Unzufriedenheit bei der Eintracht: Zurück in die Zukunft - oder der Toppmöller-Weg?

  • Fans und Mannschaft unzufrieden mit den jüngsten Leistungen
  • Kritik an Trainer Dino Toppmöller wächst
  • Wie kann man die Kader-Qualität am besten nutzen?

Dino Toppmöller in der Kritik
Dino Toppmöller in der Kritik / Leon Kuegeler/GettyImages
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Bei der Eintracht ist man unzufrieden mit den jüngsten Leistungen. Die Kritik an Trainer Dino Toppmöller wächst. Sollte man zur "alten DNA" zurückkehren - oder den Weg des neuen Trainers konsequent weitergehen?

Mit 31 Punkten nach 20 Spieltagen liegt die Frankfurter Eintracht voll auf Kurs Europa. Als Tabellensechster wäre die SGE am Saisonende für Europa qualifiziert. Platz vier und damit die Champions League sind sechs Zähler entfernt.

Nach einem erfolgreichen Transfer-Winter fragt man sich deshalb in Frankfurt: Was geht noch in dieser Saison? Denn Fakt ist, mit den Neuzugängen Donny van de Beek (Leihe von Man United), Sasa Kalajdzic (Leihe von den Wolves), Hugo Ekitike (Leihe mit Kaufoption von PSG) und Youngster Jean-Mattéo Bahoya (acht Millionen Euro Ablöse von Angers SCO) hat man sich stark verstärkt.

Der beste Eintracht-Kader aller Zeiten?

Viele SGE-Anhänger sind daher der Meinung: Dieser Kader ist in der Spitze und Breite so stark wie nie. Entsprechend hoch sind auch die Erwartungen an das Team von Trainer Dino Toppmöller. Der Start ins neue Jahr ist mit dem Sieg in Leipzig zwar geglückt. Das Remis nach 2:0-Führung in Darmstadt sorgte allerdings für den ersten Dämpfer. Es folgte ein knapper und hart erarbeiteter Sieg gegen Mainz, ehe man am vergangenen Samstag in Köln mit 0:2 stolperte.

Insgesamt ließen die spielerischen Auftritte der Mannschaft gehörig zu wünschen übrig. Der Auftritt in Köln war dabei sicherlich der schwächste seit langem. Die Eintracht war im Spiel nach vorne völlig harmlos, die Ideen im Spielaufbau fehlten komplett. Stoßstürmer Sasa Kalajdzic hing völlig in der Luft. Verwertbare Flanken bekam der Zwei-Meter-Mann überhaupt keine.

Toppmöller will weg vom "typischen Eintracht-Fußball"

Die Kritik von den Fans ließ im Anschluss nicht lange auf sich warten. Vor allem Toppmöller steht dabei im Fokus. Im Sommer kam der 43-Jährige als Nachfolger von Oliver Glasner zur Eintracht. Toppmöller wollte fußballerisch von Beginn an einen Paradigmenwechsel vollziehen. Weg vom Gegenpressing und Konterfußball, hin zu mehr Ballbesitz und Kontrolle.

Die neue Spielweise im Vergleich zur Kovac-, Hütter- und Glasner-Zeit unterlag einigen Schwankungen. Insgesamt wirkte die Eintracht defensiv aber recht stabil, im Spiel nach vorne fehlte allerdings häufig die Durchschlagskraft. Auch, weil ohne Randal Kolo Muani ein waschechter Neuner auf gehobenem Niveau fehlte.

Mit den Verpflichtungen von Kalajdzic und nun auch Ekitike sollte das Problem behoben werden. Intern scheinen die Ziele hoch gesteckt. Die internationalen Plätze sollen es auf jeden Fall werden. Mehr in Richtung Champions League denn erneuter Confernece-League-Teilnahme.

An diesen (hohen) Zielen dürften auch die aktuelle Unzufriedenheit liegen. Auch innerhalb der Mannschaft soll diese gestiegen sein. Sogar eine Aussprache zwischen Team, Trainer und Sportvorstand Markus Krösche soll es am Dienstag gegeben haben, berichtet SGE-Insider 'Inside Eintracht FFM' auf X. Die Aussprache sei dabei auf Wunsch der Mannschaft erfolgt.

Tenor des Treffens: Gemeinsam aus dem "spielerischen Tal" herauskommen. Und die neuen PS auch auf den Platz bringen.

Eintracht-Fans stellen sich dabei allerdings die Frage, ob Toppmöllers Herangehensweise die richtige für diesen Verein und vor allem diesen Kader ist.

Muss die Eintracht 'Zurück in die Zukunft'?

Recht schnell wird dabei deutlich, dass die aktuelle Zusammenstellung ziemlich perfekt zur "alten Philosophie" passen würde. Mit Kalajdzic verfügt man über einen klassischen Wandstürmer, der Bälle gut festmachen kann. Dahinter hat man viele Optionen auf der Doppel-Zehn im 3-4-2-1-System. Mit Ellyes Skhiri einen laufstarken Abräumer, Hugo Larssson als Toptalent daneben. Und die Abwehrkette kann in Bestbesetzung mit Tuta, Koch und Pacho ein - bildlich gesprochen - dreiköpfiges Zweikampfmonster sein.

Zurück in die Zukunft mit mehr Kovac/Hütter/Glasner-DNA als Königsweg also?

Mit Toppmöller wird das nicht zu machen sein. Er hat von Beginn an klargemacht, welchen Fußball er spielen lassen möchte. Es wird also ziemlich sicher dabei bleiben, dass die Eintracht mit mehr Ballbesitz und Kontrolle erfolgreich sein möchte.

Die Eintracht muss mit dem "Toppmöller-Weg" konstant erfolgreich sein

Und auch, wenn das einige SGE-Fans vielleicht nicht unbedingt hören bzw. lesen wollen: Auch diese Art von Fußball ist mit diesem Kader bestens möglich. Kalajdzic als Wandstürmer bleibt der Fixpunkt. Dahinter hat man mit Götze, Marmoush, Ekitike, Chaibi und Co. reichlich kreatives, schnelles und dribbelstarkes Personal. Niels Nkounkou wird über die linke Schiene immer besser. Mit Knauff, Buta und Dina Ebimbe gibt es auch rechts viel Dynamik.

Dazu kann das Duo Skhiri und Larsson mit viel Laufarbeit und Ballsicherheit glänzen, im Spielaufbau gibt es mit Tuta, Koch und Pacho sicherlich deutlich schwächere Verteidiger in der Bundesliga - um es vorsichtig zu formulieren.

Der Schlüssel zum Erfolg im Toppmöller-System dürfte demnach eher die Antwort auf die Frage sein, wie man das eigene Ballbesitzspiel effektiver und gefährlicher machen kann.

Ein Schlüssel sind mit Sicherheit mehr Flanken, wenn man schon einen Kalajdzic im Sturmzentrum hat. Vor allem Nkounkou könnte hier liefern. Ein anderer Schlüssel ist ein schnelleres Kombinationsspiel mit besseren Abläufen. Der Effzeh konnte der Eintracht mit recht einfachen Mitteln den Zahn ziehen. Die SGE schaffte es kaum mal im geordneten Ballbesitz die ersten Linien zu überspielen und die Bälle auf die Zehner und Schienspieler zu leiten. Häufig wirkt die Ballzirkulation im eigenen Drittel zu langsam und Träge. Eine Problematik, die ein wenig an den BVB in dieser Saison erinnert.

Mehr Breite im Aufbau und das Einbinden der Schienenspieler könnte zum einen für mehr Gefahr vom Flügel und somit mehr Flanken sorgen. Zum anderen würde es den Raum für die beiden offensiven Mittelfeldspieler öffnen. Ziel im Eintracht-Spiel muss es sein, einen dieser beiden Spieler mit Blick auf das gegnerische Tor freizuspielen. Dann kann es im letzten Drittel weiter über die Außen und Flanken gehen. Oder aber über individuelle Qualität der Offensivreihe durch die Mitte.

Toppmöllers Weg wird kein leichter sein

Ein Ziel der "Toppmöller-Philosophie" das simpel klingen mag, es in der Realität aber nicht ist. Die Mannschaft befindet sich weiterhin in einem Findungs- und Entwicklungsprozess. Erst recht mit den Winterneuzugängen und Kalajdzic im Sturm, der die Statik im Offensivspiel im Vergleich zu Marmoush als Neuner verändert hat. Eintracht-Fans sollten also geduldig bleiben - auch wenn die Qualität des Kaders nach sofortigem Erfolg ruft.

Insgesamt muss man auch festhalten, dass es sportlich (das Pokalaus in Saarbrücken mal ausgeklammert), trotz der Schwankungen sehr ordentlich läuft. Platz sechs in der Bundesliga mit Tuchfühlung auf Platz vier? Es könnte schlechter aussehen. Um die ganz hohen Ziele noch in dieser Saison zu erreichen, braucht es aber sicherlich einen weiteren Entwicklungsschritt nach vorne. Und zwar konstant und so schnell wie möglich.


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