Spätestens nach dem Ausscheiden gegen Paraguay (3:4 i. E.) sollte jedem klar sein: Um im Weltfußball wieder eine größere Rolle zu spielen, benötigt die deutsche Nationalmannschaft grundlegende Änderungen.
Dies betrifft vor allem die Position des Bundestrainers, aber gleichzeitig auch die Startelf. Stars von gestern wie Leon Goretzka, Leroy Sané oder Antonio Rüdiger sollten künftig keine Rolle mehr spielen und Platz für deutlich jüngere und hungrigere Spieler machen.
Die Aufarbeitung der desaströsen WM 2026 wird noch eine ganze Weile dauern, doch wir werfen bereits jetzt einen Blick nach vorne. Diese Startelf sollte Deutschland zur kommenden Europameisterschaft 2028 in Großbritannien und Irland führen:
1. Jonas Urbig

Jonas Urbig sammelte im Jobsharing-Modell mit Manuel Neuer beim FC Bayern schon Erfahrung auf höchstem Niveau. Er durfte unter anderem in wichtigen Champions-League-Spielen sowie im DFB-Pokalfinale ran. Noch dazu durfte er während der WM als Trainingskeeper im Nationalteam reinschnuppern.
Nach dem Turnier sollte er hierarchisch den Sprung von der Nummer vier zur Nummer eins machen. Perspektivisch wäre es die vielversprechendere Lösung, als weiterhin auf Oliver Baumann oder Alexander Nübel zu setzen.
2. RV: Elias Baum

Die Position des rechten Außenverteidigers ist die große Baustelle im deutschen Nationalteam. Nachdem Experimente mit Spielern wie Ridle Baku, Josha Vagnoman oder Nnamdi Collins in der Vergangenheit fehlschlugen, wurde Joshua Kimmich schließlich wieder auf dieser Position eingesetzt. Doch damit muss nun Schluss sein. Der künftige Bundestrainer sollte sich frühzeitig auf zwei bis drei junge Spieler festlegen und ihnen die Chance auf der rechten Außenverteidigerposition geben.
Ein interessanter Anwärter könnte Elias Baum sein. Der Rechtsverteidiger kam in der vergangenen Saison bei Eintracht Frankfurt kaum zum Einsatz, hatte zuvor aber in zahlreichen U-Nationalteams und bei seiner Leihe in Elversberg gezeigt, welches Potenzial in ihm schlummert. Nach dem Abgang von Rasmus Kristensen könnte er unter dem zurückgekehrten SGE-Trainer Adi Hütter endlich eine echte Chance bekommen. Wenn der 20-Jährige diese nutzt, ist er schnell ein logischer Kandidat fürs Nationalteam.
3. IV: Jonathan Tah

Jonathan Tah war bei der WM alles andere als fehlerfrei, weshalb der verschossene Elfmeter gegen Paraguay ins Bild passte. Dennoch bleibt der Bayern-Star eine wichtige Stütze im Nationalteam: Einerseits bringt er dringend benötigte Führungsqualitäten mit, andererseits gibt es auf seiner Position kaum Konkurrenz auf Augenhöhe. Wenn er es schafft, seine Leistungen im Bayern-Trikot ins Nationalteam zu übertragen, wird die Kritik schnell wieder verstummen.
4. IV: Nico Schlotterbeck

Dass sich Nico Schlotterbeck im zweiten Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste verletzte, war extrem bitter für den Dortmunder, der inzwischen auch im Nationalteam zu einer festen Größe im Abwehrzentrum zählt. Ihm kann man keinen Vorwurf machen, schließlich löste er seine Aufgabe bis zur Auswechslung gegen die Ivorer mindestens souverän. So dürfte der 26-Jährige seinen Stammplatz im DFB-Team behalten.
5. LV: Nathaniel Brown

Vor der WM hatten die meisten damit gerechnet, dass David Raum als Stamm-Linksverteidiger ins Turnier geht. Doch hier traf Julian Nagelsmann die richtige Entscheidung, auf Nathaniel Brown zu vertrauen. Dem 23-Jährigen, der nach einer starken Bundesliga-Saison und einer ordentlichen WM zum FC Bayern wechseln wird, gehört die Zukunft im Nationalteam.
6. ZDM: Joshua Kimmich

Beim Thema Joshua Kimmich scheiden sich die Geister. Während einige Fans ihn weiterhin als den richtigen Mann für das Kapitänsamt ansehen, ist er für andere das Gesicht der deutschen "Loser-Generation". Darüber, dass Kimmich nicht mehr als rechter Außenverteidiger spielen sollte, dürfte jedoch Einigkeit herrschen. Wenn Kimmich also mit Blick auf die kommende EM noch eine Rolle im deutschen Team spielen soll, dann auf der Doppelsechs. Für Konkurrenz könnte jedoch beispielsweise Angelo Stiller sorgen.
7. ZDM: Felix Nmecha

Auf den ersten Blick liest sich das Duo aus Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha vielversprechend. In der Realität zeigte sich jedoch, dass die beiden sich auf der Doppelsechs nicht gut ergänzen. Ist neben Kimmich daher nur Platz für einen von beiden? Das bessere Turnier spielte definitiv der Dortmunder, der jetzt schon wieder mit einem Transfer zu einem noch größeren Verein in Verbindung gebracht wird. Es könnte im Nationalteam auf einen offenen Konkurrenzkampf hinauslaufen.
8. RM: Lennart Karl

Die bittere Trainingsverletzung unmittelbar vor dem Turnierstart hat Lennart Karl die erste WM-Teilnahme gekostet. Die positive Nachricht ist jedoch, dass der 18-Jährige nicht lange ausfallen wird und ohnehin noch seine ganze Karriere vor sich hat. Bereits ab den Nations-League-Spielen im September dürfte das Bayern-Juwel in eine wichtige Rolle schlüpfen und die ältere Generation um Leroy Sané und Serge Gnabry auf der rechten Außenbahn endgültig ablösen.
9. ZOM: Florian Wirtz

Bei der EM 2024 schwärmte eine ganze Nation noch von "Wusiala", doch zwei Jahre später scheint es zu kompliziert zu sein, beide in einem System unterzubringen. Es braucht mehr Tempo über die Flügel, weshalb ein Konkurrenzkampf zwischen Florian Wirtz und Jamal Musiala auf der Zehnerposition wahrscheinlich ist. Aktuell hat Wirtz Vorteile gegenüber Musiala, doch auch von ihm muss nach einer durchwachsenen ersten Saison beim FC Liverpool künftig mehr kommen. Und natürlich sollte man auch einen Jamal Musiala nicht abschreiben.
10. LM: Said El Mala

Dass sich Julian Nagelsmann auch nach der Verletzung von Lennart Karl weigerte, Said El Mala zur WM mitzunehmen, sorgte bei den meisten deutschen Fans für Unverständnis. In der vergangenen Saison zeigte der 19-Jährige beim 1. FC Köln, dass er sowohl in der Startelf als auch als Einwechselspieler Spiele entscheiden kann. Sein großes Talent sollte man mit Blick auf die EM in zwei Jahren nicht verschenken - und ihn auf dem linken Flügel die Chance geben.
11. ST: Nick Woltemade

Wer wird der neue Torjäger der deutschen Nationalmannschaft? Die Mehrheit der deutschen Fans scheint sich einen Stammplatz für Deniz Undav zu wünschen, doch man sollte auch Nick Woltemade nicht vergessen. Dieser war in der letzten halben Saison zwar nicht in guter Form, erhielt aber weder von Newcastle-Coach Eddie Howe noch von Nagelsmann das nötige Vertrauen. Unter einem neuen Bundestrainer könnte Woltemade wieder aufblühen und zur deutschen Tormaschine werden.
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