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Schalke-Bosse mit Ansprache an die Spieler - enttäuscht von einzelnen Profis

Markus Schubert, Weston McKennie
DeFodi Images/Getty Images

Die Krise auf Schalke zieht weitere Kreise: Neben den mut- und ideenlosen Auftritten auf dem Platz wird das Umfeld nervös und immer lauter, viele Fans fordern die Entlassung von Trainer David Wagner. Die Vereinsverantwortlichen sollen nun zur Mannschaft gesprochen haben - von einzelnen Spielern sollen sie sehr enttäuscht sein.

Das Schlusslicht der Rückrunden-Tabelle heißt Schalke 04. Mit lediglich einem Sieg aus den letzten elf Spielen ist Königsblau in eine sehr tiefe Form- und Ergebniskrise geraten. Neben enorm schwachen Auftritten, ohne Kampfspirit und Torgefahr, fehlen die Punkte. So ist es alles andere als überraschend, dass laut über Trainer David Wagner spekuliert wird - im Fanlager ist er bereits mehr als angezählt, und das aus diversen Gründen.

Öffentliche Rückendeckung auf Schalke für den Trainer - Mannschaft und einzelne Spieler angezählt

Während Sportvorstand Jochen Schneider eine Jobgarantie für Wagner aussprach und erklärte, zusammen werde der "rote Faden zur neuen Saison wieder aufgenommen", werden die Spieler angezählt. Schon Wagner selbst erklärte vor der 1:2-Niederlage gegen Fortuna Düsseldorf am Mittwoch, dass zu viele individuelle Fehler gemacht werden, und somit keine Automatismen greifen oder Sicherheit entstehen könne. Das rief weitere Kritik hervor, da der Coach die Schuld abzuladen schien, während er seit Wochen und Monaten augenscheinlich keine Ideen und Verbesserungen einbringen kann.

Laut WAZ soll es am Donnerstag eine Ansprache in der Kabine gegeben haben, in denen die Vereinsbosse den Ernst der Lage deutlich machten. Schneider betonte zwar, dass er "die Spieler der Öffentlichkeit nicht zum Fraß vorwerfen" wolle, doch klar ist: Das Team ist angezählt, einzelne Spieler mehr, andere wiederum weniger.

Jochen Schneider
Jochen Schneider gab Trainer Wagner am Donnerstag eine Jobgarantie | TF-Images/Getty Images

So sollen die Vereinsverantwortlichen unter anderem von Weston McKennie enttäuscht sein. Die Aussage des jungen US-Amerikaners, an freien Tagen erst um 13 Uhr aufzustehen und lieber abends zu trainieren, habe die sportliche Leitung verärgert, so die WAZ. In Verbindung mit mehreren schlechten Auftritten mitsamt zahlreicher (teils grober) Fehler soll so Unzufriedenheit entstanden sein.

Eine weitere Aussage, die für ordentlich Interpretationsspielraum sorgt: "Wir müssen mehr Willen an den Tag legen, um das besser zu verteidigen." Gemeint waren vor allem die Standardsituationen, durch die S04 am Mittwochabend beide Gegentore kassierte. Somit ein indirekter Gruß an Matija Nastasic, der sich beim Ausgleichstreffer durch Rouwen Hennings viel zu leicht wegdrängen ließ. Geschoben wurde er zwar, aber nicht so, als dass der Treffer hätte aberkannt werden können. Nastasic sah Hennings kommen, stand zwar ungünstig in Richtung eigenem Tor, agierte aber trotzdem nahezu körperlos.

Wie auch der Bericht der WAZ anmerkt: Solche Fälle sind nicht selten, so mancher Spieler steht mehr in der Kritik. Fraglich ist es allerdings, wieso diese Akteure dann dennoch immer wieder in der Startelf stehen. Für Weston McKennie etwa gäbe es Alternativen, auch wenn sie (ebenso) jung und/oder nicht eingespielt sind: Jean-Clair Todibo könnte ins defensive Mittelfeld rücken, Salif Sané notfalls ebenso, oder man vertraut mal auf Nassim Boujellab oder Levent Mercan.

Führungsspieler können keine Sicherheit geben: Mascarell-Ausfall zur Unzeit

Ein weiterer wichtiger Punkt: Sobald Omar Mascarell ausfällt oder nicht spielt, mangelt es auf dem Platz an Führungsspielern, die durch gute und im besten Fall konstante Leistungen vorangehen. Spieler wie Guido Burgstaller oder Daniel Caligiuri, die intern ein gewisses Standing haben, können ebenfalls nicht überzeugen. So steht eine verunsicherte Truppe auf dem Platz, in einer - in dieser Saison - ungewohnten Situation, die gleichzeitig nach Führung ringt - und sie offenbar auch von der Seitenlinie nicht bekommen kann.

Omar Mascarell
Der Ausfall Omar Mascarells wiegt nicht nur sportlich schwer | DeFodi Images/Getty Images

"Flunkern gehört in diesem Job dazu", sagte Michael Reschke, als er beim VfB Stuttgart dem Ex-Trainer Tayfun Korkut am Samstag eine Jobgarantie aussprach und ihn am Sonntag entließ. Reschke ist nun zwar auf Schalke, hat diese Entscheidung aber nicht in seinen Händen - sie würde Schneider obliegen. Trotzdem sollte im schnelllebigen Fußballgeschäft nicht allzu viel Wert auf derartige Versprechen gelegt werden, das eben genannte Beispiel ist dabei nur eins von vielen. Dementsprechend muss sich Wagner schleunigst befreien: Der Sportvorstand kann nicht ewig hinter ihm stehen.