierende Europa-League-Sieger um den Klassenerhalt bangen.
Sieben Spieltage vor Schluss stehen die Spurs auf Rang 17 gerade noch so über dem Strich. Verfolger West Ham United ist nur einen Zähler dahinter. Da überrascht es wenig, dass beim Klub aus dem Norden Londons schon der zweite Trainerwechsel der Saison ansteht.
Erst im Sommer hatte der Premier-League-erprobte Däne Thomas Frank für Ange Postecoglou übernommen. Postecoglou gewann zwar in seiner zweiten Spurs-Saison die Europa League, schaffte es in der heimischen Liga aber nur auf Rang 17.
Weil es unter Frank national nicht besser lief, musste er nach nur 38 Pflichtspielen gehen. Es übernahm der Kroate Igor Tudor – was an sich schon eine recht fragwürdige Entscheidung war. Tudor war in seinen vorherigen Stationen alles andere als erfolgreich. Als Lazio-Coach hielt er sich nur elf Partien, für Juve stand er ganze 24 Pflichtspiele an der Seitenlinie.
Als Spurs-Coach sollte er eigentlich zunächst bis Saisonende bleiben. Am Ende sahen wir ihn aber nur für sieben Spiele in dieser Rolle. Mit nur einem Sieg, einem Remis und fünf Pleiten ist die Bilanz miserabel. In der Länderspielpause reagierte der Klub und stellte Tudor wie erwartet frei.
Roberto De Zerbi ist ein Trainer-Wandervogel
Dass sich die Spurs-Bosse nun auf Roberto De Zerbi als Wunschkandidaten festgelegt haben, ist keine große Überraschung. Der 46-jährige Italiener soll für den eigentlich erst für Sommer geplanten Trainerwechsel der Topkandidat gewesen sein. Nun zieht man seine Verpflichtung vor. Als erste Aufgabe muss der 46-Jährige den Klub vor dem Abstieg bewahren.
Weil De Zerbi im Februar bei Olympique Marseille gehen musste, waren die Hürden für eine Verpflichtung gering. Für den Italiener spricht zudem, dass er aus seiner Zeit bei Brighton die Premier League gut kennt und sich als Seagulls-Coach durchaus einen Namen machen konnte.
Und dennoch wirft der De-Zerbi-Vertrag mit den Spurs Fragen auf. Gleich für fünf Jahre hat der Italiener unterschrieben. Blickt man auf seine bisherige Trainerkarriere, wird auffällig, dass es De Zerbi bei fast keinem Klub länger ausghalten hatte.
Nur bei US Sassuolo blieb er von 2018 bis 2021 für drei Jahre. Es folgte der Wechsel in die Ukraine nach Donetsk, wo er sich nur 30 Spiele und ein gutes Jahr im Amt hielt. Bei Brighton lief es zwar erfolgreich, nach knapp zwei Jahren war er dort aber auch wieder weg. Bei Olympique Mareille waren es jetzt gute 1,5 Jahre und 69 Pflichtspiele im Traineramt.
Es wäre also fast schon eine Überraschung, sollte De Zerbi bis zum Ablauf seines Spurs-Vertrages im Sommer 2031 im Amt halten. Auch wenn der Italiener als großes Trainer-Talent gilt und durchaus das nötige Potenzial mitbringt. Einige Fragezeichen bleiben dennoch. Das größte: Warum sich die Tottenham-Bosse nach den vielen Fehlentscheidungen auf der Trainerbank zu solch einem langfristigen Deal hinreißen lassen?
Sportdirektor Johan Lange sagte: "Roberto war unser Hauptziel für den Sommer, und wir freuen uns sehr, ihn nun verpflichten zu können. Er ist einer der kreativsten und zukunftsorientiertesten Trainer im Weltfußball und bringt einen reichen Erfahrungsschatz auf höchstem Niveau mit, unter anderem aus der Premier League."
