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Schalke-Vorstand Jobst stichelt gegen Gladbach: Wie sollten Klubs mit Geisterspielen umgehen?

May 8, 2020, 1:00 PM GMT+2
Alexander Jobst
TF-Images/Getty Images
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Die Geisterspiele werden für alle Beteiligten - von den Spielern bis hin zu den Fans - ein ungewöhnlicher Rahmen der Bundesliga-Partien sein. Derzeit debattieren viele Vereine, wie sie damit umgehen. Schalke-Vorstand Alexander Jobst stempelt "sämtliche Animationen und Spielereien" als "sinnfrei" ab. Ein mögliches Sticheln gegen Borussia Mönchengladbach, die Pappfiguren im Stadion aufgestellt haben.

Mit etwa 12.000 Pappfiguren möchte Borussia Mönchengladbach die Atmosphäre bei den sehr bald anstehenden Geisterspielen zumindest künstlich etwas aufbessern. Die Fohlen waren bereits im Rhein-Derby gegen den 1. FC Köln im leeren Stadion angetreten, wissen somit, wie sich ein solcher Auftritt ohne die lautstarke Unterstützung der Fans anfühlt.

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Im Borussia-Park werden derzeit die Pappfiguren aufgestellt | INA FASSBENDER/Getty Images

Simulationen oder Pappfiguren "sinnfrei für Schalke" - Umgang mit den Geisterspielen wird diskutiert

Für Alexander Jobst ist so etwas nicht denkbar. Der Kommunikations- und Marketing-Vorstand von Schalke 04 hat auf der Vereins-Homepage Stellung zu den Geisterspielen genommen und betont, welch wichtige Stellung die Fans in der Veltins-Arena einnehmen. "In den Vorbereitungen zu Geisterspielen haben wir unzählige Angebote und Ideen für Simulationen von vermeintlicher Stadionatmosphäre erhalten", erklärte er.

Dazu sollen neben möglichen künstlich aufgebrachten Fan-Gesängen auch Pappaufsteller wie in Gladbach gezählt haben. Diese Vorschläge habe der Verein jedoch direkt verworfen: "Ich habe mich mit meinem Team in keiner Sekunde mit irgendeiner dieser Ideen ernsthaft beschäftigt, weil ich sämtliche Animationen und Spielereien als sinnfrei für Schalke 04 betrachte." Die einzigartige Stimmung beim S04 sei "einzig und allein" den Fans zu verdanken - diese könne "durch nichts ersetzt werden".

Veltins-Arena aus der Luft
Die Veltins-Arena auf Schalke wird wohl leer bleiben - Ohne Figuren und künstliche Musik | TF-Images/Getty Images

Umgang mit Geisterspielen: Künstliche Atmosphäre oder triste Realität?

Auch wenn es bei diesen Aussagen nicht zwingend ein absichtlicher Hintergedanke war, so stichelt Jobst leicht gegen den NRW-Rivalen. Diese unterschiedlichen Sichtweisen bringen jedoch die übergeordnete Frage auf, wie die Klubs mit den Umständen der Geisterspiele umgehen sollen. Sollten sie "künstlich ausstaffiert" werden, wie Jobst es bezeichnet, oder sollte der reale Rahmen gezeigt und den Fans an den Bildschirmen präsentiert werden?

So mancher Fan und so manche Fan-Vereinigung hat sich bereits dafür ausgesprochen, keineswegs künstlich mehr Leben hinzuzufügen. Schließlich könne man so ganz deutlich wahrnehmen, wie wichtig die Anhänger im Stadion sind. Sie alleine garantieren die Stimmung, die so wichtigen Emotionen und nur sie können das Geschehen auf dem Platz mit Leben umringen.

Gesänge aus Musikboxen, Animationen auf den Rängen, Werbebanden in den Kurven. All das wäre ein Schritt weg von den Fans, weg von dem gefühlt letzten bisschen Nahbarkeit zwischen dem gemeinen Zuschauer und dem großen Produkt des Profifußballs. Wenn diese Bedeutung durch die Geisterspiele als Nebeneffekt betont wird, so sollte sie nicht nur zugelassen, sondern auch nicht beschönigt werden. Natürlich ist die Aktion der Gladbacher kein Versuch, die Fans ins Abseits zu stellen - die Arena soll zumindest mit etwas Leben gefüllt werden, das ist selbstredend verständlich. Aber die Spiele ohne Zuschauer sollten im möglichst großen Umfang so gelassen werden, wie sie sind: Leer.

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