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Teresa Enke im Interview: Fortschritte zum Thema mentale Gesundheit deutlich erkennbar

Simon Zimmermann
Teresa Enke spricht über mentale Gesundheit
Teresa Enke spricht über mentale Gesundheit / Alexander Scheuber/Getty Images
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Terese Enke hat sich zum internationalen Tag der Selbstmordprävention ausführlich zum Thema mentale Gesundheit geäußert. Die Witwe des ehemaligen deutschen Nationalkeepers Robert Enke hat erklärt, dass in der letzten Dekade Fortschritte im Bewusstsein für psychische Probleme gemacht wurden. Mit der Corona-Pandemie sei ein weiterer Faktor hinzugekommen.


Robert Enke hatte 2009 Selbstmord begangen, nachdem er sich zuvor mehrmals wegen Depressionen in Behandlung begeben hatte. Während seiner Fußball-Karriere stand Enke unter anderem für Benfica, Barça und Hannover 96 zwischen den Pfosten. Für Deutschland absolvierte der Torhüter neun Länderspiele.

Robert Enke
Robert Enke spielte neunmal für Deutschland / Bryn Lennon/Getty Images

Seine Frau Teresa Enke gründete ein Jahr nach seinem Freitod die Robert-Enke-Stiftung, die das Bewusstsein für Depressionen, insbesondere im Spitzensport, schärfen soll. Im Interview mit der FIFA erklärte Teresa Enke, dass sich in den vergangenen elf Jahren einiges verändert habe und sie sicher sei, dass es Fortschritte gegeben habe.

"Es gibt wissenschaftliche Beweise dafür, dass meine Bemühungen seit dem Selbstmord meines Mannes im Jahr 2009 etwas bewirkt haben. Die Akzeptanz für diese Krankheit ist da. Dem Team gehören jetzt Psychologen und Psychiater an, und jungen Leistungssportlern wird ein psychologisches Training angeboten", erklärte sie.

"Ich finde das großartig, und ich denke, Robbie wird stolz sein, wenn er von dort oben herabschaut - stolz auf das, was erreicht wurde, nicht nur von der Robert-Enke-Stiftung, sondern generell. Die Menschen setzen sich mit dem Thema auseinander und erkennen endlich an, wie wichtig mentale Gesundheit ist. Und ja, es kann jeden treffen."

Terese Enke über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die mentale Gesundheit

Enke warnte weiter, dass sich die Coronavirus-Pandemie negativ auf Menschen mit psychischen Problemen auswirkt, und bot allen, die damit zu kämpfen haben, Hilfe an.

"Das Virus hat einen besonders starken Einfluss auf die Gesellschaft. Ich habe bereits mehrfach gesagt, dass einer der positiven Aspekte des Coronavirus darin besteht, dass er das Bewusstsein für psychische Erkrankungen geschärft hat - aber das ist wirklich der einzige positive Aspekt. Die Menschen wurden mit einer noch nie dagewesenen Herausforderung sowie mit Isolation und Vorschriften konfrontiert, die sich ihrer Kontrolle entziehen, was bedeutet, dass sie nicht einmal selbst entscheiden konnten, ob sie zum Beispiel spät abends noch ausgehen wollten oder nicht", sagte sie.

"Wenn man merkt, dass man Probleme hat, ist es so wichtig, sich jemandem zu öffnen. Wenn man merkt, dass ein guter Freund psychische Probleme hat, würde ich ihm raten, sich Hilfe zu holen. Depressionen sind behandelbar, wenn sie sich noch nicht vollständig festgesetzt haben."

"Die Rolle eines guten Freundes oder Partners besteht darin, jemandem zur Seite zu stehen und sich in ihn einzufühlen. Manchmal reicht es schon aus, sich einfach hinzusetzen und zuzuhören."

Depressionen sind eine Krankheit, keine Schwäche. Wenn diese Akzeptanz vorhanden ist, hat der Betroffene das Gefühl, dass er sich öffnen kann. Wenn ich Krebs habe oder am Knie operiert werden muss, brauche ich keine Angst zu haben, mit jemandem darüber zu sprechen, weil er die Situation sofort versteht und nachvollziehen kann, aber bei Depressionen ist das anders."

"Ich glaube, dass Sportler mit Druck umgehen können und müssen. Sie müssen nur Hilfe suchen, wenn der Druck zu groß wird oder wenn sie krank werden. Natürlich bringt jeder Job Druck mit sich, aber wenn man merkt, dass man damit nicht mehr so gut umgehen kann wie früher, dann ist es wichtig, dass man Menschen um sich herum hat, die die Last teilen und einem zur Seite stehen."


Die FIFA hat die Kampagne #ReachOut ins Leben gerufen, um das Bewusstsein für die Symptome psychischer Erkrankungen zu schärfen, die Menschen zu ermutigen, Hilfe zu suchen, wenn sie sie brauchen, und jeden Tag etwas für eine bessere mentale Gesundheit zu tun. Mit der Unterstützung ehemaliger und aktueller Fußballspieler unterstreicht die FIFA die Bedeutung eines größeren Bewusstseins für die psychische Gesundheit.

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