Die Bundesliga ist zurück und damit auch der Kampf um die Meisterschaft. Allen voran der FC Bayern scheint von der Zwangspause profitiert zu haben und ließ im ersten Spiel des Re-Starts gegen Union Berlin keine Punkte liegen. Es scheint, als hätten sich die Bayern ihr Selbstverständnis zurückerkämpft und damit auch ihre Rolle als Titelfavorit Nummer eins manifestiert.


Mit einem 2:0-Sieg starteten die Münchener in die letzten neun Partien der Saison. Das liest sich erst einmal ordentlich, aber noch längst nicht überragend; zumal der Gegner Union Berlin hieß. Ein Gegner, der zwar durch seinem Kampfgeist zu begeistern weiß, für den Rekordmeister jedoch kein Härtetest sein sollte, und dies dann eben auch nicht war.


FC Bayern: Ein gutes Pferd...


Denn wenn man genau hingeschaut hat, am Sonntagabend in der Alten Försterei, dann sah man einen FC Bayern, der gefährlich an das Sprichwort mit dem Pferd, das nicht höher springt als es muss, erinnert. Und das im aller positivsten Sinne. Denn es zeigt: Die Bayern haben die Pause genutzt, und sind unter Cheftrainer Hansi Flick wieder zu der Institution des fußballerischen Selbstverständnisses geworden, die Vereins-Ikone Uli Hoeneß so gerne propagierte und die man unter Ex-Trainer Niko Kovac dennoch so oft vergebens suchte.


Das Spiel gegen Union Berlin war eine Demonstration. Man trieb den Gegner, der sich zugegebenermaßen tapfer zur Wehr setzte, vor sich her. Mehr Torschüsse, mehr Ecken, die deutlich höhere Passquote, mehr Sprints und mehr gewonnene Zweikämpfe, und das alles trotz geringerer Laufleistung. Wenn man den Bayern zuschaut, hat man wieder das Gefühl, dass gegen kleinere Gegner nichts mehr liegen gelassen wird. Und das ist wohl der größte Verdienst, den Hansi Flick erreichen konnte, in der kurzen Zeit, die er der neue Trainer in München ist. Quasi Jupp Heynckes 2.0.


Flick bringt das Selbstverständnis zurück


Schon vor der Corona-Pause war zu spüren, dass Flick der Mannschaft in nur kurzer Zeit neues Leben eingehaucht hat. Oder wie ist zu erklären, dass Thomas Müller, unter Kovac schon beinahe ausgemustert, wieder zu alter Stärke zurückgefunden hat und für den Münchener Angriff wieder so wichtig wie zu besten Zeiten zu sein scheint? Ein Jerome Boateng hat öffentlich erklärt, dass er ohne Flick wohl nicht mehr an der Säbener Straße angestellt wäre. Zwei ausgemusterte Ex-Nationalspieler, die unter dem ehemaligen Co-Trainer Joachim Löws wieder erstarken. Eine Feel-Good-Story.


Vor der Unterbrechung gewannen die Bayern ganze zehn der letzten elf Partien und mussten sich lediglich gegen RB Leipzig mit einem Unentschieden zufrieden geben. Nicht ohne Grund ist man trotz der Kovac-Entlassung und des insgesamt sehr unruhigen Saisonbeginns doch noch als Tabellenführer in die Unterbrechung gegangen.


Und das hat man im Grunde genommen ohne wirkliche Eingewöhnungszeit an den neuen Trainer geschafft. Jetzt nach der Pause und rund zwei Monaten, die man nutzen konnte, um genau das zu tun, sich an den Trainer gewöhnen und gezielt und ohne Zeitdruck das System Flicks verinnerlichen, scheint das Zeichen für den Rest der Liga klar zu sein: Auch in dieser Saison führt an uns kein Weg vorbei!


Aus diesem Grund ist der FC Bayern wohl der Gewinner der Zwangspause. Bitter für den BVB, der ebenfalls grandios aus der Pause zurückkehrte und das Derby gegen S04 prompt mit 4:0 dominierte. Dennoch hat man nicht das Gefühl, dass die Schwarz-Gelben den Münchenern in der aktuellen mentalen und physischen Verfassungen ernsthaft gefährlich werden können. Am Ende winkt wohl wieder nur Platz zwei. Und die Bayern haben es wieder einmal geschafft. Dafür brauchte es nicht einmal den Uli.