SC Freiburg Frauen

Vorschau SC Freiburg: Mit Talenten und loyaler Kapitänin die Favoritinnen ärgern

Helene Altgelt
Sie wollen nächste Saison wieder die Favoritinnen ärgern: Das Team vom SC Freiburg
Sie wollen nächste Saison wieder die Favoritinnen ärgern: Das Team vom SC Freiburg / Alexander Scheuber/GettyImages
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Talente, gutes Wetter und solides Wirtschaften: Dafür steht der SC Freiburg. Nach dem sechsten Platz in der letzten Saison wird der SC in der neuen Spielzeit erneut um den Rang als "best of the rest" hinter den Topclubs aus Wolfsburg, München, Frankfurt und Hoffenheim spielen. Mit der neuen Trainerin Theresa Merk und dem Umzug ins Dreisamstadion weht frische Luft durch den Breisgau.


Mehr Professionalisierung durch Umzug ins Dreisamstadion

Von der Tribüne des neuen Zuhauses der SC-Frauen schaut man direkt in die Baumgipfel des Schwarzwalds. Mit dem Umzug sollen aber nicht nur die landschaftlichen, sondern auch die sportlichen Aussichten besser werden. Seit Herbst letzten Jahres trägt Freiburg seine Heimspiele im Dreisamstadion aus, ermöglicht durch den Umzug der Männer-Mannschaft in das neugebaute Europapark-Stadion. Damit hatten die Spielerinnen schon Zeit, sich an die neue Spielstätte zu gewöhnen, nun steht die erste komplette Saison in der Arena an. 

Der Umzug war überfällig gewesen: Zuvor hatte Freiburg die Heimspiele im Möslestadion ausgetragen, in dem Flutlicht nicht möglich war, trainiert wurde außerhalb, der Platz mit anderen Teams geteilt. Jetzt haben sich die Bedingungen schlagartig verbessert, auch ein Symbol: Der Frauenfußball beim SC wird ernsthaft angegangen, man hat die Zeichen der Zeit erkannt. 

Talenteschmiede Freiburg - Spielerinnen sollen jetzt länger bleiben

Den Rang als "best of the rest" hatte Freiburg schonmal inne, wurde 2018 mit Lina Magull, Giulia Gwinn und Klara Bühl Dritter. Damals berechtigte der Platz aber noch nicht zur Teilnahme am internationalen Geschäft, und so schnappte die Falle der erfolgreichen kleinen Klubs auch bei Freiburg zu - die Spielerinnen zog es zu den Top-Clubs. Freiburg hatte wenig davon, keine Ablösesummen flossen.

Die Professionalisierung wurde dann offenbar als ein Schlüsselfaktor ausgemacht, um Spielerinnen länger zu halten. Und auch, um neue zu holen. Abteilungsleiterin Birgit Bauer sagte bei der Verpflichtung von Judith Steinert: "Dass sich eine gestandene Bundesliga-Spielerin für den Sport-Club entscheidet, ist auch der zuletzt vorangeschrittenen Professionalisierung unserer Abteilung zu verdanken."

In Freiburg steht bereits die nächste Reihe an Talenten bereit, die in nicht allzu weiter Zukunft den Schritt zu einem größeren Verein gehen könnte. Das Schweizer Duo aus Riola Xhemaili und Svenja Fölmli, beide noch unter 20, zählte bereits in der vergangenen Saison, für beide die erste in der Bundesliga, zu den Freiburger Leistungsträgerinnen. Besonders Xhemaili avancierte nach der Eingewöhnungszeit zum kreativen Kopf mit feinem Fuß in der Freiburger Schaltzentrale. Fölmli hat ein gutes Gespür für die Räume und ist eine gute Abnehmerin von Xhemailis Steckpässen, auch wenn ihr Abschluss noch präziser werden könnte. Trotzdem: Die Prognose, dass das Duo an mindestens fünf Toren gemeinsam beteiligt sein wird, darf gewagt werden.

Kapitänin Hasret Kayikci: Torjägerin, Technikerin, treue Schlüsselspielerin

Luana Buehler, Hasret Kayikci
Hasret Kayikci scheut keinen Zweikampf / Alexander Scheuber/GettyImages

Neben Xhemaili agiert eine weitaus erfahrenere Spielerin im Mittelfeld: Kapitänin Hasret Kayikci ist bei Freiburg für die schönen Freistoßtore verantwortlich und holt diese auch gerne selbst heraus, durch ihre dynamische Art. Auch ansonsten ist Kayikci torgefährlich und treibt ihr junges Team besonders in schwierigen Phasen immer wieder nach vorne. Mit ihrer herausragenden Technik und Übersicht ist sie in diesem Team eine Klasse für sich. Es wirkt zunächst paradox, aber die Phase, in der sie wegen einer roten Karte gesperrt war, war für Freiburg letzte Saison rückblickend ein Schlüsselpunkt. Denn in den ersten Spielen war das Team sehr von Kayikci abhängig gewesen, die in der Anfangsphase der Saison viele Tore erzielte.

Nach ihrer Sperre ging es gegen viele Gegner, die Freiburg ebenbürtig waren – und die Breisgauerinnen holten in diesen vier Spielen sieben Punkte und viel Selbstvertrauen nach einem harten Auftaktprogramm. Jetzt ist Kayikci weiterhin eine absolute Schlüsselspielerin, aber Freiburg kann auch ohne sie gefährlich werden. Obwohl sie sicherlich auch Angebote von anderen Vereinen hatte, hält sie Freiburg die Treue und geht in ihre elfte Saison für den Sportclub.

Verletzungssorgen ein Problem - hinten starker Rückhalt

Auch Kim Fellhauer ist bereits ein Urgestein beim SC und seit 2014 dabei. Die Abwehrspielerin konnte aber seitdem nur wenige Saisons durchspielen: Zwei Kreuzbandrisse und zahlreiche weitere Verletzungen führten dazu, dass Fellhauer oft nur zuschauen konnte, auch kurz vor dem Ende der letzten Saison passierte es erneut. Wenn sie fit ist, ist Fellhauer aber eine der wichtigsten Defensivspielerinnen Freiburgs, stabilisiert die Verteidigung enorm und strahlt viel Ruhe im Spielaufbau aus. Wie viel sie diese Spielzeit auf dem Platz stehen kann, ist aber noch nicht ganz klar.

Falls doch noch ein Ball durchkommt, gibt es ja noch Rafaela Borggräfe. Die erst 22-Jährige übernahm mitten in der Saison den Posten als Nummer eins des SC und konnte sich beweisen. Die Torhüterinnen sind bei Freiburg traditionell stark, Laura Benkarth und Merle Frohms heißen ihre Vorgängerinnen. Borggräfe reiht sich in diese Liste mit starken Paraden ein, mehrmals rettete sie Freiburg bei knappen Spielen und lenkte Schüsse noch gerade so um den Pfosten. Mit dem Ball am Fuß könnte sie noch sicherer sein, aber andererseits sind ihre langen Abschläge bereits sehr genau.

Mit neuer Trainerin ein Augenmerk auf konstruktives Angreifen

Die größte personelle Veränderung ist sicherlich die auf der Trainerposition. Theresa Merk, zuvor in der Schweiz aktiv, übernimmt das Amt von Daniel Kraus, der jetzt die zweite Mannschaft Wolfsburgs trainiert. Merk hat als Cheftrainerin noch keine Bundesliga-Erfahrung, aber in den Testspielen zeigte das Team bereits einige neue Ideen. Freiburg spielt verstärkt flach, zeigte eine gute Entscheidungsfindung in Umschaltmomenten. Die Resultate der Vorbereitung sehen auf dem Papier gut aus: Freiburg gewann ein Mini-Turnier gegen St. Pölten und Budapest und spielte gegen den FC Basel Remis. Gegen Liga-Konkurrenten Hoffenheim gelang Merks Team sogar ein 6:2-Spektakel.

Zudem hat Merk aus ihren früheren Stationen schon Erfahrung mit der Arbeit mit jungen Spielerinnen, was auch in Freiburg hilfreich sein wird. Dabei muss sie eine Balance finden, wie sie im Interview mit 90min sagte: "Diesen Spagat muss man hinbekommen: zu sagen, wir wollen die Mädels individuell weiterentwickeln und trotzdem müssen wir natürlich einen Mannschaftserfolg generieren."

Drei Neuzugänge, Team bleibt weitestgehend zusammen

Dabei waren auch drei neue Spielerinnen dabei: Selina Vobian, Chiara Bouziane (geb. Loos) vom SC Sand und Judith Steinert laufen ab der neuen Saison in Rot auf. Bouziane ist eine quirlige Dribblerin, die die Offensive von Sand zuvor sehr belebte. Sie soll vermutlich Ereleta Memeti ersetzen, die es zur TSG Hoffenheim gezogen hat. Steinert kann dagegen flexibel in der Abwehr, außen oder im Mittelfeld eingesetzt werden und soll dem Team mit der Erfahrung von mehr als 100 Bundesliga-Spielen helfen.

Abgesehen von Memeti hat der Sportclub in der Sommerpause keine Leistungsträgerinnen verloren. Mit einem stabilen Kern aus Erfahrenen wie Kayikci und einigen jungen Talenten behält Freiburg ein bewährtes Konzept bei. Daher sind auch von der nächsten Saison nicht allzu viele Überraschungen zu erwarten, ein Mittelfeldplatz wird vermutlich am Ende zu Buche stehen. Das Ziel Freiburgs, auch etwas weiter vorne mitzuspielen und die Favoriten zu ärgern, ist nicht unrealistisch. In den letzten beiden Saisons gelang etwa ein Punktgewinn gegen den VfL Wolfsburg. Weiterhin gute Aussichten im Schwarzwald also.


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