Wegen Super League: Schweizer Justiz bremst FIFA und UEFA aus!

Guido Müller
Könnte bald als lame duck dastehen: UEFA-Präsident Aleksander Ceferin
Könnte bald als lame duck dastehen: UEFA-Präsident Aleksander Ceferin / Robbie Jay Barratt - AMA/Getty Images
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Der Streit zwischen FIFA und UEFA, auf der einen Seite, und den Klubs, die für eine Schaffung einer elitären europäischen Superliga kämpfen, auf der anderen, geht nach einer Stellungnahme des Schweizer Justizministeriums wohl in eine neue Runde.


Denn die eidgenössischen Fachminister haben die beiden Verbände nun in einem offiziellen Statement darüber informiert, dass sie keinerlei Befugnisse haben, um die Klubs wegen ihrer Absicht, eine europäische Super League zu gründen, zu bestrafen (wie z.B. durch einen angedrohten Ausschluss aus den europäischen Pokalwettbewerben).

Das Ministerium in Bern beruft sich dabei auf die schon vom spanischen Handelsgericht Nr. 17 vorgetragene Jurisprudenz. Einer Entscheidung des diesem Tribunal zugehörigen Richters Manuel Ruiz Lara zufolge, ist es rechtlich nicht möglich, die für eine Superliga sich einsetzenden Vereine zu bestrafen (sei es monetär oder per Verbannung aus den europäischen Wettbewerben).

Dasselbe Gericht hat bereits den Europäischen Gerichtshof gebeten, in dieser Angelegenheit eine für Gesamteuropa verbindliche Entscheidung zu treffen.

Bestrafung würde gegen das Prinzip des freien Marktes verstoßen

Zusammengefasst lassen sich Laras Zweifel am Sanktionsrecht seitens der supranationalen Verbände dahingehend zusammenfassen, dass man den Klubs nicht so ohne weiteres das Recht am Nachdenken beschneiden darf, weil dadurch die "Innovation des Sports" behindert würde und im Zuge dessen die "Schaffung neuer Produkte blockiert, der Marktwettbewerb widerrechtlich eingeschränkt und, in letzter Instanz, die freie Produktwahl des Konsumenten (sprich: Fußballfan) verhindert" würde. (Quelle: as.com)

Klingt alles nach trockener akademischer Theorie. Bedeutet in der Praxis allerdings nichts anderes, als dass die von UEFA-Präsident Aleksander Ceferin angekündigten Konsequenzen für die "Rebellen-Klubs" wohl nicht in die Tat umgesetzt werden können.

Dies bedeutet im Umkehrschluss aber wiederum nicht, dass die Superliga nun automatisch kommt. Denn auch wenn die Klubs das Recht (formal) auf ihrer Seite haben mögen, sollten sich die jeweiligen Präsidenten tunlichst an die heftigen Proteste der Fans erinnern, die Anfang Mai, nach Bekanntwerden der Pläne, europaweit eingesetzt hatten.

Jack Newson
Leon Neal/Getty Images

Nochmal zum Mitschreiben: nicht alles was möglich ist, muss auch getan werden. Und nicht alles was getan werden kann, muss auch immer umgesetzt werden. Sollten die von den in Aussicht stehenden Euro-Milliarden geblendeten Vereinsführer aber weiterhin ernsthaft an dem bei den Fans ungeliebten Projekt festhalten, wäre ihnen leider tatsächlich nicht mehr zu helfen.

Vor dem (eventuell irreversiblen) Zorn der Fans könnte sie dann nämlich auch kein Gericht oder Justizministerium der Welt mehr bewahren.

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