Die bevorstehenden Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko wird nicht nur wegen des neuen XXL-Formats historisch. Auch bei den Regeln setzt die FIFA gemeinsam mit dem International Football Association Board (IFAB) zahlreiche Veränderungen um. Ziel aller Maßnahmen: weniger Zeitspiel, schnellere Abläufe und mehr Fairness auf dem Platz.
Neue Regeln zur Verbesserung der Netto-Spielzeit
- nur noch 5 Sekunden Zeit für Einwürfe und Abstöße
- nur noch 10 Sekunen Zeit, um bei Auswechslungen vom Platz zu gehen
- auf dem Platz behandelte Spieler müssen mind. 1 Minute draußen warten
Besonders im Fokus stehen dabei Verzögerungen bei Standardsituationen. Spieler sollen künftig nur noch fünf Sekunden Zeit haben, einen Einwurf auszuführen. Erkennt der Schiedsrichter absichtliches Zeitspiel, startet er einen sichtbaren Fünf-Sekunden-Countdown.
Wird der Ball nicht rechtzeitig eingeworfen, wechselt der Einwurf automatisch zum Gegner. Ähnlich streng soll auch bei Abstößen durchgegriffen werden. Verzögert ein Team diese absichtlich, erhält die gegnerische Mannschaft künftig direkt einen Eckball.
Auch Auswechslungen sollen deutlich schneller ablaufen. Spieler haben künftig nur noch zehn Sekunden Zeit, das Spielfeld zu verlassen. Überschreiten sie diese Frist, muss der eingewechselte Spieler zunächst mindestens eine Minute warten, bevor er aufs Feld darf.
Zusätzlich will die FIFA längere Verletzungsunterbrechungen eindämmen. Spieler, die auf dem Feld behandelt werden, müssen anschließend mindestens eine Minute außerhalb des Spielfelds bleiben. Torhüter sollen von dieser Regelung zunächst ausgenommen sein.
VAR-Revolution und härtere Strafen
- VAR darf Ecken überprüfen, aus denen Tore entstanden sind
- zweite Gelbe Karte bei Gelb-Rot darf überprüft werden
- sprechen hinter vorgehaltener Hand zieht Rot nach sich
- strengere Konsequenzen bei Protesten
- Gelbe Karten werden nach Gruppenphase gelöscht
Auch der Videoschiedsrichter erhält bei der WM 2026 deutlich mehr Befugnisse. Künftig darf der VAR nicht mehr nur Tore selbst überprüfen, sondern auch Ecken kontrollieren, aus denen später Treffer entstehen.
Zusätzlich können nun auch zweite Gelbe Karten und daraus resultierende Gelb-Rote Platzverweise überprüft werden. Parallel dazu plant die FIFA härtere Strafen gegen unsportliches Verhalten. Spieler, die Gegner oder Schiedsrichter bewusst hinter vorgehaltener Hand beleidigen, sollen künftig sogar mit einer Roten Karte bestraft werden können.
Auch bei übertriebenen Protesten oder absichtlichem Verlassen des Spielfelds drohen strengere Konsequenzen. Zudem werden Gelbe Karten künftig bereits nach der Gruppenphase gelöscht, um Sperren für wichtige Spiele zu einzudämmen.
XXL-WM und neue Pausenregelung
- 3 Minuten Trinkpause pro Hälfte
Zudem verändert sich bei der diesjährigen Weltmeisterschaft der Spielmodus massiv. Erstmals werden 48 Nationen an dem Turnier teilnehmen, wodurch die Anzahl der Spiele von bislang 64 auf insgesamt 104 ansteigt. Neben den Gruppensiegern und Zweitplatzierten qualifizieren sich künftig auch die acht besten Gruppendritten für die K.o.-Runde. Zusätzlich wird erstmals ein Sechzehntelfinale eingeführt.
Neu ist außerdem eine zusätzliche Trinkpause: Pro Halbzeit soll es künftig eine rund dreiminütige Unterbrechung nach etwa 22 Minuten Spielzeit geben. Die WM 2026 könnte damit nicht nur sportlich, sondern auch organisatorisch und regeltechnisch eine echte Revolution werden.
Halbzeitshow beim Finale sorgt für Diskussionen
Auch abseits des Rasens plant die FIFA für das am 11. Juni startende Turnier eine große Neuerung. Beim Finale in New Jersey soll erstmals eine Halbzeitshow nach dem Vorbild des Super Bowls stattfinden. Rund um Coldplay-Sänger Chris Martin werden unter anderem Madonna, Shakira und die K-Pop-Band BTS auftreten. Produziert wird die Show von der Organisation Global Citizen.
Besonders brisant: Die geplante Halbzeitshow soll offenbar rund 25 Minuten dauern und damit deutlich länger als die im Fußball üblichen 15 Minuten Pause. Kritiker warnen deshalb vor möglichen Auswirkungen auf die Spieler und einem erhöhten Verletzungsrisiko durch das Auskühlen.

Trotzdem scheint die FIFA an ihren Plänen festzuhalten und orientiert sich damit immer stärker am Entertainment-Konzept der US-amerikanischen Super-Bowl-Halbzeitshow.
