Real Madrid

Zidane wegen Wetter-Ausrede scharf in der Kritik

Guido Müller
Erhielt für seine Erklärung des torlosen Unentschiedens heftige Kritik von der heimischen Presse: Real-Trainer Zinédine Zidane
Erhielt für seine Erklärung des torlosen Unentschiedens heftige Kritik von der heimischen Presse: Real-Trainer Zinédine Zidane / Juan Manuel Serrano Arce/Getty Images
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Mit dem torlosen Unentschieden in Pamplona hat Real Madrid eine gute Möglichkeit verpasst, den Rückstand auf Tabellenführer Atlético Madrid zu verkürzen. Der uninspirierte Auftritt der Blancos im Estadio el Sadar war an sich schon enttäuschend genug - doch die mediale Kritik entzündete sich hinterher vor allem an den Versuchen Zinédine Zidanes, die schwache Leistung seines Teams mit den schwierigen Witterungsbedingungen zu entschuldigen.

Und es war nicht nur der Trainer, der seiner Mannschaft die Opferrolle zuschustern wollte. Auch Teile seiner Mannschaft beschwerten sich darüber, dass das Spiel beim CA Osasuna nicht abgesagt wurde. Und versteiften sich dabei auf den Umstand, dass man aus der vom Sturmtief Filomena extrem heimgesuchten Hauptstadt des Landes, in der binnen Kurzem mehr als ein halber Meter Schnee gefallen war, überhaupt gen Norden des Landes hatte abreisen müssen.

So konnte zum Beispiel Torhüter Thibaut Courtois gar nicht nachvollziehen, dass man unter diesen meteorologischen Konditionen überhaupt dem Flieger der Mannschaft die Startgenehmigung erteilte hatte.

Und wenn man sich erstmal in dieser Dynamik befindet, verliert man ganz schnell den Blick fürs Wesentliche. Wie zum Beispiel, dass in Pamplona ein Gegner wartete, der an diesem Wochenende zwar nicht reisen musste, aber ansonsten dieselben Bedingungen für ein Fußballspiel vorfand wie der prominente Gegner. Und offensichtlich besser damit klar kam.

Tomás Roncero, einer der Redakteure der real-affinen as, ließ seinem Unmut über diese bemühte Opferrolle dann auch freien Lauf. Und erinnerte daran, dass er als Jugendlicher Spiele von Real gesehen habe, auf einem vom Regen völlig aufgeweichten Terrain, wo der Ball nach Bodenberührung kaum einen Zentimeter sprang, und die Hausherren diese Umstände trotzdem überwinden konnten. Zudem sei das wirkliche Schnee-Chaos ja auch in Madrid selbst passiert, und nicht so sehr in Navarra, wo das Spielfeld, wie jeder TV-Zuschauer nachprüfen konnte, in zumindest praktikablem Zustand war.

"Ich hasse es, dieses klagende Madrid zu sehen!"

Und auch Spiele mit knöchelhohem Schneeniveau habe es in der Geschichte des Klubs schon gegeben. Ronceros Kollege Alfredo Relaño konnte mit den entschuldigenden Aussagen Zidanes ebenfalls nicht viel anfangen: "Ich hasse es, dieses klagende Madrid zu sehen, das überall Feinde vermutet und sich von allen und allem verfolgt fühlt." Das wecke in ihm ungute Erinnerungen an die Zeiten von José Mourinho, der auch ein Meister darin war, von eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken.

"Fußball keine Teppich-Veranstaltung!"

Für Roncero wiederum sei "der Fußball nun mal keine Veranstaltung, die auf Teppich ausgetragen wird oder in einer Wellness-Oase", sondern vielmehr "ein Draußensport, mit allem was dazu gehört".

Heißt: Regen und Schnee im Winter, Hitze und Trockenheit im Sommer, und allen möglichen Schattierungen zwischen diesen Extremen. Mal bläst es orkanartig, mal ist es windstill. Aber das gilt ja immer auch für beide Mannschaften.

Kroos suchte keine Entschuldigung beim Wetter

Sowohl Roncero als auch Relaño dürfte somit gefallen haben, dass nicht alle Real-Spieler die Erklärung für den zweifachen Punktverlust beim Wetter suchten - sondern sich lieber an die eigene Nase fassten. Stellvertretend für diese Fraktion diktierte Toni Kroos den Journalisten in die Mikrophone: "Das Wetter kann keine Entschuldigung sein. Es war für beide Mannschaften gleich." So simpel wie zutreffend. Und entwaffnend.

Final-four im spanischen Supercup steht bevor

Der Madrider Tross beschloss nach dem Spiel in Navarra, den Rückflug gar nicht erst über den gestern noch lange Zeit gesperrten heimischen Flughafen Barajas anzutreten, sondern direkt in die andalusische Mittelmeermetropole Málaga zu fliegen. Dort treffen die Madrilenen am kommenden Mittwoch (21.00 Uhr) im zweiten Halbfinale des spanischen Supercups auf Athletic Bilbao, dessen für den letzten Samstag vorgesehenes Ligaspiel bei Atlético ebenfalls dem Schneechaos zum Opfer fiel.

Einen Tag zuvor (ebenfalls um 21.00 Uhr) spielen der FC Barcelona und die Real Sociedad in Córdoba den ersten Finalisten für das am Sonntag stattfindende Finale in Sevilla aus.

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