Wut-Plakate auf Schalke - Knäbel als Nachfolger von Sportvorstand Schneider?

Yannik Möller
Peter Knäbel verwaltet seit 2018 die Schalker Knappenschmiede
Peter Knäbel verwaltet seit 2018 die Schalker Knappenschmiede / TF-Images/Getty Images
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Vor einem erneut bedeutsamen Bundesliga-Spieltag haben Fans erneut Wut-Plakate am Schalker Trainingsgelände aufgehängt - der Inhalt gleicht einem Rundumschlag. Derweil scheint Peter Knäbel ein Kandidat für eine etwaige Nachfolge von Jochen Schneider zu sein, sollte es zu dessen Aus kommen.

Vorsichtig formuliert: Die Stimmung bei Schalke 04 war schonmal besser. Zum ersten Mal in dieser Saison geht man als Tabellenletzter in einen Spieltag einer grundsätzlich noch jungen Saison. Noch sind die Vereine in der unteren Tabellenregion ziemlich eng beieinander, mit ein, zwei Siegen könnte man sich zumindest vom direkten Schatten der Abstiegsplätze lösen. Das Problem: Daran glaubt in Gelsenkirchen derzeit niemand, vor allem weil die nächsten beiden Gegner nicht gerade einfach zu bespielen sind...

Mit Borussia Mönchengladbach am Samstagabend und Bayer Leverkusen den Spieltag darauf steigt beim S04 die Anspannung, der Ärger, aber auch die Sorge, dass man ganz unten hängen bleibt. Grund genug für einige Anhänger von Königsblau, erneut Transparente am Vereins- und Trainingsgelände anzubringen - direkt neben der Arena.

Jeder Rückschlag kostet Schalke Geduld und Nerven
Jeder Rückschlag kostet Schalke Geduld und Nerven / Pool/Getty Images

Wut-Plakate mit Rundumschlag auf Schalke - die Reaktionen sind zum Teil gemischt

"Beschämende Außendarstellung, planloser Vorstand und charakterlose Mannschaft - Das Ergebnis eurer jahrelanger Misswirtschaft", heißt es auf einem der Plakate. Ein Rundumschlag gegen alle Abteilungen des sportlichen Bereichs, bei dem auch das Team nicht außen vor bleibt. Das Zweite richtet sich ebenfalls nicht nur der Tabellen-Situation, sondern dem generellen Vorgehen innerhalb des Klubs zu: "Eins ist sicher, ihr werdet sehen, kampflos lassen wir unseren Verein nicht untergehen."

Es ist nicht das erste Mal, dass derartige Wut-Plakate rund um das Vereinsgelände auftauchen. Was über den Sommer schon in der Causa Clemens Tönnies, mit den Protesten gegen ihn als Aufsichtsratsvorsitzender, begann, wurde zuletzt immer mal wieder fortgesetzt. Vor wenigen Tagen richteten sich Spruchbänder beispielsweise gegen die geplanten, derzeit aber noch keinesfalls konkreten Ausgliederungs-Pläne und der damit einhergehenden personellen Veränderungen seitens Marketingvorstand Alexander Jobst: "Ey Alex, Traditionsarbeit ist Sache des Vereins und nichts für dein Outsourcing."

Wie es schon so häufig und so gut wie bei jedem der Plakate der Fall war, trafen auch die neuen Transparente auf der einen Seite auf Zustimmung oder zumindest auf Nichtbeachtung oder grundsätzliche Toleranz, auf der anderen Seite aber auch erneut auf Kritik. Während manch ein Fan eine solche Art der Auseinandersetzung miteinander ebenfalls für die angesprochene schlechte Außendarstellung hält, kritisieren andere die darin enthaltenden Drohungen á la "ihr werdet sehen" und "kampflos nicht untergehen lassen". Hilft oder schadet das der Mannschaft, ist oft die Frage.

Eines sollte man diesbezüglich jedoch grundsätzlich festhalten: Derzeit hat kein Ultra, kein Fan, kein Anhänger die Chance, sich von Gesicht zu Gesicht mit dem Team, einzelnen Spielern oder dem Vorstand auseinanderzusetzen. Die Stadien sind zu, bei Trainingseinheiten sind Zuschauer ebenfalls ausgeschlossen. Dass es zudem große Sorgen und auch Unmut gibt, ist völlig verständlich und als solches nicht zu kritisieren - vielmehr kommt es jedoch auf die Umgangsform an.

Die neuen Plakate sind vergleichsweise harmlos, sprechen niemanden persönlich an, versprechen keine körperlichen Auseinandersetzungen oder klare Drohungen. Mit "bitte strengt euch mehr an" ist es bei solchen Aktionen auch nicht getan, am Ende müssen alle Beteiligten damit umgehen können. Auf der anderen Seite gibt es auch andere Formen der Ideen: So ist zum Beispiel die geplante Videobotschaft, die zahlreiche Fans umfassen soll, so gut wie fertig. Darin enthalten sind kurze, aber positive Botschaften an die Mannschaft, die signalisieren sollen, dass man nur zusammen und geeint durch diese schwierige sportliche Krise kommt. Jeder nach seiner Façon.


Für den Fall der Fälle: Knäbel als potenzieller Schneider-Nachfolger gehandelt

Während sich der Unmut auch gegen den Vorstand, dabei derzeit vor allem gegen Sportvorstand Jochen Schneider richtet, scheint er auch intern kritisch betrachtet zu werden. Der Aufsichtsrat habe nicht nur die Arbeit vom inzwischen freigestellten Michael Reschke geprüft, sondern nun auch ein Auge auf die von Schneider, so diverse Medienberichte zu Beginn der Woche. Den Umständen entsprechend nicht überraschend, hat er doch mit seinem Alleingang beim gnadenlosen Festhalten an David Wagner einen großen Anteil an der sportlichen Talfahrt.

Laut Bild-Reporter und -Chefkolumnist Alfred Draxler hat sich das S04-Kontrollgremium bereits über einen potenziellen Nachfolger Schneiders unterhalten, sollte "der Tag X", also seine Freistellung kommen. Peter Knäbel, derzeit und seit April 2018 als Technischer Direktor der Jugendabteilung der Knappenschmiede im Amt, könnte demnach eine Übergangslösung sein.

Peter Knäbel mit Matthias Schober (Leitung U8-U19) - die Verantwortlichen der Knappenschmiede
Peter Knäbel mit Matthias Schober (Leitung U8-U19) - die Verantwortlichen der Knappenschmiede / TF-Images/Getty Images

Erfahrungen in diese Richtung hat er nicht nur durch seine direkte Arbeit auf Schalke, sondern auch durch seine fast zweijährige Tätigkeit beim Hamburger SV. Dort war er als Direktor Profifußball tätig, für kurze Zeit auch als Interimstrainer. Mit dieser Zeit bleibt ihm, was ihm sicher nicht gefällt und auch nicht alleine gerecht wird, die sogenannte Rucksack-Affäre verbunden. Damals hatte er einen Rucksack voller wichtiger Gehaltslisten und Scouting-Berichten des HSV verloren.

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