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EM 2020

Schottland bei der EM 2020: England im Blick - doch reicht die Qualität?

Christian Gaul
Schottland trifft auf den Erzfeind
Schottland trifft auf den Erzfeind / PATRICIA DE MELO MOREIRA/Getty Images
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Am 11. Juni 2021 beginnt mit einem Jahr Verspätung die Euro 2020. Im Vorfeld des Turniers werfen wir einen Blick auf die teilnehmenden Nationen und stellen Schlüsselspieler vor. Zudem findet ihr bei uns die Termine und möglichen Aufstellungen aller 24 Mannschaften.

Nachdem sich die schottische Mannschaft zum ersten Mal seit der WM 1998 für ein großes Turnier qualifizieren konnte, trifft sie bei der Euro 2020 auch gleich auf den Nachbarn aus England - wie schon in der Gruppenphase der EM 1996. Damals setzte es ein 0:2 gegen die Three Lions, diesmal will man sich revanchieren.


Doch sollten sich die Bravehearts nicht nur auf das Duell gegen den Erzfeind fokussieren, trifft man in der Gruppe D doch auch noch auf Tschechien und Kroatien.

Obwohl sich im schottischen Kader einige Lichtblicke entdecken lassen, wird es für das junge Team wohl sehr schwer werden, das Achtelfinale zu erreichen.

Der Kader

Mit einem Schnitt von 27,3 Jahren werden die Schotten bei der Euro 2020 antreten und befinden sich damit im jüngeren Drittel. Die 26 Profis verdingen sich fast ausschließlich in der heimischen Liga oder beim ungeliebten Nachbarn. Mit Innenverteidiger Jack Hendry war ein Akteur in der abgelaufenen Saison an den belgischen KV Oostende verliehen - er kehrt nun allerdings wieder zu Celtic Glasgow zurück.

Grundsätzlich verwässern gleich alle drei nominierten Keeper den Altersschnitt des Teams erheblich. Denn die zu erwartende Nummer Eins David Marshall (36, Derby County) und seine zwei Vertreter Jon McLaughlin (33, Glasgow Rangers) und Craig Gordon (38, Midlothian) sind eher mit dem Begriff "rüstig" zu versehen.

Man kann die Schotten in einem klassischen 3-5-2 erwarten, wobei der eigentliche Linksverteidiger Kieran Tierney (FC Arsenal) in der Dreierkette neben Grant Hanley (Norwich) und Liam Cooper (Leeds) aufgeboten wird. Auch der angesprochenen Hendry darf sich jedoch Hoffnungen auf die Startelf machen.

Tierneys Ausweichen hat einen nachvollziehbaren Grund: Andrew Robertson. Der Mann vom FC Liverpool wird die Schotten als Kapitän auf das Feld führen und die linke Seite im Alleingang dominieren wollen. Sein Gegenüber wird wohl Stephen O'Donnell (Motherwell) heißen, für Talent Nathan Patterson (Glasgow Rangers) bleibt vorerst nur die Bank.

In der Zentrale kann das Team von Trainer Steve Clarke auf Schlüsselspieler John McGinn (Aston Villa), EL-Finalist Scott McTominay (Man United) und Celtics Callum McGregor vertrauen. Jung-Star Billy Gilmour (FC Chelsea) drängt jedoch in das Team, obwohl er bislang erst ein Länderspiel vorweisen kann. Auch John Fleck (Sheffield United) wäre ein Kandidat, allerdings laboriert der 29-Jährige an einer Covid-Erkrankung.

Im Angriff wird Che Adams seinen Platz sicher haben. Der 24-Jährige konnte in der abgelaufenen Saison als Stammspieler des FC Southampton 14 Torbeteiligungen sammeln und damit zum Klassenerhalt in der Premier League beitragen. An seiner Seite wird sich Lyndon Dykes (QPR) gute Chancen ausrechnen, doch auch Ryan Christie (Celtic) oder Ryan Fraser (Newcastle) sind Alternativen.

Klar wird es für die Schotten darum gehen, den Engländern die Stirn zu bieten. Doch will man sich ebenso gegen Kroatien gut verkaufen und mit Tschechien um den dritten Platz spielen. Potenziell kann man auf eine eingespielte und homogene Truppe vertrauen, ob die mangelnde Qualität in der Spitze und ein Weltklasse-Außenverteidiger allerdings ausreichen werden, um die Gruppe zu überstehen, bleibt - trotz Heimvorteils - abzuwarten.

Die mögliche Aufstellung der Schotten:


Der Schlüsselspieler - John McGinn

John McGinn
John McGinn soll den Kollegen Beine machen / Ian MacNicol/Getty Images

Der 26-Jährige verkörpert den Begriff "Box-to-Box" nicht nur, er lebt ihn. Anders als Welt-Star Robertson spielte die Stammkraft von Aston Villa bislang leicht unter dem Radar - aber dafür kann er im zentralen Mittelfeld naturgemäß mehr Einfluss auf das Spiel ausüben, als sein Kollege an der Außenlinie.

McGinn wird sich nicht nur selbst die Lunge aus dem Leib rennen, vielmehr gilt er als Antreiber und Mentalitätsspieler gehobener Klasse. Bei der Euro 2020 wird ihm die Aufgabe zuteil werden, den Laden zusammenzuhalten und seinen Mitspielern Beine zu machen.


Der Aufstrebende - Billy Gilmour

Billy Gilmour, Ryan Gravenberch
Billy Gilmour will in die Startelf / Soccrates Images/Getty Images

Mit erst 19 Jahren und erst einem Länderspiel will das Talent vom FC Chelsea bei der Euro 2020 auf sich aufmerksam machen. Gilmour überzeugt mit guter Übersicht und Antizipation, wird sich aber in der schottische Zentrale vorerst hinter den etablierten Haudegen einreihen müssen.

In London kam er in der abgelaufenen Saison zwar immerhin auf 14 Einsätze, doch eine Leihe innerhalb der Premier League bahnt sich an. Sollte der Jung-Star bei der EM das Vertrauen bekommen, werden die potenziellen Interessenten nicht weniger werden.


Die Termine Schottlands in der Vorrunde:

Montag, 14.06.2021, 15:00 Uhr: Schottland - Tschechien (Glasgow)

Freitag, 18.06.2021, 21:00 Uhr: England - Schottland (Wembley)

Dienstag, 22.06.2021, 21:00 Uhr: Kroatien - Schottland (Glasgow)

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