DFB-Team

Road to EM 2020: So sollte der deutsche Kader aussehen

Simon Zimmermann
90min-Meinung: So sollte Löws 23-Mann-Aufgebot aussehen
90min-Meinung: So sollte Löws 23-Mann-Aufgebot aussehen
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Der EM-Countdown läuft, das DFB-Team ist 2021 zum ersten Mal zusammengekommen. In der WM-Qualifikation geht es gegen Island, Rumänen und Nordmazedonien. Das Turnier im Sommer rückt damit näher und näher. Für welche 23 Spieler entscheidet sich Bundestrainer Joachim Löw bei seiner letzten Mission seiner 15-jährigen Ära? Wir wagen einen Ausblick:

Die 90min-Redaktion hat ihren Wunsch-Kader für die EM zusammengestellt. Wir diskutieren dabei, welche Konstellationen den größten Erfolg versprechen, welche Wackelkandidaten es gibt und wen Löw besser zuhause lassen sollte.


1. Tor

Kapitän und klare Nummer eins: Manuel Neuer
Kapitän und klare Nummer eins: Manuel Neuer / Alexander Hassenstein/Getty Images
  • Manuel Neuer (FC Bayern)
  • Marc-André ter Stegen (FC Barcelona)
  • Kevin Trapp (Eintracht Frankfurt)

Auf Abruf:

  • Bernd Leno (Arsenal)

Erklärung:

Im deutschen Kasten brauchen wir uns am wenigsten Sorgen machen. Mit Kapitän Manuel Neuer haben wir den besten Keeper der Welt in den eigenen Reihen. Dahinter folgt Marc-André ter Stegen auf Weltklasse-Niveau. Als Nummer drei entscheiden wir uns für den zuverlässigen Kevin Trapp.

Diskussionspunkte:

Die Diskussionen um Neuer oder ter Stegen als Nummer eins sind abgeklungen. Das liegt am DFB-Kapitän, der mit dem FC Bayern alle Titel abgeräumt hat und wieder gänzlich zur alten Stärke zurückfand. Vielleicht erleben wir aktuell sogar den besten Manuel Neuer aller Zeiten. Für ter Stegen bedeutet das: weiter in Geduld üben. Macht er das und nimmt seine Nummer-zwei-Rolle klaglos hin, haben wir das beste Torwart-Duo der Welt.

Sportlich ist die Frage nach der Nummer drei nicht sonderlich bedeutend. Es geht viel eher darum, welcher Kandidat das Team am besten unterstützen kann - ohne Aussicht auf Einsätze. So wie 2014 Roman Weidenfeller scheint hier Kevin Trapp die beste Wahl zu sein. Im SGE-Kasten zeigt er konstant gute Leistungen, im DFB-Team zeigte er sich immer auf der Höhe. Auch wenn Bernd Leno ein starker Keeper ist - für das Binnenklima im deutschen Team scheint Trapp der bessere Mann zu sein.


2. Abwehr

Mats Hummels könnte als Abwehrchef für die EM zurückkehren
Mats Hummels könnte als Abwehrchef für die EM zurückkehren / Quality Sport Images/Getty Images
  • Mats Hummels (BVB)
  • Antonio Rüdiger (Chelsea)
  • Matthias Ginter (Gladbach)
  • Niklas Süle (FC Bayern)
  • Lukas Klostermann (RB Leipzig)
  • Marcel Halstenberg (RB Leipzig)
  • Robin Gosens (Atalanta)
  • Ridle Baku (VfL Wolfsburg)

Auf Abruf:

  • Emre Can (BVB)
  • Jerome Boateng (FC Bayern)
  • Robin Koch (Leeds United)
  • Philipp Max (PSV)

Erklärung:

Die Abwehr scheint aktuell die größte Baustelle im deutschen Team zu sein. Sowohl in der Innenverteidigung als auch auf den Außenpositionen. Egal, ob Löw auf eine Dreier- oder Viererkette vertraut, mit den von uns nominierten acht Akteuren scheint man zumindest solide aufgestellt zu sein.

Heißt auch: Mats Hummels muss mit zur EM! Mit ihm hätte das wacklige Konstrukt einen zweikampfstarken und kommunikativen Anführer im Zentrum. Seine Schnelligkeits-Defizite müssen von seinen Nebenleuten aufgefangen werden. Will Löw - wie angekündigt - mehr auf Konterfußball setzen, fallen diese ohnehin nicht so stark ins Gewicht. Nach aktuellem Stand wäre wohl Antonio Rüdiger in einer Viererkette die beste Wahl als Hummels' Nebenmann. Unter Thomas Tuchel blüht Rüdiger bei Chelsea wieder auf. Gute Chancen dürfte aber auch Niklas Süle haben. Sein Vorteil: Beim FC Bayern spielte er häufig zusammen mit Hummels - die Abstimmung wäre bereits vorhanden.

Auf den Außenbahnen kann man sich zumindest auf die soliden Leipziger Klostermann und Halstenberg verlassen. Ersterer punktet zudem mit seiner Schnelligkeit. Hinten links ist auch Gosens eine gute Option, insbesondere bei einem System mit Dreierkette. Durch seine Leistungen beim VfL Wolfsburg muss auch Ridle Baku mit. Aktuell bei der U21 gehört dem 22-Jährigen die Zukunft auf dieser Position. Weitere hochkarätige Alternativen sucht man in Deutschland vergeblich.

Diskussionspunkte:

Bis Löw seinen endgültigen Kader bekannt geben wird, bleiben die Namen Hummels und Boateng auf der Agenda. Für uns bleibt Hummels eine zwingende Option, aus den oben genannten Gründen. In der derzeitigen Form könnte auch Boateng helfen, würde aber kein echtes Upgrade zu Rüdiger und auch Ginter darstellen. Deshalb bleibt Boateng für uns draußen.

Ein Sonderfall ist Emre Can! Im Nationalteam hat er wohl nur Chancen als Abwehrspieler mit zur EM zu fahren. Im Mittelfeld - Cans Parade-Position - ist die Konkurrenz einfach zu groß. Sollte Löw Hummels aber tatsächlich mitnehmen, könnte es für den Dortmunder eng werden. Verzichtet Löw allerdings auf Baku, ist Can dabei.

Hinten links könnte man auch über Philipp Max nachdenken, während Nico Schulz trotz seines leichten Aufschwungs beim BVB keine Option sein sollte. Max wäre ähnlich offensivstark wie Gosens, defensiv aber noch anfälliger. Dynamik, Robustheit und Erfahrung auf Champions-League-Niveau sprechen eindeutig für den Atalanta-Profi.

Ein wichtiger Diskussionspunkt bleibt auch die Rolle von Joshua Kimmich. Während im zentralen Mittelfeld Hochkaräter in Hülle und Fülle vorhanden sind, liegt die rechte Abwehrseite im Vergleich brach. Muss Kimmich also doch wieder aushelfen? Joachim Löw kündigte vor der WM-Quali an, dies in Betracht zu ziehen.


3. Mittelfeld

Bekommt Joshua Kimmich auch im DFB-Team die Bayern-Rolle im Mittelfeld?
Bekommt Joshua Kimmich auch im DFB-Team die Bayern-Rolle im Mittelfeld? / Alexander Hassenstein/Getty Images
  • Toni Kroos (Real Madrid)
  • Joshua Kimmich (FC Bayern)
  • Leon Goretzka (FC Bayern)
  • Ilkay Gündogan (Manchester City)
  • Florian Neuhaus (Gladbach)
  • Kai Havertz (Chelsea)
  • Florian Wirtz (Bayer Leverkusen)

Auf Abruf:

  • Jamal Musiala (FC Bayern)
  • Julian Draxler (PSG)
  • Julian Brandt (BVB)
  • Amin Younes (Eintracht Frankfurt)
  • Mo Dahoud (BVB)

Erklärung:

Bis zu Kai Havertz sind die nominierten Spieler so selbsterklärend wie sicher dabei. Einzig bei Florian Neuhaus könnte man ein kleines Fragezeichen setzen. Mit seiner Dynamik und der mutigen Spielweise ist er aber mit Sicherheit eine Top-Alternative für die Etablierten. Zumal es Neuhaus zuzutrauen ist, sein Loch mit Gladbach für die EM abzuschütteln. Sollte Löw allerdings doch nicht auf den 24-Jährigen vertrauen wollen, weil er denkt, seine Qualitäten sind im Aufgebot schon ausreichend vorhanden, könnte Allrounder Emre Can doch noch auf den EM-Zug aufspringen. Davon ausgehen sollte man aber nicht.

Bei Florian Wirtz muss man dagegen ein dickes Fragezeichen setzen. Aktuell darf er unter Löws Augen Eigenwerbung betreiben, in Zukunft dürfte das Bayer-Juwel ein wichtiger Akteur im DFB-Team werden. Bei der EM wäre er als Lehrling dabei. Dank seines schier unerschöpflichen Talents darf man ihm auch durchaus zutrauen, wichtige Akzente setzen zu können.

Diskussionspunkte:

Eine Nominierung von Wirtz bleibt der größte Diskussionspunkt im Mittelfeld. Nimmt Löw den dann 18-Jährigen mit, müssten etablierte Namen wie Draxler oder Brandt daheim bleiben. Aber mal ehrlich: auf dieses Duo kann man in aktueller Form getrost verzichten!

Spannender ist da schon die Frage ob es nicht lieber Musiala oder Younes sein soll. Während der FCB-Youngster offensiv alle Positionen ausfüllen kann und in dieser Saison beweist, wie stark er auch als Joker hilft, befindet sich Younes in Frankfurt nach mageren Jahren in Neapel wieder in Top-Verfassung. Wirtz, Musiala, Younes - alle drei mögliche Unterschiedsspieler, die Löw gut als Joker ins Team werfen könnte. Ausgang offen!


4. Sturm

Probleme im Sturmzentrum: Kann Timo Werner die Lösung sein?
Probleme im Sturmzentrum: Kann Timo Werner die Lösung sein? / Visionhaus/Getty Images
  • Timo Werner (Chelsea)
  • Serge Gnabry (FC Bayern)
  • Leroy Sané (FC Bayern)
  • Thomas Müller (FC Bayern)
  • Max Kruse (Union Berlin)

Auf Abruf:

  • Marco Reus (BVB)
  • Luca Waldschmidt (Benfica)

Erklärung:

Einen echten Mittelstürmer sucht man im DFB-Team vergeblich. Und backen kann sich Löw einen Neuner von internationalem Format nicht. Deshalb sollte er von etwaigen Versuchen wie bei Wagner oder Petersen absehen. Pläne in diese Richtung hatte Löw ohnehin vor den letzten Turnieren stets verworfen.

Konter- und Umschaltspiel heißt das Zauberwort, mit dem die deutsche Elf erfolgreich sein kann. Mit dem Trio Werner, Gnabry, Sané sind wir hier sehr gut aufgestellt. Das Trio könnte sich die Rollen aufteilen - immer wieder muss einer der drei die Neunerposition einnehmen. Der 3:2-Sieg gegen die Niederlande im März 2019 dient als Blaupause.

Aber: Löw sollte natürlich Thomas Müller nicht vergessen! "Radio Müller" befindet sich im zweiten (oder dritten) Frühling. Ist der Anführer der aktuell erfolgreichsten Mannschaft der Welt. Beim FCB ist er Freigeist hinter dem besten Mittelstürmer der Welt. Einen solchen hat er im DFB-Team nicht vor sich. Deshalb könnte Müller eine etwas andere Rolle einnehmen: Die des verkappten Mittelstürmers. Klar, nicht ideal - aber für die EM vielleicht sogar die beste Lösung.

Mit Max Kruse würden wir einen weiteren Freigeist mitnehmen, der sowohl in diese "Müller-Rolle" schlüpfen könnte, als auch als Joker mit seiner Kreativität Impulse liefern könnte.

Diskussionspunkte:

Luca Waldschmidt hat (noch) nicht das Niveau, um der Mannschaft wirklich helfen zu können - so ehrlich muss man sein. Youssoufa Moukoko ist DAS Versprechen für die Zukunft, wird im Sommer aber noch nicht so weit sein für eine EM-Nominierung. Weitere Stürmer, die Löw helfen könnten, sind nicht in Sicht.

Eine derbe Enttäuschung wäre die Nicht-Nominierung für Marco Reus. Der BVB-Kapitän lässt zwar immer wieder seine Qualitäten durchblitzen, ist aber längst nicht mehr so dominant wie zu früheren Tagen. Der 31-Jährige zahlt den ständigen Verletzungen Tribut. Seine Karriere für den DFB steht ohnehin unter einem äußerst unglücklichen Stern. Im Vergleich zu Kruse ist er zwar nicht der schlechtere Spieler - Kruse könnte mit seiner Spielweise aber andere Impulse setzen. Und nur so am Rande: mit Kruse hätte man wohl den besten deutschen Elfmeterschützen im Kader!

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