Die Schalke-Erkenntnisse zur Pleite gegen Leipzig

Yannik Möller
Schalke 04 v. RB Leipzig
Schalke 04 v. RB Leipzig / INA FASSBENDER/GettyImages
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Auch das zweite Spiel im neuen Jahr hat Schalke 04 verloren. Gegen RB Leipzig zeigte sich die Mannschaft von ihrer schwächsten Seite. So können vorrangig negative, aber auch noch etwas hoffnungsvollere Erkenntnisse aus dem Spiel gezogen werden.


Die erste Halbzeit erinnerte an die schwächsten Spiele in der Abstiegssaison vor zwei Jahren und an den Zusammenfall unter Frank Kramer. Die ersten 45 Minuten gegen RB Leipzig waren die mit Abstand schlechteste erste Hälfte, die Schalke in der noch relativ jungen Amtszeit von Thomas Reis gezeigt hat.

Mit einem 0:4-Rückstand und vereinzelten Pfiffen in die Pause geschickt, stand am Ende eine 1:6-Klatsche. Natürlich ist RBL kein Gegner auf Augenhöhe. Und trotzdem sorgte der Auftritt der Mannschaft bei den Fans für sehr viel Frust und weitere Ernüchterung.


Schalke-Erkenntnisse zur Niederlage gegen Leipzig

1. Frey und Kozuki als offensive Hoffnungsträger

Dani Olmo, Michael Frey, Cedric Brunner
Michael Frey im Duell mit Dani Olmo / Lars Baron/GettyImages

Am Dienstagabend zeigte Schalke sowohl als Kollektiv, als auch individuell eine durchweg schlechte Leistung. Die einzigen Lichtblicke aus der Startelf: Michael Frey und Soichiro Kozuki.

Der Stürmer schaffte es direkt in die erste Elf und bekam somit den Vorzug vor Simon Terodde. Das Vertrauen von Thomas Reis konnte er zwar nicht durch ein eigenes Tor zurückzahlen, doch zeigte er sich sehr aktiv und engagiert. Dabei machte er auch einen flexibleren, schnelleren und mehr integrierten Eindruck als Terodde.

Den einzigen S04-Treffer konnte er vorbereiten. Erzielt hatte ihn Kozuki, der sich erneut unbekümmert und mutig zeigte. Natürlich scheiterte auch er mit den meisten seiner Aktionen, und dennoch ist und bleibt er ein wichtiger Hoffnungsträger.

Es war zwar nicht schwer, angesichts der Leistung von Königsblau positiv herauszustechen - aber immerhin haben die beiden es immer mal wieder geschafft.

2. Bülter wirkt überfordert und überspielt

Marius Bulter, Willi Orban
Marius Bülter / Lars Baron/GettyImages

Schon am Wochenende fiel auf, dass Marius Bülter aus vielen Anspielen, die er bekommt, kaum etwas herausholen konnte. Insbesondere seine Entscheidungsfindung rückte frühzeitig negativ in den Fokus.

Gegen Leipzig war es nicht anders. Abseits der Viererkette hatte kein Schalker so viele Ballverluste zu verzeichnen wie er. Kein Dribbling war erfolgreich und seine sonst positive Zweikampfstärke, die für manch hohen Ballgewinn sorgen könnte, war erneut nicht zu sehen.

Stattdessen standen ungenaue Abspiele, falsche Entscheidungen und einige Ungenauigkeiten in allen Bereichen des Spiels im Vordergrund. Bülter wirkte nicht nur überfordert, sondern auch überspielt. Ein Eindruck, der nach gerade einmal zwei Partien, die auf mehrere Wochen Pause folgten, sehr vielsagend ist.

Glück im Unglück: Mit Tim Skarke hat S04 einen Neuzugang, der den Flügel bespielen kann und ihn vorerst ersetzen sollte.

3. Rückhalt der Fans gerät in Gefahr

FC Schalke 04 v RB Leipzig - Bundesliga
Die Schalker schlichen nach Abpfiff in die Kurve / Lars Baron/GettyImages

"Ob ganz unten - oder oben - scheißegal - wir sind da!", ist ein in Fanlied, das schon nach dem Abpfiff in Frankfurt und auch während des Leipzig-Spiels gesungen wurde. Trotz der bislang so ernüchternden Saison bekommen die Schalker nach den Partien noch Mut zugesprochen und mit jedem neuen Anpfiff bekommt die Mannschaft erneut den vollen Support zu spüren.

Das war bislang der Fall, weil dem Team anzusehen und anzumerken war, dass sie sich - trotz der deutlichen Qualitätsunterschiede und zahlreichen Niederlagen - reingeworfen haben. Das wird entsprechend honoriert.

Doch von diesem Aufbäumen war am Dienstagabend über 90 Prozent der Spielzeit nichts zu sehen. Die Folge: Die ersten Pfiffe zur Halbzeit und ein in der zweiten Halbzeit weitestgehend eingestellter Support der organisierten Fanszene.

Mit Auftritten wie gegen Leipzig wird S04 die Fans wieder verlieren. Über diese Konsequenz bräuchte sich nach derartigen Auftritten niemand wundern. Es wäre aber ein folgenschwerer Bruch.

4. Latza führt nicht an und ist kein Erstliga-Spieler

Danny Latza, Kingsley Coman
Danny Latza - Archivbild / BSR Agency/GettyImages

Viele Fans hatten mit einem Startelf-Einsatz von Dominick Drexler gerechnet. Entweder für Jordan Larsson oder für Danny Latza.

Dass ausgerechnet der Kapitän, der vorweggehen, anführen und mit guten Leistungen ein positives Beispiel sein sollte, in den Gedankenspielen stets als erster wieder aus der ersten Elf genommen werden würde, spricht Bände.

Und doch ist es die normale Konsequenz aus den Leistungen, die er zumeist abruft. Immer wieder wird klar, dass er das Niveau in der Bundesliga nicht (mehr) mitgehen kann. Nicht umsonst hat Reis bislang, insofern es andere Optionen gab, kaum auf ihn gesetzt.

Sobald Alex Kral wieder einsatzbereit und solange Tom Krauß nun nicht schwerer verletzt ist, wird Latza wieder auf der Bank landen. Leider, so muss man es schon fast sagen, wird dieser Schritt unausweichlich sein. Wenngleich er (am Dienstag) längst nicht der einzige Spieler ist, der im Hinblick auf die Erstliga-Tauglichkeit in den Fokus geraten muss.

5. Aydin mit erfrischendem Input

Bundesliga"Schalke 04 v FC Bayern Munchen"
Mehmet Aydin / ANP/GettyImages

Obwohl es erst sein achter Einsatz in dieser Saison war, wovon er nur einmal in der Startelf stand, konnte Mehmet Aydin insgesamt einen positiven Eindruck hinterlassen.

Seine Einwechslung, bislang eine Rarität unter Reis, war die völlig richtige Entscheidung. Jere Uronen hatte einen schlichtweg beschissenen Tag erwischt, sodass der 20-Jährige auf der für ihn ungewohnten linken Seite aushelfen musste.

Diese Aufgabe nahm er aber gut an. Er zeigte sich sehr engagiert und konnte in der Offensive auch mehrere Akzente setzen. So hat er nicht nur im Vergleich zu Uronen für frischen Wind gesorgt, sondern zugleich aufgezeigt, was bei Cedric Brunner über seine eigentlich standardmäßige rechte Seit zu oft noch fehlt.

Mit seinen 45 Minuten hat sich Aydin zweifelsohne für weitere Einsätze empfehlen können. Insbesondere angesichts der Leistung seiner Teamkollegen.


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