Es war eine Szene, die allen deutschen Fans im Stadion von Toronto kurz den Atem stocken ließ. Gerade einmal 13 Minuten waren im zweiten Gruppenspiel gespielt, als Nico Schlotterbeck in einem Zweikampf mit dem ivorischen Angreifer Amad Diallo unglücklich mit dem linken Fuß wegknickte. Der 26-jährige Innenverteidiger, der unter Bundestrainer Julian Nagelsmann als absolute Stütze gesetzt ist und beim 7:1-Auftaktsieg gegen Curaçao noch geglänzt hatte, musste umgehend mit Eis behandelt werden.
Obwohl sich Real-Profi Antonio Rüdiger sofort intensiv warm machte, biss Schlotterbeck auf die Zähne. Unter lautstarken "Nico Schlotterbeck"-Sprechchören der Fans kämpfte er sich bis zum Pausenpfiff durch und glänzte in der Nachspielzeit der ersten Hälfte gar noch mit einer starken Defensivaktion. Doch der Stammspieler des BVB lief merklich unrund – und blieb nach dem Seitenwechsel folgerichtig in der Kabine.
Nagelsmann befürchtet Innenbandverletzung
Der hart erarbeitete 2:1-Sieg durch den späten Treffer von Deniz Undav rückte nach Schlusspfiff schnell in den Hintergrund. Die Sorgen um Schlotterbeck dominierten die Interviews. "Er hat irgendwas am Innenband, er muss morgen ins MRT. Es sieht auf jeden Fall nicht ganz so gut aus – leider", bestätigte Nagelsmann sichtlich besorgt am ZDF-Mikrofon. Auf der anschließenden Pressekonferenz präzisierte der Bundestrainer: "Es ist leider eine Innenbandverletzung, es ist wahrscheinlich im Sprunggelenk."
Warum der 26-Jährige trotz offensichtlicher Schmerzen überhaupt noch bis zur Halbzeit auf dem Platz stand? "Am Ende ist es immer zum großen Teil auch eine Spielentscheidung, ob er noch performen kann. Und er hat es bis zur Pause noch sehr gut gemacht", erklärte Nagelsmann und lobte den unbändigen Willen seines Abwehrspielers.
Das MRT bringt Klarheit: Droht das Turnier-Aus?
Am heutigen Sonntag soll eine MRT-Untersuchung im Basecamp der Deutschen Nationalmannschaft endgültige Klarheit bringen. Die Ergebnisse dieser Untersuchung werden entscheiden, ob das Turnier für Schlotterbeck vorzeitig beendet ist.
Sollte es sich lediglich um eine Überdehnung des Bandes handeln bestünde noch Hoffnung auf eine Rückkehr im Achtelfinale. Ein Teilabriss oder gar ein kompletter Riss des Innenbandes würde hingegen eine wochen- oder gar monatelange Zwangspause bedeuten – und damit das bittere WM-Aus besiegeln.
Für das DFB-Team wäre der Ausfall ein massiver Rückschlag. Da laut FIFA-Regularien nach dem ersten Gruppenspiel keine Spieler mehr nachnominiert werden dürfen, kann Nagelsmann keinen externen Ersatz mehr anfordern. Sollte Schlotterbeck ausfallen, wird wohl Antonio Rüdiger als Rechtsfuß die Position neben Jonathan Tah in der Innenverteidigung dauerhaft übernehmen.
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