Schalke plötzlich mit Viererkette: Kann dieser Kniff zum Vorteil werden?
Von Yannik Möller

In der sehr erfolgreichen Hinrunde war die defensive Dreierkette eines der Markenzeichen des FC Schalke unter Miron Muslic. Schon zu Beginn der Saisonvorbereitung im vergangenen Sommer war frühzeitig klar, dass die Gelsenkirchener unter ihm als Cheftrainer mit drei Innenverteidigern aufspielen würden, flankiert von den Schienenspielern auf den Außenbahnen.
Sowohl diese defensive Beständigkeit, als auch die individuell starken Leistungen der Abwehrspieler haben dafür gesorgt, dass nur eine äußerst geringe Anzahl an Gegentoren hingenommen werden musste. Kurzum: Es haben wenige eigene Tore für vergleichsweise viele Siege gereicht, was den S04 ins Aufstiegsrennen katapultiert hat.
Zuletzt jedoch, seit dem Jahreswechsel und damit zur Rückrunde, wich Muslic von seinem Fokus auf die Dreierkette ab. Gegen Hertha BSC (0:0) und den 1. FC Kaiserslautern (2:2) spielte Schalke noch in dieser Anordnung. Seit der 0:2-Niederlage beim VfL Bochum jedoch steht die Viererkette. Das war auch gegen Dynamo Dresden und bei Holstein Kiel am vergangenen Wochenende der Fall.
Aus der Not geboren: Bringt die "Viererkette" mehr Torgefahr?
Zunächst hatte Muslic diese Umstellung mit dem zwischenzeitlich fehlenden Personal für die Schienen begründet. Vitalie Becker und Adrian Gantenbein beispielsweise fehlten verletzt, während Kandidaten wie Mika Wallentowitz oder Finn Porath nicht zu überzeugen wussten.
Inzwischen macht es jedoch den Anschein, als sei diese Umstellung auch ein Versuch, der Mannschaft etwas mehr spielerische Akzente mitzugeben - etwas mehr Flexibilität im eigenen Ballbesitz. Dabei bleibt Schalke aber flüssig in der Herangehensweise: Während mit Moussa Ndiaye beispielsweise der Linksverteidiger in Kiel sehr offensiv und zuweilen beinahe als zusätzlicher Flügelspieler agierte, gab Timo Becker den vergleichsweise recht defensiven Rechtsverteidiger. Durch das entsprechende Nachschieben der Kette ergab sich so trotzdem eine nominelle Dreierkette.
Durch diese taktische Anpassung wird ermöglicht, dass zugleich vier Offensivspieler aufspielen. Das ist zumeist der Angreifer, ein Spieler im Zehner-Raum (in der Regel Kenan Karaman) sowie zwei weitere Akteure, die über die Halbräume agieren und etwas mehr Freiheiten haben. Diese Rollen haben Dejan Ljubicic und Adil Aouchiche in Kiel übernommen. Insbesondere Aouchiche wurde dabei auf der linken Seite immer wieder von Ndiaye unterstützt.
So wird schnell deutlich: Diese Anpassung, die mutmaßlich zunächst aus der Not geboren wurde, kann für Schalke zu einer wichtigen Stärke werden, weil sie den aktuellen Tabellenführer etwas kreativer und weniger berechenbar macht - zumindest in Ballbesitz. Und das war bislang die große Schwäche von Königsblau. Phasenweise war diese Verbesserung schon gegen Dresden zu sehen und größtenteils auch beim wichtigen Auswärtssieg im hohen Norden.
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