FC Schalke 04

Grammozis und das 4-3-3: Die Vor- und Nachteile für Schalkes "Plan B"

Yannik Möller
Dimitrios Grammozis scheint einen ernsthaften Plan B erarbeiten zu wollen
Dimitrios Grammozis scheint einen ernsthaften Plan B erarbeiten zu wollen / BSR Agency/Getty Images
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Das von Dimitrios Grammozis fest etablierte 3-5-2 bleibt auf Schalke im Fokus und die klare Präferenz des Trainers. Doch scheint er eine weitere, feste Option erarbeiten zu wollen. Somit könnte sein Team demnächst auch häufiger im 4-3-3 auflaufen. Die Vor- und Nachteile des Systems bei S04.


An der reinen Ausrichtung der Mannschaft von Schalke 04 hat sich seit dem Amtsantritt von Dimitrios Grammozis kaum etwas geändert. Er bevorzugt eindeutig die Dreierkette in der Abwehr, die beiden variablen Außenverteidiger sowie den Doppelsturm.

Diese Herangehensweise in Kombination mit der Interpretation der eigenen Spielweise hat unter den Fans so manchen Kritiker. Zu wenig Flexibilität und Gefahr in der Offensive, vor allem in Ballbesitz - das ist ein häufiger genannter Aspekt. Das hat sich auch in den bisherigen Spielen gezeigt, zumindest in weiten Phasen der Partien.

Dimitrios Grammozis
Dimitrios Grammozis möchte wohl eine weitere Taktik-Option haben / Selim Sudheimer/Getty Images

Nun berichtet die Bild, Grammozis wolle eine weitere Taktik-Option parat haben. Durch die neuen Verpflichtungen, u.a. Flügelspieler Darko Churlinov, soll er ein 4-3-3 als Möglichkeit etablieren wollen. Auch Sportdirektor Rouven Schröder betonte angesichts der Leihe des Offensivspielers, man werde durch ihn "noch schlechter auszurechnen". Dem muss der Trainer auch Taten folgen lassen.

Grammozis will das 4-3-3 als weitere Taktik-Option - die Vor- und Nachteile des Plans

Die Vorteile zu dieser Umstellung liegen auf der Hand. Zumindest in der Theorie würde Schalke offensiv flexibler werden. Mit den drei Mittelfeldspielern kann man dank Spielern wie Rodrigo Zalazar durch das Zentrum attackieren und die Halbräume besetzen. Dank der Flügelspieler, etwa Churlinov und Marius Bülter, hat man weitere Angriffsmöglichkeiten.

Dazu hat man ohnehin Außenverteidiger wie beispielsweise Thomas Ouwejan, die auch noch offensiv agieren können. Dadurch könnten auch die Flügelspieler noch leicht ins Zentrum einrücken. Gute Überzahlsituationen wären die Folge. Kombiniert mit einem ausgefeilten Pressing-Plan könnten auch viele hohe Ballgewinne zur Gefahr für den Gegner beitragen.

Außerdem wäre wohl davon auszugehen, dass der für die 2. Bundesliga qualitativ doch sehr hochwertige Kader die Überlegenheit in einer solchen Herangehensweise besser auf den Platz bringen kann. Ein eher abwartendes und früher oder später ausrechenbares Spiel, das sich zu einem gewissen Anteil auf die beiden Außenverteidiger fokussiert, hat bislang nicht unbedingt den dominanten Eindruck gemacht. Und den wollte Grammozis eigentlich etablieren, mit viel Ballbesitz.

Rodrigo Zalazar
Rodrigo Zalazar steht auf Schalke schon jetzt im Fokus / Frederic Scheidemann/Getty Images

Die Nachteile sind allerdings nicht zu unterschätzen. Eines ist klar: der Kader ist ganz klar und bis auf wenige Ausnahmen eindeutig für das primäre System, das 3-5-2, ausgelegt. Mit Malick Thiaw, Marcin Kaminski, Dries Wouters, Timo Becker, Ko Itakura und weiteren Optionen wie Florian Flick oder Salif Sané gibt es einige Innenverteidiger für die Dreierkette.

Flügelspieler hat man, bis auf Leih-Neuzugang Churlinov, eigentlich nur Bülter. Und der musste sich über die letzten Wochen auf seine Rolle im Doppelsturm neben Simon Terodde einstellen. Mit Ouwejan und Reinhold Ranftl gibt es zwei Außenverteidiger, die eigentlich ganz klar als Spieler auf der gesamten Außenbahn angedacht sind. Grundsätzlich sind sie kein klassischer Links- und Rechtsverteidiger.

Auch die gesamte Saisonvorbereitung stand im Zeichen des 3-5-2. Die Viererkette wurde nur sehr selten und höchstens als Alternative trainiert. Nie stand sie wirklich im Fokus. Auch wäre sie nur der Grundbaustein. Sehr fraglich, ob ein Ballbesitz- und Offensivspiel in einem 4-3-3 bereits in Ansätzen eintrainiert worden ist. Es wäre also eine große Umstellung inmitten der noch jungen Saison.


Eine Formation macht noch keine Taktik: Schalker Prinzipien müssen auf den Platz gebracht werden

An dieser Stelle gilt es zu betonen, dass dieses 4-3-3 nicht zum Hauptsystem des S04 werden soll - und auch nicht werden wird. Es ist gut vorstellbar, dass Grammozis nach dem Spiel gegen Aue häufiger auf die Viererabwehr setzen wird - der Auftritt sah in der ersten Halbzeit vielversprechend aus.

Doch wird die Dreierkette und alles, was damit zusammenhängt, weiterhin die meiste Aufmerksamkeit genießen. Ansonsten wäre nahezu die gesamte Saisonvorbereitung hinfällig. Ein solch frühes Umschwenken würde dann eher für Sorgen stehen, als für Einsicht.

Schalke 04
Gut möglich, dass Schalke in einem 4-3-3 erfolgreicher agieren könnte / Lars Baron/Getty Images

Angesichts dieser Thematik ist auch Zeit, einen wichtigen Grundsatz zu betonen. Die taktische Aufstellung in einer Formation an sich hat noch keine Aussagekraft über die Interpretation der Spielweise. Nicht jedes Team mit einer Dreierkette spielt eher defensiv. Nicht jedes Team mit drei Angreifern läuft den Gegner schon im Sechzehner an und spielt sich jede fünf Minuten eine Großchance heraus.

Es kommt darauf an, welche Spielprinzipien man sich vornimmt und wie man diese umsetzt. Diese hat Grammozis vor der Saison benannt. Er nannte Stichworte wie "dominant spielen", "gerne selbst den Ball haben" und "viele Torchanchen" und ein aggressives Gegenpressing. Man darf jedoch gut und gerne davon ausgehen, dass diese in einem offensiv ausgerichteten 4-3-3 besser und erfolgreicher umzusetzen wären.

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