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So chaotisch wie letztes Jahr? Das Transferzeugnis von Werder Bremen

Mehrere Schlüsselspieler verließen Werder Bremen, im Gegenzug kamen wie schon letzte Saison viele Leihspieler. Das Transferzeugnis für die Grün-Weißen.
Niclas Füllkrug ist der bekannteste Werder-Neuzugang
Niclas Füllkrug ist der bekannteste Werder-Neuzugang | THOMAS KIENZLE/GettyImages

Es sollte alles anders werden als im letzten Jahr, doch am Ende hatte Werder Bremen bis zum Deadline Day einiges zu tun und geht mit einem Kader in die Saison, der viele Fragezeichen aufweist. Können die Grün-Weißen dank ihrer Neuzugänge also auch in diesem Jahr die Klasse halten?

Bei den Neuzugängen dominieren erneut die Leihspieler

  • Oskar Wojcik (3 Mio. € Ablöse, zuvor Cracovia)
  • Karl Hein (3 Mio. € Ablöse, zuvor FC Arsenal)
  • Dariusz Stalmach (700.000 € Ablöse, zuvor 1. FC Magdeburg)
  • Eren Dinkci (ausgeliehen vom SC Freiburg, 400.000 € Leihgebühr)
  • Niclas Füllkrug (ausgeliehen von West Ham United)
  • Moussa Ndiaye (ausgeliehen vom RSC Anderlecht)
  • Arthur (ausgeliehen von Bayer Leverkusen)
  • Chuki (ablösefrei, zuvor Real Valladolid)
  • Kenny Quetant (ablösefrei, zuvor AC Le Havre)
  • Cedric Itten (ablösefrei, zuvor Fortuna Düsseldorf)
  • Alexander Schlager (ablösefrei, zuvor Red Bull Salzburg)
  • Ludovit Reis (ablösefrei, zuvor Club Brügge)
  • Youri Regeer (ausgeliehen von Ajax Amsterdam, 200.000 € Leihgebühr)
  • Paul Erevbenagie (aus der eigenen Jugend aufgestiegen)

Aus der Ankündigung von Fußball-Geschäftsführer Clemens Fritz, den Kader bis zum Pflichtspielauftakt im Pokal beisammen zu haben, wurde nichts. Dennoch hat der 45-Jährige einige spannende Spieler mit Potenzial verpflichtet.

Zu ihnen gehört vor allem Chuki. Der Spanier soll auf lange Sicht Romano Schmids Rolle einnehmen und ist endlich wieder ein Techniker mit richtig feinem Füßchen im Bremer Zentrum. Zwar braucht der 22-Jährige noch Zeit, doch das Potenzial ist bei Chuki absolut vorhanden.

Selbiges trifft auch auf Oskar Wojcik zu. Der Pole war rein von der Ablöse her der Königstransfer der Grün-Weißen und soll in Bremen den Platz von Karim Coulibaly einnehmen. Die Anlagen dafür sind vielversprechend, in der Vorbereitung zeigte er einen guten Eindruck und dürfte angesichts von Niklas Starks Verletzungsanfälligkeit sofort Innenverteidiger Nummer drei sein.

Besonders spannend ist wiederum die Verpflichtung von Moussa Ndiaye. Für den Senegalesen sicherte sich Werder eine Kaufoption, hat für den kommenden Sommer also Zugriff auf den 24-Jährigen – und wenn Ndiaye seine Form aus seiner Zeit bei Schalke 04 bestätigt, dann hat Werder hier wirklich einen absoluten Volltreffer gefunden.

Ndiaye ist nicht nur dynamischer als sein Konkurrent Olivier Deman, sondern auch defensivstärker als der Belgier, der seine Stärken eher in der Offensive hat. Diese Argumente dürften Ndiaye eher früher als später in die Startelf spülen.

Arthur Augusto de Matos Soares
Arthur soll in Bremen für mehr Dynamik über die Außen sorgen | Jörg Schüler/GettyImages

Dort würde er dann gemeinsam mit Arthur, der aus Leverkusen kam, ein äußerst dynamisches Außenverteidiger-Duo bilden. Der Brasilianer ist in Rekordzeit Fanliebling geworden und imponierte auch schon Trainer Daniel Thioune durch seine Flanken, sodass er seinen Stammplatz auf Rechts sicher haben dürfte – auch weil Mitchell Weiser weiter vorne eingeplant ist.

Die meisten Augen werden aber natürlich auf Niclas Füllkrug liegen. Der Stürmer kehrte in diesem Sommer zum dritten Mal nach Bremen zurück und soll für die Tore zum Klassenerhalt sorgen. Der 33-Jährige hat enttäuschende zwei Jahre hinter sich, jedoch wäre Füllkrug nicht der erste Spieler, der an alter Wirkungsstätte wieder aufblüht.

Kann Werder alle Abgänge auffangen?

  • Karim Coulibaly (20 Mio. € Ablöse, zu Racing Straßburg)
  • Romano Schmid (8,5 Mio. € Ablöse, zu Frosinone Calcio)
  • Mio Backhaus (12 Mio. € Ablöse, zum SC Freiburg)
  • Samuel Mbangula (ausgeliehen an den FC Bologna, 2 Mio. € Leihgebühr)
  • Leonardo Bittencourt (Energie Cottbus, ablösefrei)
  • Patrice Covic (Dynamo Dresden, Leihe)
  • Julian Malatini (FC Cincinnati, Leihe)
  • Leon Opitz (VfL Osnabrück, Leihe)
  • Wesley Adeh (Preußen Münster, Leihe)

Die Qualität, die Bremen im Sommer verlassen hat, ist gewaltig. Coulibaly, Schmid und Backhaus waren wichtige Stützen der letzten Saison, die zwar einiges an Ablöse in die Kassen spülten, aber sportlich nur enorm schwer zu ersetzen sind.

In diesem Zusammenhang muss vor allem der Coulibaly-Abgang hinterfragt werden, den Werder am Ende deutlich unter seinem Marktwert von 28 Millionen Euro verkaufte. Zwar begründete Bremen die Entscheidung damit, dass es außer Straßburg keine Interessenten gab, dennoch sind 20 Millionen für einen Spieler von Coulibalys Potenzial deutlich zu wenig.

Auch der Abgang von Leonardo Bittencourt darf nicht unter den Tisch fallen. Der 32-Jährige war in der letzten Saison zwar kein Leistungsträger mehr, doch als Routinier war er enorm wichtig für die Kabine, gerade zum Saisonende im sich zuspitzenden Abstiegskampf.

Konnte Werder seine Problemstellen lösen?

Das größte Problem der letzten Saison ist Werder mit den Verpflichtungen von Füllkrug, Kenny Quetant und Cedric Itten gut angegangen. Dafür machte man sich andere Baustellen auf – zum Beispiel den Flügel.

Justin Njinmah fällt die nächsten Monate aus, zudem gab man Samuel Mbangula leihweise nach Bologna ab. Ein neuer Flügelstürmer kam nicht, stattdessen soll Mitchell Weiser nach seiner Rückkehr deutlich offensiver eingesetzt werden.

Das ist ein großes Wagnis, schließlich hat der 32-Jährige seit über einem Jahr kein Pflichtspiel mehr absolviert. Insofern dürfte auf Rechts viel von Eren Dinkci abhängen, der in heidenheim zzuletzt eine gute Rückrunde spielte.

Eren Dinkçi
Eren Dinkci ist bei Werder gefordert | Leonhard Simon/GettyImages

In puncto Außenverteidigung wartete Werder bis zum Deadline Day, holte dann mit Ndiaye und Arthur aber zwei Verteidiger, die sowohl dynamisch sind, als auch sich gerne mal nach vorne einschalten. Hier ist man im Vergleich zur Vorsaison sogar eher besser geworden.

Den größten Schock gab es aber kurz vor Ende der Transferphase, als sich Jens Stage verletzte und jetzt für mehrere Monate ausfällt. Seinen Platz soll jetzt Youri Regeer einnehmen. Der Niederländer kommt von Ajax Amsterdam und hat wie auch Stage einen ausgeprägten Offensivdrang. Allerdings ist er längst nicht so torgefährlich wie der Däne, weshalb man in Bremen hier auf den nächsten Schritt hoffen muss – oder auf Ludovit Reis.

Regeers Landsmann kam ablösefrei aus Brügge, nachdem er dort seinen Vertrag aufgelöst hatte. Reis hatte letzte Saison allerdings auch große Schulterprobleme und muss erstmal wieder in Form kommen. Erreicht er allerdings seine Form aus der Aufstiegssaison beim Hamburger SV könnte auch er in die Bresche springen.

Wie wirtschaftlich war die Transferphase?

Unter dem Strich steht bei Werder ein Gewinn von 35,2 Millionen Euro. Die Transfereinnahmen gingen jedoch mit dem Verlust wichtiger sportlicher Qualität einher, was allerdings notwendig war. Werder hat noch immer mit den Restfolgen des Abstiegs vor vier Jahren zu kämpfen, in diesem Punkt war der Transfersommer ein wichtiger Meilenstein.

Ausgaben

Einnahmen

Gesamtbilanz

7,3 Mio. Euro

42,5 Mio. Euro

+35,2 Mio. Euro

Quelle: transfermarkt.de

Fazit: Wie ist Werders Transferphase zu bewerten?

Die Transferphase von Werder war erneut chaotisch und teilweise widersprüchlich. Warum zum Beispiel Badredine Bouanani nicht auch noch ausgeliehen wurde, obwohl Werder nach dem Abgang Mbangulas und der Verletzung von Justin Njinmah dringend neue Flügelspieler gebraucht hätte, bleibt fragwürdig.

Dennoch wurde der Kader trotzdem vor allem im Sturm qualitativ verstärkt. Füllkrug, Itten und Quetant geben Thioune in Kombination mit Salim Musah reichlich Optionen, sodass ein Engpass wie in der letzten Saison vermieden werden sollte.

Auch die Verpflichtungen von Arthur und Ndiaye sind gute Deals, da beide eher früher als später einen Stammplatz inne haben werden. Mit ihnen hat Werder die große Baustelle namens Außenverteidigung mehr als ordentlich geschlossen.

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Badredine Bounani war bei Werder im Gespräch | Ewan Bootman - SNS Group/GettyImages

Es bleibt dennoch erneut ein fader Beigeschmack, weil eben einige Probleme nicht behoben wurden. Dazu zählt neben dem fehlenden Flügelstürmer auch ein weiterer Mittelfeldspieler, um den Stage-Ausfall besser auffangen zu können. Die Wette auf Regeer und Reis ist ein Wagnis, da Chuki noch Zeit braucht, bis er wirklich einen spürbaren Impact auf das Spiel haben kann.

Insgesamt geht Werder also mit einem Kader in die Saison, der auf einigen Position im Vergleich zur Vorsaison besser geworden ist, auf der anderen Seite aber auch nach wie vor Lücken offenbart. Es wird erneut auf einzelne Spieler wie Füllkrug oder Eren Dinkci ankommen, wenn Werder die Klasse halten will.

Gesamtbewertung des Transfersommers: 4,5/10


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