Schalke wird deutlich älter: Deshalb setzt Muslic zurzeit auf Erfahrung

Zuletzt wurden die Startaufstellungen des FC Schalke deutlich älter. Ist damit der Fokus auf die Jungprofis schon wieder abgehakt?
Miron Muslic mit Kenan Karaman und Ron Schallenberg
Miron Muslic mit Kenan Karaman und Ron Schallenberg | Ralf Ibing - firo sportphoto/GettyImages

Direkt am ersten Spieltag dieser Saison sorgte Miron Muslic mit seiner Premieren-Startelf als zum damaligen Zeitpunkt noch brandneuer Cheftrainer beim FC Schalke für Erstaunen. Abseits einzelner Routiniers setzte er direkt zum Auftakt auf gleich mehrere sehr junge Spieler ohne nennenswerte Profi-Erfahrung. Peter Remmert (20 Jahre) durfte starten, Felipe Sanchez (21) und Vitalie Becker (20) waren weitere Beispiele.

Diese Startelf, beim 2:1-Heimsieg über Hertha BSC, war im Durchschnitt 25 Jahre alt (via Sofascore). Im Laufe der Saison untermauerte Muslic diese Herangehensweise, indem er etwa auch Mika Wallentowitz (inzwischen 18 Jahre) oder Mertcan Ayhan (19) häufiger aufspielen ließ.

Umso mehr zeigt sich seit dem Jahreswechsel eine größere Trendumkehr, von der auch die Bild berichtet. Die Startelf beim 1:1-Remis gegen Greuther Fürth war im Durchschnitt 28,5 Jahre alt - ein bereits bemerkenswerter Gegensatz. Edin Dzeko (39) ist neu dabei und gesetzt, Kevin Müller (34) ist nochmal etwas älter als Loris Karius, Timo Becker (28) bekommt den Vorzug vor Ayhan und auch Kenan Karaman (31) gehört zu den erfahrenen Knappen.

Plötzlich waren die 23-Jährigen, wie Soufian El-Faouzi, Adil Aouchiche und Moussa Ndiaye, die Jüngsten. Auf der Bank saßen gleich sechs Spieler, die noch jünger waren - und keiner von ihnen bekam auch nur eine einzige Einsatzminute.

Wird Schalke wieder älter? Nahezu jeder Fall ist erklärbar

Hat sich Muslic also von seinem Fokus auf die jungen Spieler schon wieder verabschiedet? Ein Nein als Antwort wäre zwar nicht grundsätzlich falsch, ein Ja aber viel zu kurz gedacht.

Tatsächlich lässt sich fast jede einzelne Personalie erklären. Wallentowitz beispielsweise wusste zuletzt nicht mehr zu überzeugen, dazu spielt S04 zurzeit mit der Viererkette und damit ohne Schienenspieler. Ayhan musste auch aufgrund dieser Umstellung weichen, dazu soll Becker wieder in den Rhythmus finden. Sanchez unterliegt im Konkurrenzkampf Hasan Kurucay, was ebenfalls nachvollziehbar ist. Remmert soll nach seiner Verletzung bei der U23 wieder regelmäßig auflaufen, während auch Max Grüger und vor allem Zaid Tchibara nach ihren Verletzungen den Abstand zur ersten Elf aufholen müssen - wenn sie denn leistungsmäßig überhaupt schon dazu in der Lage sind.

Ebenfalls nicht zu vergessen: Mit Emil Højlund (21) und Dylan Leonard (18) fehlen zwei junge Spieler langfristig, die auch weitaus größere Rollen hätten spielen können. Vitalie Becker wird früher oder später mit Ndiaye, der auch nicht wesentlich älter ist als das Eigengewächs, um den Startplatz als Linksverteidiger konkurrieren.

Eintracht Braunschweig v FC Schalke 04 - 2. Bundesliga
Mika Wallentowitz und Mertcan Ayhan gehören zu den jüngsten S04-Profis | Max Ellerbrake - firo sportphoto/GettyImages

Es ist also tatsächlich der Fall, dass Muslic zuletzt vermehrt auf Erfahrung gesetzt hat. Das wird auch daran deutlich, dass Schalke jede einzelne der drei ältesten Startelf-Zusammensetzungen der aktuellen Saison in der 2. Bundesliga vorzuweisen hat (via transfermarkt). Neben Fürth handelt es sich dabei auch um die Spiele gegen Magdeburg und Kiel. Es sind also sogar die letzten drei Spiele hintereinander.

Zu dieser teils sehr deutlichen Änderung hat Muslic aber weder aus Lust und Laune, noch aus einer grundsätzlichen Abkehr dieser vorigen Richtung gegriffen. Zwischendurch rückten junge Spieler auch durch Verletzungen rein, deren Rückkehrer sie dann wiederum wieder ersetzten. In einzelnen Fällen konnten sie noch nicht auf einem beständig-guten Level überzeugen, was jedoch erwartbar war.

Schalke ist aber abseits der neuen Zielsetzung, wieder in die Bundesliga aufzusteigen und damit auf die altersunabhängig besten Spieler setzen zu müssen, auf die Entwicklung solcher Jungprofis angewiesen. Das weiß der Coach - und diesen Weg wird er auch wieder mitgehen, sobald es das übergeordnete Ziel zumindest nicht gefährdet.


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