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Werder Bremen: Die 7 größten Beinahe-Transfers der Vereinsgeschichte

Marc Knieper
Nov 26, 2020, 4:33 PM GMT+1
Dem SV Werder Bremen gingen in der Vergangenheit bereits große Spieler durch die Lappen
Dem SV Werder Bremen gingen in der Vergangenheit bereits große Spieler durch die Lappen | TORSTEN SILZ/Getty Images
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Trotz namhaften Profis wie Diego, Johan Micoud oder auch Claudio Pizarro gingen dem SV Werder Bremen in der Vergangenheit einige große Spieler und spätere Megastars durch die Lappen. 90min wirft einen Blick auf die Verhandlungen der einstigen Bremer Sportchefs und listet die sieben größten Beinahe-Transfers des Bundesligisten auf.

1. Stefan Effenberg - 1994

Wandervogel Stefan Effenberg im Trikot des AC Florenz
Wandervogel Stefan Effenberg im Trikot des AC Florenz | Alessandro Sabattini/Getty Images

"Der Coup war im Grunde perfekt", verriet Werders einstiger Manager Willi Lemke vor einigen Jahren im Interview mit transfermarkt.de, angesprochen auf seinen aller größten Beinahe-Transfer. Beinahe nämlich wäre Stefan Effenberg im Sommer 1994 aus Florenz an die Weser gewechselt.

Eigentlich war bereits alles unter Dach und Fach: Werder wollte Effe, Effe wollte zu Werder. Gattin Martina habe ihrem Mann letztlich allerdings doch eingeredet, mehr Gehalt zu verlangen. Der absolute Knockout für Werder! Es folgte der Wechsel zu den besser betuchten Fohlen aus Mönchengladbach.

2. Michael Ballack - 1995

Michael Ballack war als 18-Jähriger ein Kandidat für Werders U23
Michael Ballack war als 18-Jähriger ein Kandidat für Werders U23 | Shaun Botterill/Getty Images

Michael Ballack stand im Sommer 1995 auf Lemkes Einkaufsliste für Werders Amateure. "Er wurde uns sehr jung angeboten, wir wollten auch, wurden uns aber nicht einig", erinnert sich Lemke im Interview mit transfermarkt.de an die Unstimmigkeiten mit Ballacks Vater und Manager.

Medienberichte zufolge forderte dieser 200.000 Mark pro Jahr für seinen Sohn, der SV Werder bot allerdings nur 180.000 Mark. Schließlich wechselte der Nationalspieler zwei Jahre später von seinem Jugendklub Chemnitz zum 1. FC Kaiserslautern.

3. Andriy Shevchenko - 1997

Werder entschied sich 1997 gegen Andriy Shevchenko
Werder entschied sich 1997 gegen Andriy Shevchenko | Ben Radford/Getty Images

Ein Fehler, den die Bremer noch bitter bereuen sollten: Als Manager Willi Lemke und Trainer Wolfgang Sidka 1997 gemeinsam nach Kiew reisten, um ihren damaligen Wunschspieler Jurij Maximov zu verpflichten, wurde ihnen auch der noch unbekannte Jungspund Andriy Shevchenko angeboten. Da Maximov die Kasse des Bundesligisten bereits ordentlich sprengte, lehnte man den späteren Rekordtorschützen der ukrainischen Nationalmannschaft dankend ab.

Zeit für "Sheva", sich zu beweisen. Noch in der gleichen Spielzeit avancierte er zum Leistungsträger in der Champions League und erzielte gegen den großen FC Barcelona gleich drei Tore. Zwei Jahre später folgte sein Wechsel zur AC Milan für stattliche 23 Millionen Euro und der komplette Durchbruch: Champions-League-Sieger 2003 und Europas Fußballer des Jahres 2004. Während Shevchenko zu den besten Stürmern seiner Zeit zählte, dümpelte Werders Maximov nach enttäuschenden vier Jahren an der Weser in der 2. Bundesliga beim SV Waldhof Mannheim herum.

4. Petr Cech - 2001

Petr Cech absolvierte bereits ein Probetraining am Osterdeich
Petr Cech absolvierte bereits ein Probetraining am Osterdeich | FRANCOIS XAVIER MARIT/Getty Images

Im Frühjahr 2001 trainierte Tschechiens Rekordnationalspieler Petr Cech unter den Augen von Cheftrainer Thomas Schaaf und Torwarttrainer Dieter Burdenski auf dem Trainingsplatz am Osterdeich. Der damals 18-Jährige wusste zwar zu überzeugen, war den Bremer Verantwortlichen allerdings nicht die geforderte Ablösesumme von rund einer Million Mark wert.

Stattdessen ergatterte man sich für die gleiche Summe den polnischen Schlussmann Jakub Wierzchowski, der in der Bundesliga schlappe drei Mal zwischen den Pfosten stand. Cech hingegen wechselte über Prag und Rennes 2004 zum FC Chelsea, bildete jahrelang die absolute Stütze der Blues und trug 2012 erheblich zum Gewinn der Champions League bei.

5. Roy Makaay - 2007

Roy Makaay konnte sich einen Wechsel zum Kontrahenten nicht vorstellen
Roy Makaay konnte sich einen Wechsel zum Kontrahenten nicht vorstellen | Stuart Franklin/Getty Images

Während Miroslav Klose die Bremer nach einer durchaus erfolgreichen Saison 2006/07 in Richtung Bayern München verließ, kam für Roy Makaay ein solcher Wechsel auf der anderen Seite nicht in Frage. "Ich konnte nicht nach vier Jahren bei Bayern plötzlich zu einem damals großen Rivalen wechseln", verriet der Holländer dem kicker. Dabei hatten sich die Hanseaten damals intensiv um die Dienste des treffsicheren Mittelstürmers bemüht.

Klaus Allofs "fand es schade, hat es aber verstanden". Der Wechsel an die Weser ist geplatzt und Makaay wechselte nach zehn Jahren in Spanien und Deutschland zurück in seine Heimat, den Niederlanden, zu Feyenoord Rotterdam.

6. Falcao und Fabián Vargas - 2008

Kolumbiens Duo Vargas und Falcao befand sich auf Allofs Liste
Kolumbiens Duo Vargas und Falcao befand sich auf Allofs Liste | JUAN MABROMATA/Getty Images

Für die beiden Kolumbianer Fabián Vargas und Falcao reiste Allofs sogar nach Südamerika. Der damalige Sportdirektor verfolgte ihr Länderspiel im Juni 2008 gegen Ecuador live von der Tribüne, wartete dabei aber vergeblich auf den Einsatz seiner visierten Schützlinge. "Er kam angeblich extra für uns beide. Wir haben uns in diesem Spiel 80 Minuten aufgewärmt, aber keiner von uns hat gespielt", versicherte Falcao kürzlich im Gespräch mit ESPN Colombia.

Konkrete Verhandlungen und Angebote blieben schließlich aus. Stattdessen fixierte Allofs sich auf die Rückholaktion der Bremer Legende Claudio Pizarro. "Wir trafen ihn später am Flughafen wieder und er erzählte uns, dass er extra aus Deutschland gekommen war, weil er uns beide in dieselbe Mannschaft bringen wollte. Aber am Ende hat er nichts unternommen", resümiert der 34-Jährige seinen Mini-Flirt mit Werder.

7. Hakan Calhanoglu - 2012

Hakan Calhanoglu hatte bereits ein Trikot vom SVW mitbekommen
Hakan Calhanoglu hatte bereits ein Trikot vom SVW mitbekommen | AFP/Getty Images

Bevor es für Freistoß-Ass Hakan Calhanoglu vom Karlsruher SC zum Hamburger SV ging, war sich der türkische Nationalspieler eigentlich bereits mit den Grün-Weißen einig. Spieler und Berater führten gute Gespräche mit den Verantwortlichen. "Als wir nach Hause fuhren, fühlten wir uns schon wie Bremer", bestätigte Calhanoglus Berater Bektas Demirtas damals der Hamburger Morgenpost.

Emotional habe man sich bereits für die Hanseaten entschieden, doch die Verhandlungen zwischen dem KSC und Werder-Manager Allofs scheiterten. "Ja, er war sehr weit mit Werder, kam von den Gesprächen zurück und hatte schon ein Werder-Trikot mitbekommen. Aber Klaus Allofs wollte einen bestimmten Preis nicht übersteigen", erinnerte sich Karlsruhes damaliger Sportchef Oliver Kreuzer gegenüber dem kicker an den geplatzten Deal.

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