Mit der Verpflichtung von Serhou Guirassy im Sommer 2024 landete Borussia Dortmund einen Volltreffer. Dank einer Ausstiegsklausel wurde der Torjäger zum 18-Millionen-Euro-Schnäppchen und deutlichem Upgrade zu Niclas Füllkrug. Untermauern konnte der Guineer das mit überragenden 38 Toren und neun Vorlagen in seiner ersten BVB-Saison. Kein Wunder, dass Trainer Niko Kovac regelmäßig von seiner Lebensversicherung sprach.
Knapp ein Jahr später sind diese Schwärmereien immer seltener geworden. Allein abzulesen an den Zahlen ist das nicht. Mit 20 Toren und sechs Assists in 44 Partien sind sie bei Guirassy auch 25/26 mehr als ordentlich.
Doch die zwischenzeitliche Schwächephase mit nur einem Bundesliga-Tor zwischen Ende September und Mitte Januar scheint am Selbstverständnis des Torjägers genagt zu haben. Und an seinem Standing in Dortmund.
Ist Guirassy mit dem Kopf schon weg?
Viel schlimmer noch: Viele BVB-Fans sind mittlerweile genervt von Guirassy und wenden sich vom Topstürmer ab. Das liegt vor allem an der Haltung des 29-Jährigen, die häufig etwas lustlos und abwesend wirkt. Negativer Höhepunkt war sein Auftritt bei der 0:1-Pleite vergangene Woche in Gladbach.
Befeuert wird die negative Wahrnehmung von Guirassy in Dortmund durch ständige Wechselgerüchte. Die Bild berichtete Anfang April, dass der Stürmer die Entscheidung getroffen habe, im Sommer bei einem passenden Angebot wechseln zu wollen. Die im bis 2028 gültigen Vertrag enthaltende Ausstiegsklausel für ausgewählte Topklubs ist schon länger bekannt. Sky berichtet von 50 Millionen Euro, laut Bild liegt sie im kommenden Sommer sogar nur bei 35 Millionen Euro.
Ist Guirassy also mit dem Kopf schon weg? Das wird ihm von vielen Fans und Beobachtern durchaus häufig vorgeworfen in diesen Tagen.
BVB-Bosse geben Guirassy weiter Rückendeckung
Ein Abschied aus Dortmund nach zwei Jahren ist durchaus möglich. Bis dahin erhält Guriassy aber trotz der negativen Grundstimmung rund um seine Person weiter Rückendeckung von den Klubbossen. Immer wieder heben Kovac, Ricken und Co. schützend die Hand über ihren Mittelstürmer.
Auf der einen Seite dürfte das sportliche Gründe haben. Trotz allen Schwierigkeiten steht Guirassy allein in der Bundesliga bei 15 Saisontoren und ist damit bester Torschütze der Schwarzgelben. Ein Fakt, den Kovac nicht müde wird zu betonen.
Die Rückendeckung der Bosse dürfte aber auch mit Blick auf den Sommer und dem Erhalt seines Marktwertes motiviert sein (aktuell: 40 Mio. Euro). Denn sollte Guirassy gehen, dann soll aus BVB-Sicht natürlich die höchstmögliche Ablöse herausspringen. Ein Wechsel per Ziehung der Ausstiegsklausel ist dabei nur eine Option. Interesse soll es auch von Klubs geben, die diese nicht aktivieren können. Etwa aus Saudi-Arabien. Oder aus der Türkei, wo laut A Spor vor allem Fenerbahce heiß auf einen Transfer sein soll. Dabei habe es sogar schon Gespräche mit der Guirassy-Seite gegeben, die dabei erklärt habe, der Torjäger sei grundsätzlich offen für einen Wechsel nach Istanbul.
Noch keine konkreten Angebote für Guirassy?
Mit Gerüchten im türkischen Medienwald sollte man erfahrungsgemäß aber sehr, sehr vorsichtig umgehen. Die Bild schreibt derweil, dass es zwar weiter zahlreiche interessierte Klubs gibt. Ein konkretes Angebot liege Guirassy aber weiter nicht vor.
Das wahrscheinlichste Szenario ist demnach, dass sich der Transfer-Poker noch über den Sommer hinzieht und womöglich erst nach der WM entschieden wird. Für den BVB bedeutet das kaum Planungssicherheit. Denn sollte Guirassy gehen, bräuchte es dringend einen Ersatz.
Bei allem Unmut über den 29-Jährigen: Er ist und bleibt ein Top-Torjäger – auch wenn diese Qualität aktuell durch seine unglückliche Körpersprache überstrahlt wird.
Schicksalsschlag als Katalysator?
Wie diese zustande kommt und ob sie tatsächlich vor allem durch die Situation in Dortmund und dem Wunsch nach einem Wechsel geprägt ist, kann man von außen nicht seriös beurteilen. Was häufig vergessen wird, aber nicht vergessen werden sollte: Guirassy ist ein Mensch wie du und ich – mit all den dazugehörigen Emotionen.
Private Probleme und familiäre Sorgen können sich ebenso stark auf die Haltung auf dem Platz auswirken. Zur Erinnerung: Mitte Februar bejubelte Guirassy in der Champions League seinen Treffer gegen Atalanta mit einer T-Shirt-Botschaft. Gerichtet war sie an die eigene Familie und besonders um seinen Bruder, der um seine plötzlich verstorbene Tochter trauert.
"Meine Nichte ist gestorben. Es war eine Botschaft an meinen Bruder. Wir stehen ihm alle bei. Es ist eine harte Zeit für die Familie", erklärte Guirassy im Anschluss.
Dass dieser Schicksalsschlag eine Rolle in der aktuellen Gemengelage spielt, ist reine Spekulation. Aber durchaus möglich. Der Frust der BVB-Fans über den Stürmer ist zwar verständlich. Für die Bewertung der Situation lohnt es sich aber sicher auch, zu versuchen, den Blickwinkel von Guirassy einzunehmen.
Und wer weiß: Vielleicht reift über den Sommer hinweg bei Guirassy doch noch einmal die Erkenntnis, dass Dortmund der richtige Ort für seine Karriere ist. In der Form seiner Debütsaison gibt es keine Zweifel daran, dass das für den BVB das beste Szenario wäre. Dann hätte Kovac auch wieder seine Lebensversicherung zurück.
