Das Debüt auf der Trainerbank rückt näher. Am 24. September wartet in Amsterdam der Nations-League-Klassiker gegen die Niederlande. Doch schon lange vor dem ersten Anpfiff weht ein völlig neuer Wind durch den DFB-Campus in Frankfurt. Jürgen Klopp lässt keine Zeit verstreichen und packt die Probleme sofort an.
Die ersten 45 Tage seit seiner Ernennung glichen einer echten Dauer-Tournee. Klopp sah den Supercup sowie Liga-Spiele in München, Stuttgart, Mainz und Frankfurt live im Stadion. Den direkten Draht zu seinen wichtigsten Stars wie Florian Wirtz, Kai Havertz oder Marc-André ter Stegen suchte er intensiv in persönlichen Vier-Augen-Gesprächen oder per FaceTime.
Eine neue Einheit und ein umgestimmtes Top-Talent
Klopp agiert im Verband als absoluter Dauer-Kommunikator. Eine seiner ersten und wichtigsten Amtshandlungen: Er beorderte sämtliche U-Nationaltrainer zu einem Meeting und schwor sie darauf ein, die Zukunft des deutschen Fußballs als feste Einheit zu gestalten. Dass sich einige Teilnehmer danach bedankten, weil es solch einen Austausch unter den Vorgängern schlichtweg nicht gab, soll Klopp, laut einem Artikel der Welt beinahe irritiert haben.
Zudem kümmert er sich proaktiv darum, dass der DFB nicht noch mehr Top-Talente an andere Nationen verliert. Ein kurzes Gespräch am Trainingsplatz reichte jüngst offenbar aus, um das umworbene Frankfurter Talent Younes Ebnoutalib vorerst von einer Zusage für die marokkanische Auswahl abzubringen - auch Louey Ben Farhat entschied sich jüngst, für den DFB aufzulaufen.
Die größte Hürde: Klopp plant den System-Umbruch

Die mit Abstand kniffligste Herausforderung wartet auf Klopp jedoch auf dem Rasen. Der neue Bundestrainer plant einen radikalen taktischen Bruch. Während die wichtigsten DFB-"Hauptlieferanten" – der FC Bayern unter Vincent Kompany und der VfB Stuttgart unter Sebastian Hoeneß – konsequent auf Manndeckung setzen, wird es diese im Nationalteam künftig nicht mehr geben.
Klopp kündigte bereits an, strikt auf seine bewährte Raumdeckung sowie eine klare Viererkette (4-2-3-1 oder 4-3-3) zu setzen. Systeme mit Dreierkette, wie sie unter anderem beim BVB praktiziert werden, sind damit Geschichte. Das massive Problem bei diesem Unterfangen: Bis zur Premiere in Holland bleiben Klopp lediglich zwei gemeinsame Trainingseinheiten, um den Spielern seine komplexe Philosophie einzuimpfen.
Klopp geht diesen schwierigen Weg aus absoluter Überzeugung. Die strikte Raumdeckung gepaart mit aggressivem Gegenpressing war bei all seinen Stationen der entscheidende Schlüssel, um gegen individuell besser besetzte Teams über sich hinauszuwachsen. Genau diesen Effekt will er nun beim DFB erzeugen, um Top-Nationen wie England, Frankreich oder Spanien künftig wieder auf Augenhöhe zu begegnen.
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