Werder Bremen: 4 Fragen vor dem richtungsweisenden Duell gegen Mainz 05

Mainz 05 war zuletzt nicht wirklich Werders Lieblingsgegner
Mainz 05 war zuletzt nicht wirklich Werders Lieblingsgegner / Alex Grimm/Getty Images
facebooktwitterreddit

Werder Bremen steht vor der Auswärtspartie bei Mainz 05 wahrlich mit dem Rücken zur Wand. Die Hanseaten erleben die bis dato längste Durststrecke unter Florian Kohfeldt und möchten sich am Samstagnachmittag mit einem Sieg endlich aus der Abwärtsspirale befreien. 90min präsentiert vier spannende Fragen und Antworten vor dem richtungsweisenden Duell in der Opel Arena.

Steckt das Mainz-Dilemma noch in den Köpfen?

Vor ziemlich genau einem Jahr, und zwar am 17. Dezember 2019, fegten die Nullfünfer den SVW mit 5:0 aus dem Weserstadion. Es war der höchste Mainzer Bundesligasieg der Vereinshistorie und zugleich der richtungsweisende Genickbruch für die Bremer. Fortan lief es für die Kohfeldt-Elf bergab. Auch im Rückspiel, zu Gast in Mainz, musste man sich mit 3:1 geschlagen geben. Während Mainz somit am 33. Spieltag vorzeitig den Klassenerhalt feierte, kämpfte Werder weiter ums nackte Überleben.

Pavlenka am Boden: Acht Mal musste der Tscheche gegen Mainz in der vergangenen Saison hinter sich greifen
Pavlenka am Boden: Acht Mal musste der Tscheche gegen Mainz in der vergangenen Saison hinter sich greifen / KAI PFAFFENBACH/Getty Images

Erinnerungen, die ein jeder Bremer schnellstmöglich aus dem Gedächtnis verbannen möchte. Am besten mit einem sehnlich vermissten Sieg am Samstagnachmittag, dem 13. Spieltag der Fußball-Bundesliga. Ob die Profis das Trauma von Mainz tatsächlich aus ihren Köpfen bugsieren konnten, wird sich zeigen. Der Auftrag scheint klar: Macht es vergessen, Werder!

Geht Sargent endlich seinem Job nach?

15 Treffer bejubelten die Norddeutschen bis dato. Der Ligaschnitt liegt bei 19 Buden. Mit gerade einmal 32 Schüssen auf das gegnerische Gehäuse agiert die Offensive des Bundesligisten erschreckend schwach - nur Aufsteiger Bielefeld ist noch harmloser.

Ein Grund für all diese Negativwerte ist sicher abermals das große Verletzungspech an der Weser. Mit Niclas Füllkrug, Davie Selke und Milot Rashica fallen gleich drei starke Offensivkräfte noch bis Januar aus. Allein Füllkrug kommt trotz knapp achtwöchiger Abstinenz auf 14 der genannten 32 Torschüsse und ist mit vier Toren aus fünf Ligaspielen vor Leonardo Bittencourt (drei Tore) weiterhin auf dem ersten Platz des vereinsinternen Torjäger-Rankings.

Torgefahr gleich null: Josh Sargent ist Werders einzig verbliebener Mittelstürmer
Torgefahr gleich null: Josh Sargent ist Werders einzig verbliebener Mittelstürmer / KAI PFAFFENBACH/Getty Images

Aber was ist mit US-Boy Josh Sargent? Kohfeldts Liebling hatte schon vor der Saison angekündigt, Tore am Fließband zu erzielen. Nun ja, zumindest wollte er gen Ende der Saison zum ebenbesagten, vereinsinternen Torjäger avancieren. Davon scheint der 20-Jährige allerdings weit entfernt. Der Mittelstürmer mag zwar viel ackern und kämpfen, seinen eigentlichen Job, Tore zu schießen, verfehlt er jedoch gänzlich.

Vor Torwart-Größen wie etwa Manuel Neuer schien Sargent zuletzt noch immer zu nervös und ohne adäquate Raffinesse. Sofern der SVW die vergangenen Spiele gegen Mainz ausblenden kann, herrscht aus Bremer Sicht zumindest die Hoffnung, dass es nach schwierigen Spielen gegen Top-Gegner wie etwa Bayern München, VfL Wolfsburg, RB Leipzig und Borussia Dortmund nun gegen den direkten Konkurrenten aus Mainz spielerisch einfacher wird - und vielleicht bejubelt dann auch Sargent endlich seinen zweiten Saisontreffer.

Werder mit Dickicht zum Sieg?

Apropos spielerisch einfacher. Deutlich einfacher wird es für Werder keinesfalls. Warum auch? Mainz verlor zwar die ersten sechs Saisonspiele allesamt, holte in den anschließenden Partien aber immerhin sechs Punkte. Das sind dreimal so viele wie etwa Werder in diesem Zeitraum verbuchen konnte. Seit dem achten Spieltag agiert die Elf von Cheftrainer Jan-Moritz Lichte im Defensivverbund - genauso wie Werder - mit einer stabilitätssteigernden Dreierkette.

Auf der Pressekonferenz deutete Kohfeldt bereits an, die Mainzer quasi mit den eigenen Waffen schlagen zu wollen. "Mainz ist eine sehr konterstarke Mannschaft. Mental müssen wir absolut offenes Visier spielen – wer zögert, wer zuckt, der wird verlieren. Aber taktisch kann man auch mal aus dem Dickicht kommen", so der Bremer Übungsleiter. Die Bremer dürften also zögerlich und passiv beginnen, den Hausherren größtenteils die Pille überlassen und dann über gefährliche Konter das Spiel schnell machen.

Für einen solchen Spielstil käme vor allem der schnelle, quirlige Reservespieler Tahith Chong, der zuletzt gegen Stuttgart mit seiner überhasteten Art einen Elfmeter verursachte, oder aber der kürzliche Bundesliga-Debütant Romano Schmid in Frage. Dass Kohfeldt einen der beiden von Beginn an auflaufen lässt, bleibt dennoch mehr als fraglich.

Beschenkt sich Bittencourt selbst?

Werder rüstet sich in Mainz für ein intensives Kampfspiel. Dazu passend wird womöglich Geburtstagskind Leo Bittencourt im Gegensatz zum 1:2 gegen Borussia Dortmund anstelle von Yuya Osako in die Startelf rücken. Der 27-Jährige zählt zu den wenigen Konstanten im Bremer Offensivspiel und befindet sich mit drei Saisontreffern gleich hinter dem verletzten Füllkrug (vier Treffer).

Leonardo Bittencourt heute 27 Jahre alt ? Happy Birthday ?

Posted by Werder Bremen Pro on Saturday, December 19, 2020

Es ist an der Zeit, sich selbst zu beschenken, Leo! Vielleicht ja mit einem netten Freistoß-Tor oder Distanzschuss. Wie auch immer - dass der Deutsch-Brasilianer mit dem Leder umzugehen weiß, steht außer Frage. Wie gut die Hanseaten den Plan von Kohfeldt umsetzen und ob sie endlich das gegnerische Tor treffen, beantwortet sich in einem äußerst richtungsweisenden Spiel gegen den Karnevalsklub aus Mainz.