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Sammer legt Finger in DFB-Wunde: Warum Deutschland kein WM-Favorit ist

Matthias Sammer hat einmal mehr markige Kritik am deutschen Fußball geübt. 💥
Matthias Sammer übt erneut markige Kritik
Matthias Sammer übt erneut markige Kritik | Rene Nijhuis/MB Media/GettyImages

Matthias Sammer ist für seine markigen Worte bekannt. Zuletzt sorgte der BVB-Berater und ehemalige DFB-Sportdirektor mit seinen Aussagen über das WM-Comeback von Manuel Neuer für Aufsehen. Laut Sammer sei das die logische Konsequenz, weil der 40-Jährige weiterhin der Beste ist. Profisport sei eben kein Ponyhof – entsprechend tue ihm der degradierte Oliver Baumann auch nicht leid (90min berichtete).

Am heutigen Dienstag wird Bundestrainer Julian Nagelsmann nun gemeinsam mit Rudi Völler auf einer Pressekonferenz (ab 14:30 Uhr) die heiße WM-Vorbereitungsphase einleiten. Am Mittwoch steigt im DFB-Camp in Herzogenaurach dann das erste Training des Weltmeisterschafts-Kaders.

Die WM-Stimmung in Deutschland ist derweil wenig euphorisch. Das DFB-Team gehört zwar zum Favoritenkreis, andere Nationen liegen im Ranking der Titelanwärter aber vermeintlich weiter vorne. Zudem wird Nagelsmann mittlerweile von vielen Fans sehr kritisch gesehen. Seine teils kontroversen Entscheidungen bei der Kadernominierung taten ihr Übriges dazu.

Sammer fordert "deutsche Tugenden"

"Jetzt schämen wir uns fast für diese Tugenden."
Matthias Sammer (Stern)

Sammer sieht das ähnlich und legt im Interview mit dem Stern die Finger tief in die deutsche Fußballwunde. Auch der 58-Jährige sieht Deutschland lediglich im erweiterten Favoritenkreis, nicht aber als Topfavorit auf den WM-Titel. Das liege auch an den jüngst gezeigten Leistungen. Vor allem Defensiv sei man zu anfällig. Auch weil die "Kunst des Verteidigens" in Deutschland immer mehr verloren gegangen sei. So habe das DFB-Team immer seine Schwierigkeiten, Führungen über die Ziellinie zu bringen. In den März-Testspielen gegen die Schweiz und Ghana war das erneut zu sehen.

Die viel zitierten "deutschen Tugenden" sieht Sammer zudem immer mehr schwinden. "Zu unseren Stärken haben immer Kampfgeist und Wille gezählt. Das hat alle großen Mannschaften ausgemacht. Und jetzt schämen wir uns fast für diese Tugenden", monierte er.

A- statt B-Note entscheidend

"Wir reden zu viel über die Schönheit des Spiels, über Ballbesitz – und zu wenig darüber, wie man es gewinnt."
Matthias Sammer (Stern)

Die A-Note, nämlich das Ergebnis, müsse wieder das entscheidende Kriterium sein. "Wir reden zu viel über die Schönheit des Spiels, über Ballbesitz – und zu wenig darüber, wie man es gewinnt. Alles muss gefällig aussehen und künstlerisch wertvoll sein, ständig geht es um die B-Note. Dieses Gerede hilft uns nicht weiter", machte Sammer deutlich.

Für die Zukunft des deutschen Fußballs hofft er derweil, dass sich wieder mehr Ex-Nationalspieler Aufgaben übernehmen: "Ich würde mir auch wünschen, dass sich die Spieler aus der Weltmeistermannschaft von 2014 stärker einbringen. Wir brauchen mehr Jungs, die auf höchstem Niveau gespielt haben und auch die Verantwortung im Fußball von heute mit übernehmen. Denn eines ist für mich klar: Der Fußball sollte den Fußballern gehören."


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