Sportchef bestätigt: Werder wollte Niclas Füllkrug zurückholen

Clemens Fritz versucht sich an einer Erklärung für die fehlgeschlagenen Personal-Pläne in Bremen. Bei Niclas Füllkrug klopfte der Werder-Sportchef im Winter vergeblich an.
Niclas Füllkrug stürmt jetzt für Milan
Niclas Füllkrug stürmt jetzt für Milan / NurPhoto/GettyImages
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Am Osterdeich gibt es derzeit viele Baustellen. Elf Bundesliga-Spiele ist Werder Bremen mittlerweile ohne Sieg. In der Tabelle sind die Grünweißen auf den Relegationsrang abgerutscht. Auch der Trainerwechsel von Horst Steffen zu Daniel Thioune konnte kurzfristig keine Abhilfe schaffen - vergangenen Samstag kassierte Werder in Freiburg eine 0:1-Pleite trotz Überzahl.

In der Defensive gab es zuletzt viele Personalprobleme. In der Offensive bleibt Spielmacher Romano Schmid außer Form, Königstransfer Samuel Mbangula kommt wenig zum Zug und auf der Mittelstürmer-Position gibt es schon seit Saisonstart große Fragezeichen. Die Winter-Leihe von Jovan Milosevic konnte da bislang keine Abhilfe schaffen.

"Daniel Thioune ist der richtige Trainer für Werder. Er strahlt Optimismus, Energie und Feuer aus."

SVW-Sportchef Clemens Fritz (Sport Bild)

Dennoch scheint Sportchef Clemens Fritz weiter fest im Sattel zu sitzen. Das betonte jüngst Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald. Bei den SVW-Anhängern steht Fritz allerdings unter starker Kritik. Selbst eine Online-Petition, die das Fritz-Aus fordert, wurde schon ins Leben gerufen.

Fritz will sich Kritik stellen

"Dass Fehler gemacht wurden, ist klar."

SVW-Sportchef Clemens Fritz (Sport Bild)
Press conference SV Werder Bremen
Clemens Fritz macht derzeit eine unglückliche Figur / picture alliance/GettyImages

Der 45-Jährige hat sich im Gespräch mit der Sport Bild nun zur aktuellen Krisensituation und der Kritik an seiner Person geäußert.

"Ich stelle mich der Kritik, nehme sie sehr ernst und reflektiere mich. Dass Fehler gemacht wurden, ist klar. Aber gewisse Entscheidungen, die im Nachhinein nicht aufgingen, sind zu erklären", so Fritz.

Fritz versuchte sich an Erklärungen für den teuren Transfer von Mbangula (zehn Mio. Euro Ablöse), nach dem im Anschluss nur noch Mittel für weitere Leihen zur Verfügung standen. Und rechtfertigte dabei auch den missglückten Boniface-Deal. "Wir wollten nicht nur die Mannschaft verstärken, sondern hatten auch das klare Ziel, den Kader zu verjüngen und mit jungen Spielern Transferwerte zu schaffen", erklärte Fritz.

Bei Mbangula sei man nach wie vor von dessen Qualitäten "absolut überzeugt". Deshalb sei man beim 22-Jährigen auch "ein Stück weit ins Risiko gegangen".

"Auch in der Annahme, während der vergangenen Sommer-Transferperiode neben Marvin Ducksch und Michael Zetterer weitere Spieler verkaufen und somit weitere Einnahmen generieren zu können, mit denen wir wieder in den Kader investieren können."

Zwei Fritz-Pläne, die fehlgeschlagen sind

Ein Plan, der krachend fehl schlug. "Doch Angebote für unsere Spieler, mit denen wir uns ernsthaft beschäftigen mussten, blieben aus." Gemeint ist von Fritz wohl vor allem Schmid. Der Österreicher galt als lukrativster Verkaufskandidat, passende Angebote für Werder kamen aber nicht.

Ein weiterer Plan, der überhaupt nicht aufging, war die Leihe von Victor Boniface. Der Mittelstürmer hatte seine enorme Qualitäten bei Bayer Leverkusen zwar schon unter Beweis gestellt. Dass Werder die Chance auf einen Transfer hatte, lag aber einzig und allein an den Knieproblemen des Nigerianers, die zuvor einen Wechsel zur AC Mailand verhinderten.

"Das wirtschaftliche Risiko war für uns absolut überschaubar. Und bei Transfers muss man auch mal mutig sein", meinte Fritz, der zugab: "Wir wussten, dass er aufgrund seiner Knieprobleme nicht jedes Spiel machen kann. Unser Plan war es, dass Keke Topp deshalb zu mehr Einsatzzeiten kommen sollte, um sich als junger Spieler weiterentwickeln zu können."

Ausgereift schien dieser Fritz-Plan aber nicht gewesen zu sein. Schließlich setzte Ex-Coach Steffen in weiten Teilen der Hinrunde weder auf Boniface noch auf Topp. Die ernüchternde Bilanz: Boniface kam auf 326 Bundesliga-Minuten für Werder, verteilt auf elf Einsätze (nur zweimal Startelf). Magere zwei Assists sprangen heraus. Topp hat in seinen 16 Bundesliga-Spielen lediglich 27 Prozent der möglichen Einsatzminuten absolviert. Der 21-Jährige brauchte bis zum 20. Spieltag, ehe sein erster Saisontreffer gelang. Bezeichnend: Es war das letzte Steffen-Spiel als Werder-Coach.

Fritz hakte bei Füllkrug nach

"Wir wollten Niclas Füllkrug zurückholen."

SVW-Sportchef Clemens Fritz (Sport Bild)

Zu diesem Zeitpunkt hätte Fritz allerdings gerne schon auf einen anderen Torjäger gesetzt: Niclas Füllkrug! Werder hätte den Ex-Stürmer in diesem Winter tatsächlich gerne wieder an die Weser geholt.

"Wir wollten Niclas Füllkrug zurückholen", bestätigte Fritz. "Ich telefonierte zwei-, dreimal mit ihm, als er bei West Ham war, und habe eine Leihe abgeklopft. Doch uns war klar: Aus wirtschaftlicher Sicht sind unsere Chancen sehr gering. Und macht etwa ein Verein wie Milan Ernst, ist es nicht umzusetzen."

Tatsächlich zog es Füllkrug von den Hammers per Leihe nach Mailand. Die Rossoneri sicherten sich zudem eine Kaufoption auf den 24-fachen deutschen Nationalspieler. Zu einem Werder-Comeback wird es in absehbarer Zeit also nicht kommen.

Um den Klassenerhalt zu sichern, müssen in Bremen andere für Tore sorgen. Angesichts der mit 22 Saisontreffern drittschwächsten Offensive der Liga bleibt aber die Frage: wer? Eine schlüssige Antwort kann Fritz nach dem Transfer-Winter nicht mehr liefern.


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