Mit dem Auswärtsspiel beim FC Augsburg wird der FC Schalke am kommenden Sonntag den ersten Spieltag der neuen Saison in der Bundesliga abschließen. Dem Aufsteiger kommt durch dieses Einzelspiel eine besondere Aufmerksamkeit zu. So werden längst nicht nur diejenigen, die es entweder mit dem FCA oder dem S04 halten, zuschauen, wie sich die Knappen nach ihrem Aufstieg so machen.
Ein besonderer Fokus wird dabei natürlich auch auf der Startelf liegen, die Miron Muslic zum ersten der insgesamt 34 Versuche, sich in der Bundesliga zu halten, ins Rennen schicken wird. Diese erste Elf ist schon jetzt größtenteils absehbar, sodass ein Vergleich zum letztjährigen Erstliga-Auftakt der Gelsenkirchener möglich ist.
Die letzte erstklassige Saison von Schalke war 2022/23, die mit dem 17. Tabellenplatz und so mit dem direkten Abstieg endete. Diese Saison eröffnete Königsblau mit einer 1:3-Niederlage beim 1. FC Köln und unter der Führung von Frank Kramer. Übrigens: Mit Dejan Ljubicic spielte damals jemand für den Effzeh auf, der mit ziemlicher Sicherheit nun in der blau-weißen Startelf stehen wird.
Die damalige und voraussichtliche S04-Startelf im direkten Vergleich
Die damalige Aufstellung im 4-2-3-1 lautete wie folgt:
Schwolow – Brunner, Yoshida, Kaminski, Ouwejan – Kral, Krauß – Drexler, Zalazar, Mohr – Polter
Und so lautet die zu erwartende Aufstellung für das diesjährige Auftaktspiel in Augsburg im 3-4-2-1:
Karius – Becker, Katic, Kurucay – Ljubicic, Schallenberg, El-Faouzi, Gosens – Adamu, Aouchiche – Sylla
Der große Vergleich: Die aktuelle S04-Startelf vs. die Startelf des letztmaligen Erstliga-Auftakts
1. Das Tor: Loris Karius gegen Alexander Schwolow

Nachdem sich vorige Gerüchte um Stefan Ortega (wohl auch wegen Frank Kramer) zerschlagen hatten, rüstete sich der S04 mit Alexander Schwolow gegen den als Aufsteiger automatisch drohenden Abstieg. Wirklich warm wurden Klub und Keeper aber nie miteinander. In gleich mehreren Spielen sorgte er für folgenschwere Fehler, die wohl insgesamt auch Punkte gekostet haben dürften.
So dürfte es kaum verwunderlich sein, dass Loris Karius diesen Vergleich gewinnt. Er hat sich längst wieder gefangen, war bereits ein wichtiger Pfeiler für den Aufstieg und hat seiner Mannschaft mehrere Punkte festgehalten. Er bringt ein weitaus besseres Gesamtpaket mit, als Schwolow es vor vier Jahren tat.
Vorteil für das diesjährige Schalke durch Karius.
2. Abwehr: Heutige Fünferkette ist der damaligen Viererkette überlegen

Es ist beinahe amüsant zu sehen, wie sich manch ein Schalker über die vermeintlich fehlende Geschwindigkeit der aktuellen Innenverteidigung sorgt, wenn man diesen Rückblick wagt. Um es freundlich zu formulieren: Auch Marcin Kaminski und Maya Yoshida waren wahrlich keine Sprinter. An dieser Stelle hat das Duo also keinen Vorteil gegenüber Timo Becker, Nikola Katic und Hasan Kurucay.
In spielerischer Hinsicht hat das aktuelle Trio die Nase vorne, wenngleich Yoshida und Kaminski grundsätzlich in der Zweikampfführung wiederum auch gute Momente hatten und zumindest in dieser Hinsicht kein klarer Vorteil für die Muslic'sche Dreierkette besteht.
Bei den Außenverteidigern beziehungsweise den Schienenspielern sieht es etwas differenzierter aus. Thomas Ouwejan war für Schalke enorm wichtig, konnte das aber in der Bundesliga nicht untermauern. Cedric Brunner absolvierte zumeist solide Leistungen, wenn auch ohne nennenswert positive Ausreißer. Robin Gosens ist auf dem Papier gegenüber Ouwejan im Vorteil, wobei noch abzuwarten sein wird, wie sich der 32-Jährige so machen wird. Ljubicic würde auf der rechten Seite eher aushelfen, da Junior Dina Ebimbe bislang nicht überzeugen konnte und Adrian Gantenbein verletzt ist. Gegen die zwei Letzteren wäre Brunner eher nicht im Nachteil, während er zumindest offensiv klar hinter Ljubicic zurückstecken muss. Grundsätzlich ist es aber natürlich auch schwierig, klassische Außenverteidiger in ihrem Wirken mit Schienenspielern zu vergleichen.
Vorteil für das diesjährige Schalke durch die gefestigte und flexiblere Abwehrreihe.
3. Mittelfeld: Einzelne Ausnahmen und die zusammengefasste Qualität

Mit Rodrigo Zalazar hatte Kramer damals einen Spielmacher zur Verfügung, der auch aktuell beim S04 einen Stammplatz inne haben dürfte. Während Tobias Mohr in dieser Hinsicht klar absackt und Tom Krauß sowie Dominick Drexler einen zumindest guten Tag erwischen müssten, um sich gegenüber dem heutigen Mittelfeld durchzusetzen, würde Alex Kral gegenüber Ron Schallenberg wohl durchaus mithalten können.
Nimmt man vorrangig die von den bereits thematisierten Schienenspieler um Soufiane El-Faouzi und Schallenberg flankierten Zentrumsspieler in den Fokus, so ist dieses Duo insgesamt gegenüber Kral und Krauß überlegen. Das liegt insbesondere an El-Faouzi, der das Kämpferische von Krauß und das Spielerische von Kral bereits vereint.
In der offensiveren Hinsicht müssten sich also Mohr und Drexler als die Außenspieler sowie Zalazar als Spielmacher dann mit Karaman und Aouchiche messen. Zalazar und ein gut aufgelegter Drexler würden zwar die Ehre der letztmaligen Startelf zum ersten Erstliga-Spieltag verteidigen, doch insgesamt ist der heutige S04 mit ihrem offensiven Mittelfeld-Duo besser aufgestellt. Von der grundsätzlichen Rolle und dem Impact, dass sie mit Einzelaktionen für Torgefahr sorgen sollen oder gar müssen, sind Zalazar und Aouchiche sogar vergleichbar.
Vorteil für das diesjährige Schalke durch die individuelle Qualität – wenngleich mit einzelnen Ausnahmen.
4. Angriff: Sylla als gänzlich anderer Stürmertyp als Polter

In der letzten Erstliga-Saison hat Frank Kramer häufig und viel von "Wucht" in der Offensive gesprochen – und nicht zuletzt auch deshalb auf Sebastian Polter gesetzt. Das ist in dieser Saison größtenteils anders. Zwar gibt es mit Edin Dzeko einen ebenfalls klassischen Mittelstürmer, doch zunächst wird wohl noch Moussa Sylla in der Startelf stehen.
Er ist kaum mit Polter zu vergleichen, wenngleich beide im Angriff aufspielen. Sylla soll auch die Tiefe suchen, auch selbst als Vorlagengeber in Erscheinung treten. Oftmals geht ihm jedoch die Effizienz vor dem gegnerischen Tor etwas ab.
Insgesamt hat der aktuelle Verkaufskandidat aber doch leicht die Nase vorn – jedenfalls in Normalform.
Vorteil für das diesjährige Schalke aufgrund des Gesamtpakets.
Fazit: S04 geht den Klassenerhalt in dieser Saison besser vorbereitet an
Natürlich ist es schwierig, zwei gänzlich unterschiedliche Startaufstellungen zu vergleichen, die sich auch in ihrer grundsätzlichen Spielphilosophie sehr unterscheiden. Zumal eine Startelf am ersten Spieltag auch selten auch die Auswahl an elf Spielern ist, die schlussendlich auch den Großteil der 34 Partien in dieser Zusammensetzung absolvieren.
Nimmt man jedoch diese beiden Startaufstellungen, so gibt es schlussendlich einen klaren Sieger: Die aktuelle Mannschaft unter Muslic ist insgesamt qualitativ besser, harmonischer und auch passender zur Spielphilosophie zusammengestellt. Zwar gibt es hier und da Ausnahmen mit Spielern von 2022/23, die auch im Muslic-Team ihren Platz finden würden. Dazu sind manche Teile der Aufstellungen deutlich näher beisammen als andere. Insgesamt jedoch scheint Schalke diese Erstliga-Saison in personeller Hinsicht besser an, als unter Kramer.
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