Frauen-Champions-League

Real Sociedad - Bayerns UWCL-Gegner im Check: Mit Ballbesitz und Dynamik zum Erfolg

Helene Altgelt
Große Freude: letzte Saison erreichte Real Sociedad den zweiten Platz in der spanischen Liga
Große Freude: letzte Saison erreichte Real Sociedad den zweiten Platz in der spanischen Liga / Gari Garaialde/GettyImages
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In der Qualifikation für die UWCL-Gruppenphase trifft der FC Bayern auf den Vorjahreszweiten der spanischen Liga, Real Sociedad (19 Uhr, auf Bayern TV / Magenta Sport). La Real konnte sich mit einem talentierten Kader und einem klaren Spielplan vor Real Madrid den Vizemeister-Titel sichern. Wie spielt Bayerns Gegner und auf welche Spielerinnen sollte man besonders achten? Real Sociedad im Check.


Die Geschichte

Die Frauenabteilung der Basken spielt seit 2006 in der ersten spanischen Liga. Lange waren die Txuri-urdin (die Weiß-Blauen) eher im Mittelfeld der Tabelle zu finden, doch in den 2010erJahren arbeitete sich der Club kontinuierlich nach oben. 2019 erreichten sie mit dem Gewinn des Pokals, der Copa de la Reina, einen vorläufigen Höhepunkt.

Auch danach schaffte es Real Sociedad, trotz geringerer finanzieller Mittel als die Konkurrenz aus Madrid, vorne mitzuspielen und die Garantinnen für den Erfolg zu halten. 2020 wurde die jetzige Trainerin, Natalia Arroyo, verpflichtet. Mit ihr erreichte La Real mit dem zweiten Platz letzte Saison die bisher beste Platzierung. Nun will der Verein in der Champions League den nächsten Schritt machen. Dabei zählen sie auf eine gute Kulisse, das Spiel in San Sebastian wird im Stadion der Männer, der Reale-Arena, ausgetragen.

Auf diese Spielerinnen gilt es zu achten

Die herausragende 2021/22 Saison machte große Vereine auf Real Sociedad aufmerksam und einige Spielerinnen wurden von anderen Klubs umworben. Daher muss Trainerin Arroyo diese Saison ohne die mit viel Offensivdrang ausgestattete Linksverteidigerin Nuria Rabano auskommen, die zum FC Barcelona gewechselt ist.

Nerea Eizaguirre
Das Herzstück des Teams: die junge Mittelfeldspielerin Nerea Eizagirre / Quality Sport Images/GettyImages

Die wohl wichtigste Spielerin konnte aber gehalten werden: Offensivspielerin Nerea Eizagirre, mit 22 Jahren bereits die Kapitänin von Real Sociedad, ist das Herzstück des Teams. Die Nummer 10 hat einen starken Antritt, ist dribbelstark und kann den Ball behauten. Dazu kommen ein exzellentes Spielverständnis und eine sehr gute Technik, mit der sie für viele Hereingaben sorgt. Eizagirre kann im offensiven Mittelfeld oder auf dem Flügel spielen und hat bei beiden Positionen eine Hauptrolle als Strippenzieherin und Wirbelwind im Angriff inne. Ob Bayern das Spiel gegen Real Sociedad kontrollieren kann, hängt wesentlich davon ab, ob sie die nur 1,65 Meter große Eizagirre in den Griff bekommen - trotz ihrer Körpergröße kann sie sich auch in Zweikämpfen gut durchsetzen.

In der Offensive spielt sie meist mit Amaiur Sarriegi zusammen, die nochmal ein Jahr jünger ist. Sarriegi ist meist auf dem rechten Flügel oder in der Sturmspitze zu finden und kann mit ihrer Schnelligkeit und der Fähigkeit, den Ball mitzunehmen, besonders bei Kontern gefährlich werden. Dazu kommt ein sehr starker Abschluss, auch weil sie den Ball sehr schnell und gut annehmen kann. Mit diesen Fähigkeiten brachte die junge Stürmerin es letzte Saison auf 17 Tore und zehn Vorlagen und wird auch Kumagai und co. höchste Wachsamkeit abverlangen.

Mit Michaela Specht könnte auch ein für Bundesliga-Fans bekanntes Gesicht in der Startelf spielen: Die Abwehrspielerin wechselte im Sommer von der TSG Hoffenheim nach Spanien, im ersten Ligaspiel gegen Villareal, einem 2:0-Sieg, stand sie bereits 90 Minuten auf dem Platz. Ein weiterer sehr interessanter Transfer diesen Sommer ist Andreia Jacinto, eine portugiesische Mittelfeldspielerin mit sehr guter Übersicht, die zur Taktgeberin von La Real werden könnte. Die norwegische Stürmerin Synne Jensen dagegen wechselte schon letzten Winter, scheint jetzt aber richtig im Baskenland angekommen zu sein und erzielte in der Vorbereitung einige Tore.

Die Trainerin: Eine Katalanin im Baskenland

Natalia Arroyo
Trainerin Natalia Arroyo / Angel Martinez/GettyImages

Natalia Arroyo war selbst eine begnadete Fußballspielerin, die in der Jugend für den FC Barcelona spielte. Mehrere Verletzungen zwangen sie aber dazu, schon mit 22 Jahren die Fußballschuhe an den Nagel zu hängen. Daraufhin war Arroyo zunächst mehrere Jahre als Journalistin tätig und trainierte gleichzeitig die katalanische Fußball-Auswahl. Vor zwei Jahren gab ihr Real Sociedad dann die Chance als Trainerin - aufgrund ihrer wenigen Erfahrung eine mutige Entscheidung, aber sie hat sich ausgezahlt.

Arroyo sagte vor dem Spiel, sie erwarte ein Zusammentreffen zweier ähnlicher Teams, blickt aber zuversichtlich auf das Spiel: "Sie (Bayern, Anm.d.Red.) sind ein sehr vollständiger Gegner. Sie achten auf Ballbesitz, haben Alternativen und Dynamik. Ich sehe mein Team mit ähnlichen Ideen vertreten. Wir sind stark."

Mit Reals unbequemer Spielweise will sie auch Bayern das Leben schwer machen: "Wir haben Stärken, die dem Gegner Unbehagen bereiten. Wir werden unsere Optionen haben und ich habe Vertrauen in dieses Team. Wir möchten, dass die Menschen, die in die Reale Arena kommen, mit uns glauben."

Die Spielweise

Wie Arroyo sagt, hat Real Sociedad gerne den Ball und möchte das Spiel machen. Wenn der Gegner ihnen Zeit und Platz lässt, können die Weiß-Blauen ein schnelles und auch effektives Passspiel aufziehen. Mithilfe von Seitenverlagerungen und Einzelaktionen wie Dribblings versucht das Team, die gegnerischen Spielerinnen aus ihrer Position zu ziehen und Räume zu schaffen. Eizaguirre kommt dabei eine Schlüsselrolle zu.

Wenn sie es mit einem Gegner zu tun haben, der ein hohes Pressing spielt, wird dieser Spielaufbau schwieriger. In dem Fall greift Arroyos Team mehr auf lange Bälle und Konter zurück, aber verschanzt sich trotzdem nicht, sondern versucht, weiter hoch zu stehen. Gegen Bayern wird es interessant werden zu sehen, ob das Team versuchen wird, das Spiel zu machen, oder eher auf Gegenangriffe lauern wird. Bayern könnte dabei ausnutzen, dass Real Sociedad wegen der offensiven Ausrichtung bei Kontern teilweise nicht gut organisiert ist und viel Platz entstehen kann.

Eine ausführliche Analyse zu Real Sociedads Spielstil von dem Analysten Marc Lamberts findet ihr hier (auf Englisch).


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