EM 2020

Die Schweiz bei der EM 2020: Mit Gladbacher Achse zum Gruppensieg?

Christian Gaul
Die Schweizer Nati tritt mit vielen bekannten Gesichtern an
Die Schweizer Nati tritt mit vielen bekannten Gesichtern an / Briony Painter/90min
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Am 11. Juni 2021 beginnt mit einem Jahr Verspätung die Euro 2020. Im Vorfeld des Turniers werfen wir einen Blick auf die teilnehmenden Nationen und stellen Schlüsselspieler vor. Zudem findet ihr bei uns die Termine und möglichen Aufstellungen aller 24 Mannschaften.

Die Schweiz will mit einer eingespielten Truppe aus bekannten Gesichtern endlich wieder für Aufsehen sorgen. Können Granit Xhaka und Kollegen die Europameisterschaft nutzen, um sich ins Rampenlicht zu spielen?


Die Schweizer Nati überstand bei den letzten drei Großturnieren immer die Vorrunde, allerdings war auch jedes Mal im Achtelfinale Schluss. Die Mannschaft schnupperte stets an größeren Erfolgen, doch letztlich konnte auch die immense Geschlossenheit nicht dafür sorgen, dass man mehr erreichte.

Bei der Euro 2020 werden die Eidgenossen in der Gruppe A auf Wales, Italien, und die Türkei treffen. Ein neuerlicher Einzug in die K.O.-Runde scheint durchaus möglich für die Schweiz, immerhin befinden sich die Stützen des Teams im besten Fußballer-Alter.


Der Kader

In der Schweiz wird Kontinuität gelebt. Viele der 26 nominierten Spieler sind schon lange bei der Nati, dementsprechend homogen wirkt das Konstrukt von Trainer Vladimir Petkovic. Der in Sarajevo geborene Schweizer führt seit August 2014 das Zepter in der Nati und ist mittlerweile für seinen beharrlichen Aufbau und seine klaren Vorstellungen bekannt.

Mit einer Vielzahl von aktuellen und ehemaligen Profis aus der deutschen Bundesliga bestückt, finden sich im Kader für die Euro 2020 nur wenige unbekannte Spieler wieder. Mit Becir Omeragic vom FC Zürich, Eray Cömert und Silvan Widmer vom FC Basel sowie Christian Fassnacht von Young Boys Bern waren nur vier Spieler zuletzt noch in der Schweizer Super League unterwegs - der Rest ist über halb Europa verstreut.

Aus der Bundesliga stellt in erster Linie Borussia Mönchengladbach eine klare Achse. Mit Torwart Yann Sommer, Verteidiger Nico Elvedi, Mittelfeldspieler Denis Zakaria und Stürmer Breel Embolo werden wohl gleich vier Fohlen als potenzielle Stammspieler aufgeboten.

Hinter Sommer werden es sich Yvon Mvogo (PSV Eindhoven) und Jonas Omlin (HSC Montpellier) auf der Bank gemütlich machen - der Neu-Dortmunder Gregor Kobel schaut gänzlich in die Röhre.

In der Abwehr werden neben Elvedi wohl Manuel Akanji (Borussia Dortmund) und Ricardo Rodriguez (FC Turin) die zuletzt häufig gewählte Dreierkette bilden. Die Talente Omeragic und Cömert, sowie "Altmeister" Fabian Schär (Newcastle United) bilden die Alternativen.

In der Zentrale wird kein Weg an Granit Xhaka (FC Arsenal) vorbeiführen, Zakaria und Remo Freuler (Atalanta Bergamo) werden sich um den Platz neben dem Anführer bewerben. Mit Djibril Sow (Eintracht Frankfurt) und Edimilson Fernandes (1. FSV Mainz 05) sind weitere Optionen verfügbar.

Auf der linken Seite werden Steven Zuber (Eintracht Frankfurt) und Loris Benito (Girondins Bordeaux) um einen Stammplatz kämpfen, auf der anderen Seite scheint Kevin Mbabu (VfL Wolfsburg) leichte Vorteile gegenüber Widmer und dem jungen Jordan Lotomba (OGZ Nizza) zu haben.

Im Angriff läuft es wohl auf Embolo, Haris Seferovic (Benfica) und "Kraftwürfel" Xherdan Shaqiri (FC Liverpool) hinaus. Mit Ruben Vargas (FC Augsburg), Admir Mehmedi (VfL Wolfsburg) und Mario Gavranovic (Dinamo Zagreb) warten jedoch auch hier wieder bekannte Namen auf ihre Einsätze.

Die mögliche Startelf der Schweizer Nati:


Der Schlüsselspieler - Granit Xhaka

Granit Xhaka
Granit Xhaka muss das Team anführen / Catherine Ivill/Getty Images

Der ehemalige Gladbacher hat eine enttäuschende Saison mit dem FC Arsenal hinter sich. Mögliche Wechselgedanken will er jedoch zum Wohle der Nati vorerst hinten anstellen und sich vollkommen auf die Euro 2020 fokussieren.

Seine Erfahrung und Spielintelligenz werden ebenso benötigt, wie sein Auftreten als absoluter Leader. Sein Wort hat Gewicht, seine Art reißt die anderen mit. Bekommt Xhaka sich selbst in den Griff, dann kann er allein den Unterschied ausmachen.


Der Aufstrebende - Ruben Vargas

Ruben Vargas
Ruben Vargas gehört die Zukunft / FABRICE COFFRINI/Getty Images

Der Augsburger schickt sich an, die in die Jahre gekommene Offensive der Nati zu beleben. Im Duett mit Embolo wird der 22-Jährige als große Hoffnung auf das Erbe von Seferovic (29), Gavranovic (31), Shaqiri (29) und Mehmedi (30) angesehen.

Obwohl er mit dem FCA bislang keine Bäume ausreißen konnte, wird Vargas auf sich aufmerksam machen - wenn ihn der Trainer denn lässt.


Die Problematiken - Stillstand oder Kontinuität?

Vladimir Petkovic
Vladimir Petkovic gilt als wenig experimentierfreudig / Eurasia Sport Images/Getty Images

Trainer Petkovic konnte in seinen bislang fast sieben Jahren zwar unbestreitbare Entwicklungen vorantreiben, doch vertraut er oftmals zu sehr auf sichere Varianten und scheut das Risiko. Junge Spieler werden gefühlte Jahre behutsam aufgebaut und alte Hasen bekommen Freibriefe. Dementsprechend geht der Nati oft das heutzutage so wichtige Tempo ab.

Die Schweiz gilt dennoch als stark in dem, was sie auf dem Platz tut - aber eben auch als stark ausrechenbar. Kann der 57-jährige Coach seine Kritiker überraschen?


Die Termine der Schweiz in der Vorrunde:

Samstag, 12.06.2021, 15:00 Uhr: Wales - Schweiz (Baku)

Mittwoch, 16.06.2021, 21:00 Uhr: Italien - Schweiz (Rom)

Sonntag, 20.06.2021, 18:00 Uhr: Schweiz - Türkei (Baku)

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