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Rolle rückwärts nach Boykott-Drohung: FIFA beerdigt Infantinos Investoren-Pläne

Nach einem beispiellosen Aufstand der Kontinentalverbände hat FIFA-Präsident Gianni Infantino seine umstrittenen Pläne zum Verkauf von WM-Anteilen offiziell gestoppt.
Gianni Infantino muss eine krachende Niederlage einstecken und rudert nach der massiven weltweiten Kritik offiziell zurück
Gianni Infantino muss eine krachende Niederlage einstecken und rudert nach der massiven weltweiten Kritik offiziell zurück | BSR Agency/GettyImages

Es ist ein historischer Paukenschlag im Weltfußball: FIFA-Präsident Gianni Infantino hat sich im spektakulären Machtkampf um die Zukunft der Weltmeisterschaften verkalkuliert und muss eine herbe Niederlage einstecken. In einer in der Nacht zum Samstag veröffentlichten offiziellen Stellungnahme gab der Fußball-Weltverband FIFA bekannt, dass das vieldiskutierte Milliarden-Projekt "FIFA Forward Enterprise" mit sofortiger Wirkung gestoppt wird.

Mit dem Vorhaben wollte die FIFA rund 20 Prozent ihrer kommerziellen WM-Rechte an externe Private-Equity-Investoren verkaufen, um bis zu 4,2 Milliarden US-Dollar in die Kassen zu spülen. Infantino begründete den plötzlichen Rückzieher nun mit der drohenden Spaltung des Weltfußballs. "Nachdem wir uns alle Standpunkte aufmerksam angehört haben, ist deutlich geworden, dass das Projekt zu Spaltungen geführt hat, die – unabhängig vom Ausmaß der Unterstützung – nicht mehr im Interesse des ursprünglich angestrebten Ziels liegen", wird der FIFA-Boss in dem Statement zitiert. Der Vorschlag werde folglich "nicht weiterverfolgt".

UEFA-Boykott und interne Rebellion zwingen Infantino in die Knie

Dass der mächtige FIFA-Präsident so abrupt einknickt, liegt an dem beispiellosen Gegenwind der vergangenen Tage. Den Anfang machte die europäische UEFA, die nicht nur scharfe Kritik äußerte, sondern einstimmig mit einem radikalen Boykott aller künftigen FIFA-Turniere drohte. Kurze Zeit später schlossen sich auch der nord- und mittelamerikanische Verband CONCACAF sowie der asiatische Kontinentalverband AFC dem Widerstand an. Da lediglich der afrikanische Verband (CAF) den Plänen offen gegenüberstand, war eine erforderliche Mehrheit der 211 Mitgliedsverbände für Infantino rein rechnerisch völlig aussichtslos geworden.

Doch nicht nur die Kontinentalverbände liefen Sturm, auch intern bröckelte die Machtbasis des Schweizers gewaltig. Der langjährige FIFA-Topberater Carlos Cordeiro (ehemaliger US-Verbandspräsident) war aus Protest gegen den "schlechten Deal für den Fußball" mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Zudem warf der operative FIFA-Geschäftsführer Kevin Lamour dem Präsidenten öffentlich vor, die eigenen Mitarbeiter getäuscht zu haben, und bezeichnete die Investoren-Idee als "Projekt einer einzigen Person".

Politische Brisanz um US-Investoren

Besondere Brisanz erhielt der geplatzte Deal durch die Wahl der potenziellen Geldgeber. So galt unter anderem das Investment-Unternehmen Thrive Capital von Joshua Kushner als heißer Kandidat für den Einstieg. Kushner ist der Bruder von Jared Kushner, dem Schwiegersohn des US-Präsidenten Donald Trump. Die ohnehin schon enge, viel kritisierte Beziehung zwischen Infantino und Trump sorgte im Zuge des Deals für weitere scharfe Kritik – unter anderem von Ex-FIFA-Chef Sepp Blatter, der monierte, niemand habe das Recht, "unseren Sport zu verkaufen".

Nun muss Gianni Infantino die Scherben zusammenkehren. In seinem Statement kündigte er an, alle Parteien in den kommenden Tagen wieder an einen Tisch holen zu wollen, um den Fußball "im Geiste des gemeinsamen Interesses" voranzubringen. Ob die massiven Risse zwischen der FIFA und Verbänden wie der UEFA so schnell wieder zu kitten sind, darf jedoch stark bezweifelt werden.


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