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Überragendes Schalke schießt überforderte Hoffenheimer ab | Spielbericht und Reaktionen

Christopher Kleis
Jan 9, 2021, 5:26 PM GMT+1
Schalke gewinnt zum ersten Mal seit 30 Spielen.
Schalke gewinnt zum ersten Mal seit 30 Spielen. | Lars Baron/Getty Images
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Der FC Schalke 04 kann doch noch gewinnen. Matthew Hoppe und Amine Harit erzielen gegen die TSG 1899 Hoffenheim die Tore der Königsblauen. Auf diesen Sieg lässt sich definitiv aufbauen. Schalke klettert auf Rang 17, während Hoffenheim auf dem 14. Tabellenplatz abrutscht.

Tore: 1:0 Hoppe (42.), 2:0 Hoppe (57.), 3:0 Hoppe (63.), 4:0 Harit (80.)

Schalke beginnt mit Mut und Tempo

Die ersten Minuten der Partie, in der Hoffenheim auf zwölf Spieler verzichten muss, gehören ganz klar den Schalkern. Es scheint, als hätte der Transfer von Kolasinac Wirkung gezeigt. Der Kapitän treibt nach fünf Minuten auch den ersten Angriff der Hausherren an. Auf seinem linken Flügel marschiert er mit dem Ball bis 30 Meter vor das Hoffenheimer Tor. Das Abspiel auf Harit kann nicht verwertet werden. Ein hoffnungsvoller Beginn.

Schalke bleibt dran. In der neunten Spielminute hat Uth nach einem Freistoß die Möglichkeit, die Führung zu erzielen, aber sein Schuss aus sieben Metern geht knapp ans rechte Außennetz. Schalke ist dem Tor näher als die TSG. Und Schalke machte weiter. In der 14. Minute setzt sich Harit gut auf der linken Seite durch und dringt in den Strafraum ein. Sein Abspiel von der Grundlinie versucht Hoppe mit dem rechten Außenrist auf das Tor zu bringen. Der Ball geht aber einen Meter über die Latte. Es ist eine Annäherung.

Danach pendelt das Spiel ein bisschen im Mittelfeld herum. Beide Mannschaften versuchen Ruhe reinzubringen. Hoffenheim befreit sich so langsam aus seiner Müdigkeit. Die Mannschaft von Sebastian Hoeneß beginnt, so langsam auch mal offensiv Akzente zu setzen. Bebou versucht es in der 16. Minute von der Strafraumkante. Aber sein Schuss ist kein Problem für Fährmann.

Hoffenheim übernimmt das Ruder

Danach ist plötzlich nichts mehr von der Schalker Überlegenheit zu sehen. Plötzlich hat die TSG 1899 Hoffenheim die großen Chancen. Vor allem Bebou spielt von jetzt an mit einer Menge Spielwitz. In der 23. Spielminute zieht er auf der linken Seite vier Gegenspieler auf sich. Den Platz nutzt er für einen Seitenwechsel auf den alleingelassenen Belfoudil. Dessen Schuss aus 13 Metern pariert Fährmann mit dem linken Fuß. Der Nachschuss wird geblockt. Stark gemacht von Bebou, aber den muss Belfoudil machen. Fährmann rettet Schalke vor dem Rückstand.

Jetzt muss sich Schalke vorwerfen lassen, zu wenig zu tun. Die Mannschaft von Christian Gross ist nur noch am verteidigen. Nächste Gelegenheit für Hoffenheim und wieder ist es der glänzend aufgelegte Fährmann, der rettet. Gacinovic startet in der 30. Minute von rechts in den Strafraum der Schalker. Sein Abspiel kann der mitgelaufene Kramaric nur noch anpieken, aber trotzdem muss Fährmann hin und pariert aus kurzer Distanz. Die Szene ist aber noch nicht vorbei. Der Ball gelangt zu Bebou. Der Togolese nimmt sich ein Herz und versucht aus rund 20 Metern den Schlenzer. Aber erneut ist Fährmann zur Stelle und kratzt den Ball aus der rechten unteren Ecke. Schalke kann sich bei seinem Torhüter bedanken, dann man nicht zurückliegt.

Diese 20 Minuten sind Hoffenheims stärkste Phase. Gacinovic bereitet anschließend auch die nächste Chance in der 35. Minute vor als er im Strafraum querlegt und Belfoudil den Weg zum Tor sucht. Aber sein Schuss wird erneut geblockt. Immer ist ein Schalker dazwischen. Den Nachschuss setzt Samassekou neben den Kasten

Aus dem Nichts die Schalker Führung

Es scheint wieder eine Partie zu werden, in der Schalke das Heft aus der Hand gibt. Aber aus dem Nichts erzielt Schalke die Führung. Serdar wird am eigenen Strafraum an der Hand angeschossen. Kein Strafbares Handspiel sagt Felix Zwayer und deshalb läuft die Szene weiter. Harit bekommt auf links den Ball. Eigentlich sind die Schalker in Unterzahl, aber durch kürzes Verzögern und einen perfekt getimten Pass auf den durchstartenden Matthew Hoppe hebelt er die ganze Hoffenheimer Hintermannschaft aus. Der Youngster läuft ganz alleine auf Oliver Baumann durch und behält die Nerven. Ganz cool lupft er den Ball über den herausstürmenden Hoffenheimer Torhüter ins Netz (42.). Schalke führt.

Zur Halbzeit hätt man nicht unbedingt mit diesem Spielstand gerechnet. Eigentlich hat Hoffenheim trotz der Ausfälle das Spiel unter Kontrolle und auch die besseren Chancen. Mindestens eine davon müssen die Spieler von Sebastian Hoeneß nutzen. Die Männer aus Sinsheim müssen in der zweiten Halbzeit noch mehr Gas geben als eh schon.

Schalke bleibt die bessere Mannschaft

Das Gegentor zeigt auch nach der Halbzeit noch Wirkung. Hoffenheim wirkt in seinen Aktionen unsicherer. Schalke kämpft und will das nächste Tor. Und das fällt aus einer Situation, die beschreibend für das Spiel steht. Hoffenheim hat einen Einwurf und Stambouli erkämpft sich mit starker Grätsche den Ball von Kramaric. Harit schnappt sich den Ball und spielt durch auf Hoppe. Der läuft plötzlich völlig alleine auf Oliver Baumann zu, umkurvt den Torwart und schiebt den Ball ins leere Tor (57.)

Hoffenheim stellt muss nun mehr riskieren und stellt deshalb auf eine Dreierabwehr um. Aber all die Umstellungen bringen nichts, wenn die Absicherung nach hinten fehlt und individuelle Fehler dazukommen. Vogt spielt in der 63. Spielminute einen eklatanten Fehlpass direkt in den Fuß von Harit. Der Marokkaner wird nicht angegriffen und kann vom Mittelkreis bis zum Hoffenheimer Strafraum durchlaufen und anschließend wieder einmal auf Hoppe durchstecken. Der junge Stürmer bleibt wieder ganz ruhig und lupft den Ball aus dem Fußgelenk ins lange Eck an Fährmann vorbei. Hattrick des US-Amerikaners und die dritte Torvorbereitung für Harit. Ganz starke Leistung des Duos.

Der Rekord von Tasmania Berlin scheint jetzt in weiter Ferne zu liegen. Hoffenheim gelingt nach vorne nichts mehr. Schalke verwaltet das Spiel und geht jeden Extra-Meter, der nötig ist. Klar, nach dieser Flut an positiven Erlebnissen werden ganz neue Kräfte freigesetzt. Sebastian Hoeneß muss reagieren. Sein Stuhl in Sinsheim wackelt, das weiß er. Wenn die Partie so zu Ende geht. Wird die Luft definitiv ganz dünn für ihn werden.

Verdienter Sieg für den FC Schalke 04

Hoffenheim findet bis zum Ende kaum noch statt. Es wird zu viel im Mittelfeld hin und her gespielt. Es fehlt der Zug zum Tor. Wenn mal ein Schuss durchkommt, ist das nicht zwingend genug. Entweder er wird geblockt, oder ist kein Problem für Ralf Fährmann, dem besten Schalker der ersten Halbzeit. Stattdessen ist es wieder Schalke, das für Jubel sorgt. Der eingewechselte Oczipka erobert den Ball an der Mittellinie. Nach einem kurzen Doppelpass mit Harit kann er auf dem linken Flügel bis in den Strafraum der Hoffenheimer durchlaufen. Oczipka hält den Kopf hoch und legt klug zurück auf Harit. Der Mittelfeldspieler schließt direkt aus 13 Metern mit der Innenseite ab (80.). Baumann hat keine Chance, den zu parieren. Es ist das vierte Tor für den FC Schalke 04. Überragender Abend von Harit, dem heute alles gelingt.

Es ist am Ende ein verdienter Sieg für den FC Schalke 04. Die Knappen sind über die gesamte Partie willensstärker und stemmen sich gegen die Niederlage. Matthew Hoppe und Amine Harit erlösen alle aus der königsblauen Leidenszeit. Beide zeigen heute eine überragende Leistung und verhindern den die Einstellung des Rekordes von Tasmania Berlin. Hoffenheim muss sich vorwerfen lassen, gegen den starken Fährmann keine der Chancen genutzt zu haben. Die Mannschaft von Sebastian Hoeneß hätte zwei Tore erzielen können, wenn nicht sogar müssen. So schwächt man den eigenen Trainer, dessen Position nach den letzten Spielen noch mehr unter Druck geraten ist. Es bleibt abzuwarten, ob Hoeneß im nächsten Spiel noch auf der Hoffenheimer Bank sitzt.

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