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Tim Leibold startet neuen Anlauf Richtung Bundesliga - mit dem HSV!

Guido Müller
Leibolds Blick ins Leere nach dem 1:2 in Heidenheim
Leibolds Blick ins Leere nach dem 1:2 in Heidenheim / Alex Grimm/Getty Images
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An der Person des Tim Leibold lässt sich exemplarisch darstellen, wie sehr eigene persönliche Triumphe im Mannschaftssport Fußball durch das kollektive Versagen überdeckt werden können.

Denn wenn man in der Freien und Hansestadt Hamburg dieser Tage nach einem Lichtblick inmitten der dunklen Schatten der vergangenen Saison fragen würde, bekäme man wohl stets dieselbe Antwort: Tim Leibold. Der Linksverteidiger und Dauerbrenner (absolvierte alle 36 Pflichtspiele über die gesamte Distanz, einschließlich zweimal 120 Minuten im DFB-Pokal) schaffte von Beginn der letzten Saison an, was viele in Hamburg für unmöglich hielten: er machte einen Douglas Santos vergessen. Der Brasilianer war in der Vorsaison (Parallele zu Leibold) einer der wenigen, die sich nicht wirklich Vorwürfe ob des verpassten sofortigen Wiederaufstiegs in die Bundesliga machen mussten - und wurde dann zu Geld gemacht.

"Der Verein gehört nach der Anpassung von den Möglichkeiten zu den Top sechs der 2. Liga. Das ist Realität."

Tim Leibold

Leibold übertrifft Douglas Santos um Längen - und wird zum Rekordvorbereiter

Doch allen Unkenrufen zum Trotz agierte Leibold sofort als vollwertiger Ersatz. Ja konnte die Zahlen des brasilianischen Olympiasiegers von 2016 sogar locker-leicht toppen. Kam Douglas Santos in seiner letzten Saison in Hamburg auf einen eigenen Torerfolg und 6 Assists, konnte Leibold die Vorlagen mehr als verdoppeln. 16 Torvorbereitungen bedeuten zudem einen neuen Rekord in der Klubhistorie. Nur beim Toreschießen musste sich Leibold mit derselben minimalen Ausbeute wie sein südamerikanischer Vorgänger begnügen.

Doch wie eingangs beschrieben: als Mannschaft hat der HSV auch in dieser Spielzeit das große Ziel verpasst. Trotz aller Leibold-Scorerpunkte. Den Frust darüber hat der 26-Jährige auch gut einen Monat danach noch nicht ganz überwunden. "Dafür", so sagt er gegenüber der Sportbild, "ist der Wunsch nach der Bundesliga zu groß!" Nicht wenige im Umfeld des Klubs mutmaßten nach dem erneuten Scheitern im Aufstiegsrennen, dass der Klub Leibold zu Geld machen könnte. Ja fast schon müsste, ob des abermalig enger geschnallten Gürtels für die anstehende Saison. Doch mehr als eine vorsichtige Anfrage aus Stuttgart soll wohl nicht gekommen sein.

Leibolds realistischer Blick auf den Ist-Zustand

Und auch Leibold selbst scheint nicht wirklich einen Transfer vorantreiben zu wollen. Ja, der VfB. Das hätte womöglich gepasst (schließlich wurde "Leibe" bei den Schwaben ausgebildet). Aber so ist es auch gut. Und deshalb plant der Linksverteidiger nun einen zweiten Angriff auf den Aufstieg in die Bundesliga.

"Selbstverständlich ist die Ambition jedes Einzelnen beim HSV, in der Bundesliga zu spielen. Trotzdem sollte man berücksichtigen: Der Verein gehört nach der Anpassung von den Möglichkeiten zu den Top sechs der 2. Liga. Das ist Realität. Dennoch gibt der Kader immer noch viel her. Die Spieler, die hier sind, von denen will jeder in die Bundesliga." Eine gute Portion wohltuenden Realismus hört man aus diesen Worten. Die Sprüche à la 'wir haben den besten Kader!' oder 'wir können uns nur selbst schlagen!' sollten tatsächlich ein für alle mal der Vergangenheit angehören.

An Leibold soll es jedenfalls nicht scheitern. Denn der ist weiterhin Feuer und Flamme für seinen aktuellen Arbeitgeber. "Dass ich in meiner Karriere noch einige Bundesliga-Spiele machen will, das ist klar. Am liebsten für den HSV. Denn Hamburg ist ein geiler Verein.“ Punkt!

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