FC Schalke 04

Deshalb ergibt der Schwolow-Transfer für Schalke Sinn

Yannik Möller
Alexander Schwolow
Alexander Schwolow / TOBIAS SCHWARZ/GettyImages
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Mit Alexander Schwolow hat Schalke 04 die Nummer eins für die neue Saison gefunden. Auch wenn die Leihe einen faden Beigeschmack haben mag - aus S04-Sicht ergibt sie viel Sinn. Ein Kommentar.


Im zweiten Anlauf wechselt Alexander Schwolow nach Gelsenkirchen. Bereits im Sommer 2020 wollte Schalke ihn als neue Nummer eins verpflichten. Zum Transfer kam es damals jedoch nicht - seitdem lief er für Hertha BSC auf.

In der Saison 2022/23 wird er als Nummer eins von Königsblau auflaufen. Damit hat der Klub alle Torwart-Positionen besetzt und - ebenfalls vor dem Start der Vorbereitung - ein großes Fragezeichen ad acta legen können. Allerdings gibt es unter den Fans auch so manche Kritik an dieser Verpflichtung.

Gehaltsverzicht, Wille zum S04-Wechsel und bewiesene Klasse: Die Schwolow-Leihe ergibt Sinn

Aus Sicht von Schalke jedoch ergibt sie Sinn.

Vorweg: Ja, auch Schwolow ist wieder keine langfristige Lösung. Er ist ausgeliehen und es wurde weder eine Kaufoption, noch eine Kaufpflicht vereinbart. Egal wie es läuft: Er wird nach Berlin zurückkehren. Und ebenfalls ja, er hatte eine schlechte, vergangene Saison. Beides ist richtig - beides ist angesichts der Ausgangslage, in der sich S04 befindet, jedoch zu vernachlässigen.

Erst einmal ist es wichtig zu betonen: Die Gelsenkirchener sind kein Notnagel für den 30-Jährigen. Vor zwei Jahren war es nicht er, der den Wechsel platzen ließ. Es war die Unfähigkeit seitens Schalke, die Ablöseforderung zu bezahlen. Nun verzichtet er laut WAZ sogar auf "sehr viel Geld".

Das hat auch Rouven Schröder bestätigt: "Er hat uns in den Gesprächen glaubhaft vermittelt, dass für ihn die sportliche Perspektive absolute Priorität besitzt." Dazu musste nur eine "überschaubare Leihgebühr" gezahlt werden. Sie soll im niedrigen, sechsstelligen Bereich liegen.

Alexander Schwolow
Schwolow wechselt im zweiten Anlauf zu S04 / Stuart Franklin/GettyImages

In diesem Preis-Bereich hätte der Klub keine bessere Option gehabt. Schalke kann sich also sogar eher glücklich schätzen, dass Schwolow auch zu diesem Gehaltsverzicht bereit war. Stefan Ortega beispielweise wurde von Tag zu Tag unrealistischer.

Das letzte Jahr mag kein gutes für ihn gewesen sein. Dennoch hat er in den letzten Jahren mehrfach bewiesen, dass er ein solider Erstliga-Torwart sein kann. In einer höheren Kategorie konnte der Aufsteiger nicht suchen, so wichtig ein Klasse-Keeper für den Klassenerhalt auch ist. Kommt der Schlussmann in Blau-Weiß wieder in Form, kann er dahingehend eine gute Unterstützung sein.

Aufgeschobene Torwartfrage mit Notlösung? Mitnichten!

Zwar muss Königsblau im nächsten Sommer erneut die Torwartfrage stellen - wie so häufig in den letzten Jahren. Allerdings bietet sich dieses Mal eine andere Perspektive.

Sollte Schwolow überzeugen und gute Leistungen abliefern, so besteht die theoretische Möglichkeit, in erneute Verhandlungen mit Hertha einzusteigen. Nur, weil es im Leihvertrag keine Option auf einen direkten Verbleib gibt, heißt das nicht per se, dass er auch danach ausgeschlossen ist.

Andererseits wurde bereits Justin Heekeren verpflichtet. Dem 21-Jährigen wird schon jetzt ein gutes Standing zugeschrieben. Er wird bei S04 nicht unterschrieben haben, um jahrelang auf der Bank zu sitzen. Im Gegenteil: Schon zur neuen Saison soll er als Nummer zwei fungieren. Damit wird er derjenige sein, der Schwolow unter Druck setzt - und nicht etwa Ralf Fährmann.

Heekeren wird sich sowohl im Training, wie auch in manchen Testspielen zeigen können. Macht er einen guten Eindruck, so könnte er in einem Jahr das Ruder übernehmen. Schalke hätte dann eine gute, sowie finanziell lohnenswerte Übergangslösung gehabt, während sich der Youngster einfinden und auf die neue Rolle vorbereiten konnte.

Dementsprechend ist diese Leihe nicht nur als erneut zeitlich begrenztes Aufschieben der Torwartfrage zu verstehe. Dass Schalke so bald wie möglich eine klare Nummer eins braucht, die auch mehrere Spielzeiten hintereinander im Tor steht, ist logisch.

Dieses Ziel ist in diesem Sommer aber nicht zu erreichen. Weder finanziell, noch bei der sportlichen Ausgangslage. Deshalb ist die Entscheidung, sich für die neue Saison die Dienste Schwolows zu sichern, der glaubhaft für diese schwierige Mission brennt, richtig und auch nachvollziehbar.


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