Nach schwacher Leistung gegen Werder: Die schwierige Can-BVB-Beziehung im Check

Daniel Holfelder
Emre Can
Emre Can / Lars Baron/GettyImages
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BVB-Profi Emre Can wird zu Recht kritisiert. Auch gegen Werder Bremen konnte der Mittelfeldspieler nicht überzeugen. Bisweilen ist die Beurteilung des 28-Jährigen aber zu einseitig.


Emre Can ist für viele BVB-Fans ein rotes Tuch. Der Rechtsfuß, vor zweieinhalb Jahren zunächst per Leihe und später fest für 25 Millionen Euro von Juventus Turin gekommen, war eigentlich fest als Leistungsträger und Führungsspieler eingeplant. Gerecht ist der gebürtige Frankfurter dieser Erwartungshaltung nie geworden. Im Gegenteil.

Am Wochenende gegen Werder Bremen zeigte der ehemalige Liverpooler erneut eine enttäuschende Leistung. Can leistete sich zu viele Fehler und schaffte es nicht, im defensiven Mittelfeld für Stabilität zu sorgen und Struktur ins Dortmunder Spiel zu bringen, wie es zuvor Mo Dahoud gelungen war. Durch dessen frühe Verletzung nach 18 Minuten war Can erst aufs Spielfeld gekommen.

Bereits in der vergangenen Saison hatte sich der Ex-Nationalspieler allzu oft als Unsicherheitsfaktor erwiesen, bei dem Wirklichkeit und Selbstwahrnehmung auffällig weit auseinanderklafften. Ein Interview, in dem er sich gegen seine Kritiker verteidigte und davon sprach, nur "einen Fehler" in der gesamten Spielzeit begangen zu haben, sorgte beim schwarzgelben Anhang nicht nur für Erstaunen, sondern gab vielfach Anlass zu Spott und Häme.

Genau dort überschreitet die Kritik am 28-Jährigen eine Grenze und blendet aus, dass an der schwierigen BVB-Can-Beziehung nicht nur eine Seite die Schuld trägt. Denn abgesehen von zahlreichen Verletzungen (die beileibe nicht nur Can, sondern geradezu den gesamten Dortmunder Kader betreffen und deshalb die Frage nach falscher Trainings- und Belastungssteuerung aufwerfen) musste der gelernte Mittelfeldspieler wieder und wieder auf unterschiedlichen Position aushelfen. Can wurde als Innenverteidiger in einer Vierer- und in einer Dreierkette aufgeboten, als Außenverteidiger, als Abräumer vor der Abwehr und als etwas offensiverer zentraler Mittelfeldspieler. Ohne klares Aufgabenprofil ist es für jeden Spieler schwer, dauerhaft seine beste Leistung abzurufen.

Dass Can unter Edin Terzic fest für das defensive Mittelfeld vorgesehen ist, darf trotz des schwachen Auftritts gegen Werder als erster Schritt in die richtige Richtung gewertet werden. Den zweiten Schritt muss der Profi nun selbst gehen und Chancen wie am Samstag zur Eigenwerbung nutzen. Die kommenden englischen Wochen bieten dafür die geeignete Gelegenheit.


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