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FC Schalke 04

Raman blickt auf Schalke-Zeit zurück: "Hatte die Nase voll"

Simon Zimmermann
Benito Raman im Trikot von RSC Anderlecht
Benito Raman im Trikot von RSC Anderlecht / BSR Agency/Getty Images
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Einfach nur noch weg - wollte Benito Raman von Schalke 04 nach dem Abstieg in die 2. Liga. Der Belgier hat nun einen bitteren Blick zurück geworfen und geht dabei vor allem mit einem Trainer hart ins Gericht.


Benito Raman war einer der vielen Spieler, die in den letzten Jahren mit großen Hoffnungen zu Schalke 04 wechselten - und sie kaum bis gar nicht erfüllen konnte. Zehn Millionen Euro zahlte S04 an Fortuna Düsseldorf. 55 Einsätze für Königsblau später (zwölf Tore, vier Vorlagen) zog es Raman zurück in die belgische Heimat. Für drei Millionen Euro schnappte sich RSC Anderlecht die Dienste des 26-jährigen Angreifers.

Im Gespräch mit Het Nieuwsblad blickte Raman nun zurück auf seine turbulente Zeit in Gelsenkirchen. Vor allem das zweite Jahr verlief für den Belgier - ähnlich wie für den gesamten Klub - äußerst turbulent und unglücklich. "Wenn ich noch ein halbes Jahr auf Schalke geblieben wäre, hätte ich aufgehört, Fußball zu spielen. Ich hatte die Nase voll von dem, was dort passierte", so Raman.

Harte Kritik an Christian Gross

16 Punkte mit fünf verschiedenen Trainern holte S04 am Ende einer schier unfassbaren Abwärtsspirale, die im Abstieg mündete. Kritik von Raman gab es vor allem für den Schweizer Christian Gross, der vom damaligen Sportvorstand Jochen Schneider als letzter, verzweifelter Versuch als Feuerwehrmann verpflichtet wurde:

"Er kannte nicht einmal unsere Namen. Unter ihm ist nichts passiert. Keine Taktik, keine ruhigen Phasen. In einigen Partien nahmen die Spieler die Dinge selbst in die Hand. Dann setzten sich die erfahrenen Jungs zusammen und sagten: Der Trainer will, dass wir so spielen, aber wir werden es so machen. Damals lief es oft besser, aber das konnte uns nicht retten", meinte der 26-Jährige.

Christian Gross
Nach der Pleite in Stuttgart musste auch Christian Gross gehen / Alex Grimm/Getty Images

Dass das berühmt-berüchtigte Kind bei der Ankunft von Gross bereits so gut wie sicher in den Brunnen gefallen war, lag aber an den rekordverdächtig erfolglosen Monaten zuvor. Es habe dennoch "immer ein Gefühl der Sicherheit" gegeben, "dass Schalke nicht untergehen konnte", berichtete Raman. Die "Negativspirale" sei aber nicht mehr aufzuhalten gewesen.

Raman aus familiären Gründen zurück nach Belgien

Die Trennung in diesem Sommer war folgerichtig. Raman wollte nur noch weg, Schalke brauchte dringend Transfereinnahmen. Eigentlich, so Raman weiter, hätte er gerne in einer der Top-5-Ligen gespielt: "Der Plan war, einen Verein in England, Spanien oder Italien zu finden, aber das zog sich hin. Dann wollte meine Frau aus familiären Gründen nach Belgien ziehen."

Bei Anderlecht spielt er nun unter Trainer Vincent Kompany. Drei Scorer-Punkte hat Raman in seinen ersten sechs Spielen erzielt - ordentlich. Das nötige Selbstvertrauen bringt der Ex-Schalker auf jeden Fall weiter mit - zumindest seinen eigenen Worten über sich selbst nach zu urteilen:

"Anderlecht hat mich geholt, um die Intensität zu erhöhen, und meine physischen Werte sprechen für sich. Manchmal laufe ich unnötige Meter für mich selbst, aber dann profitieren meine Teamkollegen von dem Raum, den ich schaffe. Das ist mein Stil", erklärte er. Und weiter: "In der Bundesliga hat sich meine Ausdauer verbessert, ebenso mein Stellungsspiel, mein Abschluss und meine tiefen Läufe. Wenn ich das nach Belgien bringen will, muss ich die gleiche Arbeitsmoral beibehalten. Auf dem Spielfeld zeige ich immer noch viel Leidenschaft, aber abseits des Platzes bin ich ruhiger geworden. Ich bin nicht mehr derselbe, der ich 2017 war."

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