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EM 2020

Tschechien bei der EM 2020: Glasgow könnte zum Stolperstein werden

Christian Gaul
Die Tschechen müssen ausgerechnet nach Glasgow
Die Tschechen müssen ausgerechnet nach Glasgow / GLYN KIRK/Getty Images
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Am 11. Juni 2021 beginnt mit einem Jahr Verspätung die Euro 2020. Im Vorfeld des Turniers werfen wir einen Blick auf die teilnehmenden Nationen und stellen Schlüsselspieler vor. Zudem findet ihr bei uns die Termine und möglichen Aufstellungen aller 24 Mannschaften.

Nach jahrelanger Abstinenz schafften die Tschechen die Qualifikation zur EM 2016, nur um bei der WM 2018 wieder in die Röhre zu schauen. Nun ist die Reprezentace wieder dabei, doch mehr als eine Aueßenseiter-Rolle wird ihr nicht zuteil.


Allerdings hatten auch bei der EM 1996 nur wenige Experten das Team der Tschechischen Republik auf dem Zettel, die es letztlich bis ins unglücklich verlorene Finale gegen Deutschland schaffte.

25 Jahre später soll sich die Geschichte wiederholen, doch in der Gruppe D mit England, Kroatien und Schottland muss die Mannschaft über sich hinaus wachsen, um überhaupt die Vorrunde zu überstehen.

Der Kader

Ganz chancenlos reist man selbstredend nicht zum Turnier, allerdings fehlen im Vergleich zu 1996 die absoluten Granaten, die Karel Poborsky, Pavel Nedved oder auch Vladimir Smicer gerecht werden könnten.

Im Tor wird Trainer Jaroslav Silhavy auf den Bremer Jiri Pavlenka bauen, der nach seinem Abstieg mit Werder die Euro 2020 nutzen will, um wieder positivere Erlebnisse zu haben. Mit Tomas Vaclik (FC Sevilla) hat man eine ordentliche Alternative für Pavlenka in der Hinterhand.

Zu erwarten sind die Tschechen in einem 4-1-4-1, was fließend in ein 4-2-3-1 übergehen kann - auch abhängig von den Freiräumen, die Herthas Vladimir Darida bekommen wird. Die Vierkette vor Pavlenka werden wohl West Hams Vladimir Coufal, Ondrej Celustka (Sparta Prag), Jakub Brabec (Pilsen) und Jan Boril (Slavia Prag) bilden. Hoffenheims Pavel Kaderabek bliebe ebenso nur die Zuschauerrolle, wie Tomas Kalas (Bristol).

Innenverteidiger Ondrej Kudela wäre eigentlich gesetzt gewesen, doch der 34-Jährige von Slavia Prag wurde wegen rassistischer Beleidigungen im EL-Spiel gegen die Glasgow Rangers gegenüber dem finnischen Nationalspieler Glen Kamara von der UEFA für das Turnier gesperrt.

Kudela wäre der sechste Profi vom tschechischen Meister Slavia, der auch in der Europa League überzeugen und bis in das Viertelfinale vordringen konnte, gewesen. Einer von den verbleibenden fünf Slavia-Spielern ist Tomas Holes, der wohl im Verbund mit Darida und Schlüsselspieler Tomas Soucek (West Ham) die zentrale organisieren wird. Alex Kral (Spartak Moskau) oder Petr Sevcik (Slavia) werden die Alternativen sein.

Auf den offensiven Außenbahnen scheinen sich rechts Lukas Masopust (Slavia) und links Jakub Jankto (Sampdoria) zu behaupten. In der Sturmspitze wird es ein enges Rennen zwischen Leverkusens Patrik Schick und Michael Krmencik (PAOK) geben, während sich das18-jährige vermeintliche Mega-Talent Adam Hlozek (Sparta Prag) gedulden muss.

Die Tschechen werden direkt zum Auftakt in Glasgow auf die Schotten treffen, wo nicht nur aufgrund Kudelas verbalem Durchfall einiges hochkochen könnte. Im Prinzip werden beide Teams das Spiel als vorgezogene Entscheidung um den dritten Platz annehmen. Sollten die Tschechen gleich zu Beginn leer ausgehen, wird es ein fast aussichtsloses Unterfangen, die Gruppe zu überstehen.

So könnte Tschechien bei der EM auflaufen:


Der Schlüsselspieler - Tomas Soucek

Tomas Soucek
Tomas Soucek soll die Tschechen anführen / ANDY BUCHANAN/Getty Images

Der 26-Jährige stammt auch aus der Schule von Slavia Prag. Im Sommer 2020 wechselte Soucek für über 16 Millionen Euro in die Premier League zu West Ham United, nachdem er bereits ein halbes vorher zu den Hammers verliehen wurde.

In der abgelaufenen Saison war der Organisator ein Garant für den am Ende erreichten sechsten Platz und nun will Soucek auch bei der Euro 2020 glänzen. In 38 Liga-Partien konnte der Box-to-Box-Spieler zudem satte zehn Treffer beisteuern, die biedere Offensive der Tschechen wird von dieser Qualität nur profitieren können.


Der Aufstrebende - Adam Hlozek

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Adam Hlozek wird Sparta reich machen / VLADIMIR SIMICEK/Getty Images

Mit seinen erst 18 Jahren kann der schon lange gehypte Stürmer immerhin bereits auf zwei Länderspiel-Einsätze verweisen und wurde nun auch für die Euro 2020 nominiert. Wie oft der schon mit mehreren Top-Klubs in Verbindung gebrachte Überflieger jedoch auflaufen wird, bleibt abzuwarten.

Generell sollte er sich erst einmal hinter Patrik Schick und Michael Krmencik einreihen müssen und die Aussichten für mehr als drei Spiele der Tschechen beim Turnier sind eher düster. Unlängst verlängerte das Talent seinen Vertrag bei Sparta Prag bis 2024 - dementsprechend wird der Klub auf das Schaufenster Euro 2020 hoffen, um exorbitant hohe Angebote für Hlozek prüfen zu dürfen.


Die Termine der Tschechen in der Vorrunde:

Montag, 14.06.2021, 15:00 Uhr: Schottland - Tschechien (Glasgow)

Freitag, 18.06.2021, 18:00 Uhr: Kroatien - Tschechien (Glasgow)

Dienstag, 22.06.2021, 21:00 Uhr: Tschechien - England (Wembley)

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