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"Die Enttäuschung ist groß" - Reaktionen und Pressestimmen zur Blamage gegen Nordmazedonien

Yannik Möller
Enttäuschte Gesichter nach einem Rückschlag für die Nationalelf
Enttäuschte Gesichter nach einem Rückschlag für die Nationalelf / Pool/Getty Images
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Die 1:2-Niederlage der Nationalmannschaft gegen Nordmazedonien vom Mittwochabend fühlt sich nicht nur wie ein Ausrutscher, sondern wie ein Rückschlag an. Joachim Löw zeigte sich enttäuscht, sah die fehlende Frische als eine Erklärung. In der Presse kommt die Elf gar nicht gut weg.


Es war das letzte Qualifikations-Spiel von Joachim Löw mit der Nationalmannschaft. Viele wünschten sich für diesen besonderen Anlass ein gutes und souveränes Spiel mitsamt Sieg - am Ende wurde es eine Blamage, es folgte eine 1:2-Niederlage gegen Nordmazedonien. Ein sehr enttäuschendes Ergebnis, aber kein allzu überraschendes am Spielverlauf gemessen. Immerhin hatten die Gäste sogar einen Torschuss mehr (zwei zu drei).

Löw zeigte sich nach dem Spiel selbstverständlich enttäuscht, schien aber schon einen Erklärungsansatz zu haben. "Zunächst ist die Enttäuschung groß. Es ist schwierig, so schnell eine Analyse zu machen. Wir haben in vielen Aktionen müde gewirkt, wir hatten nicht die frische", erklärte er am RTL-Mikro.

Joachim Loew
Joachim Löw versuchte noch während des Spiels Einfluss zu nehmen / Boris Streubel/Getty Images

Der Bundestrainer weiter: "Wir haben Fehler gemacht, wir waren auch langsam im Spiel nach vorne, hatten zu viele Ballkontakte. Wenn wir mal schnell gespielt haben, konnten wir gefährlich werden." So etwa durch Leroy Sané, wodurch schlussendlich der Elfmeter zum zwischenzeitlichen 1:1 folgte.

"Der Gegner stand tief, wir haben keine Mittel gefunden, den Gegner so richtig vor Probleme zu stellen. [...] Insgesamt war es enttäuschend", fuhr er fort. Beim ersten Gegentreffer zeigte er sich mit den Absprachen unzufrieden: "Eigentlich sind wir in Gleichzahl, aber beide Spieler [Leon Goretzka und Robin Gosens] behindern sich und in der Mitte gibt es keine Zuordnung." Auch das zweite Gegentor sieht er vom Ablauf her kritisch: "Der Spieler links wird völlig laufen gelassen in den Sechzehner. Da sind wir auch nicht dran."

Timo Werner hatte zuvor noch eine riesige Großchance, bei der er wenige Meter vor dem Tor frei zum Abschluss kam - den Ball aber nicht richtig traf. "Den muss Timo normalerweise machen, keine Frage. Wenn er den sauber trifft, ist das ein Tor", so Löw.

Am Ende bleibt ein sehr gemischtes Fazit des Trainers zur bisherigen WM-Qualifikation: "In den ersten beiden Spielen haben wir gute Ansätze gesehen. Das war eine gute Basis. Dass wir das heute so aus der Hand gegeben haben, haben wir uns selbst eingebrockt. Die Enttäuschung ist erstmal groß, wenn man zuhause so verliert."

Ilkay Gündogan, der erstmals in einem DFB-Pflichtspiel als Kapitän auflief, wollte dieses Spiel noch nicht richtig kategorisieren: "Ob das ein Rückschlag ist, weiß ich nicht, das wird die Zukunft zeigen. Fakt ist: So eine Niederlage darf nicht passieren." Gefühlt, so der 30-Jährige weiter, sei Nordmazedonien "zwei Mal vor unserem Tor" gewesen, woraus direkt zwei Gegentore fielen. Das sei zu leicht.

Ilkay Guendogan, Leroy Sane, Serge Gnabry
Ilkay Gündogan versuchte als Kapitän vorwegzugehen / Boris Streubel/Getty Images

Ob die Umstellungen, insbesondere taktisch, als ein Erklärungsansatz gelten könnten, wusste Gündogan noch nicht. "Wir sahen bei beiden Gegentoren nicht gut aus. Das darf nicht passieren. Viele Worte fallen mir gerade nicht ein", gab er ehrlich zu.

Serge Gnabry wusste zu betonen, dass es der Gegner nicht unbedingt schlecht gespielt hatte: "Erstmal ein Kompliment an Nordmazedonien, sie haben es uns sehr schwer gemacht." Gnabry weiter zum Spielverlauf: "Wir hatten dann eine Riesenchance, haben die nicht gemacht und kriegen dann noch ein Gegentor. Insgesamt haben wir die Dinger vorne nicht gemacht und uns nicht noch mehr Chancen herausgespielt. Dann hat es am Ende nicht gereicht heute."

Eine ganz andere Stimmung herrschte, wenig überraschend, bei den Spielern des Gegners vor - die sich nach dem Spiel noch von wenigen Fans vor dem Stadion feiern ließen. Egzijan Alioski zeigte sich sehr erfreut: "Das größte Gefühl war schon die Qualifikation für die Europameisterschaft. Klar, wir haben Deutschland geschlagen. Niemand hat daran geglaubt, aber wir haben gesagt, wir wollen es ihnen so schwer wie möglich machen und ein positives Resultat holen."

"Wenn man so ein großes Land im Fußball schlägt, ist das unglaublich für uns. Wir spielen auch das erste Mal gegen Deutschland. Was sie für Spieler in der Mannschaft haben und was sie alles gewonnen haben, dann kommen wir und können sogar 2:1 gewinnen", erzählte er noch immer etwas ungläubig weiter.


Die Pressestimmen zur Deutschland-Niederlage

Bild: "Wie peinlich! Unfassbare Niederlage gegen Nord-Mazedonien" - "Mit einem erbärmlichen Auftritt blamiert sich die deutsche Nationalmannschaft bis auf die Knochen und verliert in Duisburg mit 1:2 gegen Nord-Mazedonien. Ja, Nord-Mazedonien."

Kicker: "Böse Überraschung: Deutschland rutscht gegen Nord-Mazedonien aus" - "Aufbruch abgebrochen"

Sport1: "Deutschland blamiert sich bis auf die Knochen!" - "So hat Deutschland nicht den Hauch einer Chance"

Sky: "WM Quali: DFB-Team kassiert peinliche Pleite" - "Joachim Löw zeterte und schimpfte. Eine weitere blamable Pleite hat die zarte Aufbruchstimmung in der deutschen Nationalmannschaft im Keim erstickt."

BBC (England): "Nord-Mazedonien verblüfft Vierfach-Weltmeister Deutschland durch das späte Tor von Eljif Elmas, das den überraschenden Sieg sichert."

The Guardian (England): "Nord-Mazedonien fügt Deutschland eine historische WM-Qualifikations-Niederlage zu" - "Deutschland erleidet die erste Heim-Niederlage in der WM-Qualifikation seit 2001"

Marca (Spanien): "Überraschung! Deutschland verliert zuhause gegen Mazedonien"

Algemeen Dagblad / AD (Niederlande): "Deutschland blamiert sich und erleidet historische Niederlage gegen den EM-Gegner der Oranje"

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