Champions League

Pressestimmen und Reaktionen zu Leipzig vs. Liverpool: "Waren keine zwei Tore schlechter"

Janne Negelen
Das umkämpfte Duell wurde letztlich durch zwei Fehler entschieden
Das umkämpfte Duell wurde letztlich durch zwei Fehler entschieden / Laszlo Szirtesi/Getty Images
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RB Leipzig belohnte sich nicht für eine couragierte Leistung und unterlag dem FC Liverpool im Achtelfinale der Champions League mit 0:2. Am Ende stellte sich der Bundesligist selbst ein Bein. Die Reds waren dagegen hellwach und haben beste Chancen auf das Viertelfinale.

Unter dem Strich war für Leipzig deutlich mehr drin. Die fehlende Kaltschnäuzigkeit und defensive Patzer ließen die Roten Bullen am Ende mit 0:2 abblitzen. Trainer Julian Nagelsmann sah seine Mannschaft lange auf Augenhöhe. "In der ersten Halbzeit war es relativ ausgeglichen. Wir waren im Ballbesitz nicht ganz so mutig, wie wir es dann im zweiten Durchgang gemacht haben. Da haben wir eigentlich ein super Spiel gemacht haben", so der 33-Jährige nach dem Spiel bei DAZN.

Durch individuelle Patzer von Marcel Sabitzer und Nordi Mukiele musste sich Leipzig am Ende geschlagen geben. Für Nagelsmann war dies aber nicht der alleinige Knackpunkt: "Natürlich haben wir dann zwei krasse Fehler gemacht, die auf dem Niveau, aber auch auf anderem Niveau bestraft werden. Ich finde schlimmer, dass wir die Chancen nicht verwerten. Wir hatten vier oder fünf hundertprozentige, schießen aber immer vorbei. Das müssen wir uns mehr ankreiden lassen als mal ein Fehler. Insgesamt war es eigentlich ein gutes Spiel von uns. Ich finde nicht, dass wir zwei Tore schlechter waren als Liverpool, eigentlich waren wir gar kein Tor schlechter."

Sabitzer: "Haben noch Chancen aufs Weiterkommen"

Im Ausblick auf das Rückspiel ist Nagelsmann vorsichtig optimistisch: "Wir müssen erstmal zwei Tore aufholen, um in die Verlängerung zu kommen. Es geht bei 0:0 los. Wir haben heute gesehen, dass wir mithalten können und die eine oder andere Chance mehr herausspielen können. Das werden wir mitnehmen. Wir versuchen alles. Wir haben uns heute schon Respekt erarbeitet und werden im Rückspiel alles probieren."

Ein Fehlpass von Sabitzer leitete die Niederlage ein
Ein Fehlpass von Sabitzer leitete die Niederlage ein / Laszlo Szirtesi/Getty Images

Marcel Sabitzer war einer der Unglücksraben des Abends. Sein Fauxpas wird ihn noch länger beschäftigen. "Mir geht es wirklich nicht gut dabei. Aber es passiert in dem Sport, Fehler gehören dazu. Die Enttäuschung ist schon groß, weil wir über weite Strecken ein ganz gutes Spiel gemacht haben. Aber wenn du mit zwei individuellen Fehlern in die zweite Hälfte startest, ist das natürlich sehr ärgerlich. Ich denke trotzdem, dass wir noch Chancen aufs Weiterkommen haben."

Mittelfeldmotor Kevin Kampl wollte sich ebenfalls noch nicht geschlagen geben: "Wir hatten genug Chancen, um hier ein, zwei, drei Tore machen zu können. Wir haben es leider nicht geschafft. Ich hoffe, das schaffen wir dann im Rückspiel."

Klopp gönnt den Leuten keinen Ausrutscher

Liverpools Jürgen Klopp war nach dem Erfolg natürlich erleichtert. Die letzten Wochen mit drei Niederlagen in der Premier League in Folge waren für die Reds enorm schwer. "Es hat keiner erwartet, dass wir so viel besser sind. Die meisten haben wahrscheinlich gedacht, wir wären schlechter. Und wir waren es nicht. Mir hat das Spiel sehr gut gefallen, weil es taktisch anspruchsvoll war. Leipzig fordert dir alles ab, da müssen alle mit verteidigen. Aber du musst das machen."

Einige Experten oder Fans hätten seiner Meinung nach vermutet, dass sich die schlechte Form weiter ausweitet. "Zwei Jahre waren wir richtig gut und in diesem Jahr haben wir Probleme, das ist in Ordnung. Viele Leute haben erwartet, dass wir wieder ausrutschen, aber das haben die Jungs nicht gemacht."

Klopp war mit dem Spiel seiner Mannschaft zufrieden
Klopp war mit dem Spiel seiner Mannschaft zufrieden / Laszlo Szirtesi/Getty Images

Um ins Viertelfinale einzuziehen, bräuchte es aber eine ähnlich gute Leistung im Rückspiel: "Mir haben viele Sachen gut gefallen. Wir wissen, dass das Ding nicht durch ist. Ich bin doch nicht doof. Das war das erste Spiel, mehr als gewinnen konnten wir nicht. Jetzt haben wir drei Wochen, bis wir uns wiedersehen. Bis dahin kann die Welt ganz anders aussehen. Da müssen wir gucken, wenn wir dann auf den Platz bringen können. Aber für das Spiel heute Abend war es gut genug."

Abwehrspieler und Neuzugang Ozan Kabak, der zum Man of the Match gewählt wurde, war mit dem Duell zufrieden. "Wir haben sehr gut gespielt und wir haben das Spiel verdient gewonnen. Wir haben Fußball gespielt und sind sehr glücklich über den Sieg. Ich genieße es mit den großen Stars zu spielen. Dieser Sieg bedeutet mir sehr viel, denn es ist mein erster im Liverpool-Trikot. 2:0 auswärts ist sehr gut, ich hoffe, wir gewinnen auch im Rückspiel und kommen weiter."

Die Pressereaktionen zu Leipzig gegen Liverpool

In der Presse wurde die Leistung von Leipzig durchaus anerkannt. Doch unter dem Strich war es über die 90 Minuten zu wenig, wie ntv berichtet. "Liverpool bestraft Leipziger Fehler-Flut. Im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League tritt RB Leipzig die Heimpartie in Budapest an - und leistet sich haarsträubende Fehler. In der ersten Hälfte haben die Sachsen noch Glück, nach der Pause bestrafen Jürgen Klopps Liverpooler die RB-Aussetzer eiskalt. Julian Nagelsmanns Team steht vor dem Aus."

Die Süddeutsche Zeitung ist etwas kritischer: "Fatale Fehler in der fremden Heimstätte. RB Leipzig verliert im nach Budapest verlegten Heimspiel gegen Liverpool zu oft die Orientierung. Dem Bundesligisten droht nach dem 0:2 im Hinspiel das frühe Aus."

Die FAZ schreibt ebenfalls von den entscheidenden Fehlern: "Leipziger Geschenke in der Champions League. RB Leipzig verliert sein "Heimspiel" in Budapest 0:2 gegen den FC Liverpool. Beiden Treffern gehen schwere Fehler voraus – nun droht das Aus in der Champions League."

Für den kicker waren die Leipziger ebenbürtiger, doch erneut kommt die eigentliche Schlagzeile durch. "Leipziger Patzer in Budapest: Liverpool verschafft sich blendende Ausgangsposition. RB Leipzig hat das Hinspiel im Champions-League-Achtelfinale gegen den FC Liverpool mit 0:2 verloren. In Budapest lieferten die Sachsen zwar alles andere als eine schlechte Leistung ab - sie leisteten sich aber zwei entscheidende Fehler."

Englands Presse fällt über Leipzigs Verteidigung her

In England zeigte sich nicht jedes Blatt als fairer Gewinner. Die Sun machte die Abwehr der Sachsen rund. "Liverpool steht nach einem überzeugenden Sieg gegen RB Leipzig mit einem Fuß im Viertelfinale der Champions League. Es hat geholfen, dass der gefallene Premier-League-Champion auf eine Abwehr gestoßen ist, die noch chaotischer war als die eigene. Nagelsmann, einer der gefragtesten Trainer Europas, hat seine Verteidiger offenbar mit Clownsschuhen nach Budapest geschickt."

Auch die Daily Mail wählte einen scharfen und etwas zu überzogenen Ton. "Liverpool meldet sich zurück. Mohamed Salah und Sadio Mané stürzten sich auf die Defensivfehler von RB Leipzig. Die Liverpooler überließen Dayot Upamecano den Ball, weil sie wussten, er würde zu ihnen zurückkommen. Die Trainer des FC Bayern, wohin der Franzose wechselt, haben eine Menge Arbeit zu verrichten."

Die englische Presse zog über die Leipziger Abwehr her
Die englische Presse zog über die Leipziger Abwehr her / Laszlo Szirtesi/Getty Images

Im Gegensatz dazu ging der Mirror auf die positiven Aspekte bei den Reds ein. Unter anderem Kabak war eine Erwähnung wert. "Eiskalte Reds bestrafen schlampige Fehler. Liverpool hat die heimischen Probleme hinter sich gelassen. Aus der sterbenden Glut ihrer ausgebrannten Titelverteidigung gingen Funken der europäischen Wiederbelebung hervor. Ozan Kabak hat seinen Champions-League-Test mit Bravour bestanden."

Nach den Enttäuschungen in der Liga und den Pokalen, sieht der Guardian die Königsklasse als letzte Möglichkeit für einen Titel. "Leipzig sah mit seiner hohen Linie und dem Wunsch, Risiko einzugehen, nie sicher aus. Nachdem die Titelverteidigung in der Premier League misslungen ist, fühlt sich dieser Wettbewerb für Liverpool wie die letzte Chance an."

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