FC Schalke 04

"Warum?" - Schalke-Coach Grammozis reagiert auf Kritik an seiner Aufstellung

Yannik Möller
Dimitrios Grammozis sichtlich angekratzt nach dem Spiel
Dimitrios Grammozis sichtlich angekratzt nach dem Spiel / Christian Kaspar-Bartke/GettyImages
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Schalke hat sich mit der 0:1-Auswärtsniederlage bei 1860 München aus dem DFB-Pokal verabschiedet. Im Fokus stand die Aufstellung, bei der Dimitrios Grammozis trotz vorheriger Ansage auf ungewöhnlich riskanten Positionen rotierte. Nach dem Spiel reagierte er auf die Kritik daran empfindlich.


Mit Martin Fraisl, Thomas Ouwejan und Simon Terodde hatte Dimitrios Grammozis gleich drei wichtige Führungsspieler aus der Startelf genommen. Gleichzeitig blieb der am Wochenende sehr blasse Yaroslav Mikhailov von Beginn an auf dem Platz. Schalke 04 würde sich schon trotzdem gegen 1860 München durchsetzen, so anscheinend das Verständnis von Dimitrios Grammozis.

Überraschend war diese Rotation insbesondere aus zwei Gründen. Zum einen hatte er die Tage vor dem Spiel betont, man werde nicht nach München fahren "um irgendetwas auszuprobieren". Dass er, zum anderen, aber ausgerechnet die besagten Spieler auf der Bank ließ, könnte nicht besser als ein solches Experiment bezeichnet werden.

Blendi Idrizi, Marcin Kaminski
Hängende Köpfe nach dem Abpfiff / Christian Kaspar-Bartke/GettyImages

Dass Fährmann dieses eine Spiel bekommen musste schien unnötig. Dass Ouwejan unverzichtbar ist und vor allem nicht durch einen Offensiv- oder Rechtsaußen-Spieler wie Darko Churlinov ersetzt werden kann, sollte längst klar sein. Dass Terodde mal eine Pause und Marvin Pieringer eine Chance bekommt, war okay. Dann müssen jedoch auch genügend Torchancen herausgespielt werden. Ein Manko bei S04, auch über die letzten Wochen in denen so viele Punkte geholt wurden.

Grammozis reagiert dünnhäutig auf Aufstellungs-Kritik - danach folgen die Erklärungen

Nach dem Spiel wurde Grammozis selbstredend auf diese Aufstellung angesprochen. Ob er diese Niederlage damit auf seine Kappe nehme, wurde er unter anderem gefragt. Ein dünnhäutiges "Warum?" war die Antwort des Trainers (via WAZ).

Ohnehin schien der 43-Jährige etwas angefressen und empfindlich zu reagieren. Seine weitere Erklärung: "Ein Kader besteht nicht nur aus elf Spielern. Wenn man verliert, wird so etwas immer infrage gestellt. Hätten wir gewonnen, hätten alle gesagt, die Belastungssteuerung sei genau richtig gewesen."

Dimitrios Grammozis
Im Spiel konnte Dimitrios Grammozis nichts mehr ändern / Christian Kaspar-Bartke/GettyImages

Auf die einzelnen Anpassungen ging er wieder ruhiger ein. Ouwejan habe aufgrund von "muskulären Problemen im Oberschenkel" nicht von Anfang an gespielt. Kerim Calhanoglu, eine positionsgetreue Alternative, sei derzeit nicht gut genug für den Kader. Daher hätte er Timo Becker, Henning Matriciani und besagten Churlinov als Alternativen gesehen. Letzterer bekam mit der Auswechslung nach gerade einmal 22 Minuten die Höchststrafe verpasst.

Fährmann habe sich in den letzten Wochen vorbildlich verhalten und im Training viel Fleiß bewiesen. Was man auch als normales Verhalten eines Profifußballers verbuchen könnte, war für Grammozis Grund genug, mal wieder einen Torwarttausch vorzunehmen - gleichzeitig aber zu betonen, am Freitag gegen Heidenheim werde Fraisl wieder im Kasten stehen.

"Wir waren überzeugt von der Aufstellung. Ich habe das nicht gemacht, um etwas herzuschenken. Wir wollten weiterkommen", so der Coach. Weiter: "Das war kein Testspiel für uns. Ich habe nicht gesagt, dass wir nach München fahren und gucken, was passiert. Darum bin ich enttäuscht. Ich fahre nicht ins Hotel und sage: Scheiß drauf. Ich muss das schon sacken lassen."

Stefan Lex
Das Münchener Tor fiel bereits in der fünften Minute / Christian Kaspar-Bartke/GettyImages

Ausgeschieden ist Schalke trotzdem, und das verdient. Ob man die Erklärungen des Trainers nachvollziehbar findet oder nicht: schon alleine das Fehlen gewisser Spieler hat S04 den Zahn gezogen. Gegen einen formschwachen Drittligisten wurde deutlich sichtbar, dass das Trainerteam noch immer kein System etablieren konnte, auf das die Mannschaft zurückgreifen kann, wenn bestimmte Akteure nicht auf dem Platz stehen oder mal einen schlechten Tag erwischen.

Unabhängig von der rein personellen Aufstellung hat sich so mehr als deutlich gezeigt, dass Königsblau weiterhin nicht in der Lage ist, sich mehrere Großchancen herauszuspielen. Das war auch schon in den letzten Wochen der Fall, in denen die Ergebnisse viel kaschierten. Und das ist nochmal besorgniserregender, als die Personalentscheidungen von Grammozis am Dienstagabend.

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