Anfang April hatte sich Gianluca Prestianni noch einmal zu den Vorfällen im Playoff-Hinspiel der Champions League zwischen Benfica und Real Madrid geäußert. Dem Argentinier wurde von Vinicius Junior und seinen Real-Kollegen vorgeworfen, den Brasilianer rassistisch beleidigt zu haben. Die UEFA reagierte nach dem Duell Mitte Februar und sperrte Prestianni vorsorglich fürs Rückspiel in Madrid.
Laut Prestianni hätten die Real-Stars seine Beleidigungen falsch aufgenommen, sagte er Anfang April. Demnach habe er Vinicius Junior nicht als "mono" (Affe) beschimpft, sondern als "cagón" (Feigling) und "maricón" (Schwuchtel). "Für uns Argentinier ist es eine normale Beleidigung, 'cagón' oder 'maricón' zu sagen", erklärte er.
Bis zu 6 Spiele Sperre für Prestianni
Ob das die Sache unbedingt besser macht, sei dahingestellt. Einige Wochen nach diesen Aussagen hat die UEFA jedenfalls weitere Konsequenzen gezogen. Prestianni erhält von der Kontroll-, Ethik- und Disziplinarkammer des europäischen Verbandes eine Spiel-Sperre von bis zu sechs Partien. Allerdings hat er eine Partie im Playoff-Rückspiel bereits abgesessen. Wiederum drei Spiele werden zur zweijährigen Bewährung ausgesetzt. Am Ende könnte der 20-Jährige also nur noch zwei Spiele gesperrt verpassen.
Das UEFA-Urteil im Wortlaut
"Nach den Ermittlungen eines Ethik- und Disziplinarinspektors der UEFA wurde ein Disziplinarverfahren gegen den Spieler von SL Benfica, Gianluca Prestianni, wegen eines mutmaßlichen diskriminierenden Verhaltens eingeleitet.
Die Kontroll-, Ethik- und Disziplinarkammer der UEFA (CEDB) hat beschlossen: Den Spieler Gianluca Prestianni von SL Benfica wegen diskriminierenden (d. h. homophoben) Verhaltens für insgesamt sechs (6) offizielle Spiele von UEFA-Vereinen und/oder Nationalmannschaften zu sperren, für die er andernfalls spielberechtigt wäre. Die Sperre für drei (3) dieser Spiele unterliegt einer Bewährungsfrist von zwei (2) Jahren, beginnend mit dem Datum der vorliegenden Entscheidung.
Diese Entscheidung (d. h. die Sperre für sechs Spiele) umfasst die vorläufige Sperre für ein Spiel, die der Spieler während des am 25. Februar 2026 ausgetragenen K.o.-Play-off-Spiels der UEFA Champions League 2025/26 zwischen Real Madrid und SL Benfica verbüßt hat. Die FIFA wird aufgefordert, die oben genannte Sperre weltweit zu verlängern."
Hat die Sperre Prestiannis WM-Aus zur Folge?
Der letzte Satz im UEFA-Urteil könnte Prestianni derweil mit Blick auf eine mögliche WM-Teilnahme zum Verhängnis werden. "Die FIFA wird aufgefordert, die oben genannte Sperre weltweit zu verlängern", heißt es. Demnach würde die Sperre auch für Spiele der argentinischen Nationalmannschaft gelten.
Würde Prestianni für die WM nominiert werden, würde er also mindestens die ersten beiden Partien gesperrt verpassen. Kaum vorstellbar, dass Nationalcoach Lionel Scaloni in diesem Fall auf den Flügelstürmer setzen möchte.
Prestianni hatte im November im Testspiel gegen Angola sein A-Länderspieldebüt für den amtierenden Weltmeister gegeben. In den jüngsten Länderspielen gegen Mauretanien und Sambia blieb er trotz Nominierung aber ohne Einsatz.
