90min

Pleite gegen Schalke: Hoeneß wackelt trotz Jobgarantie

Christopher Kleis
Jan 9, 2021, 6:32 PM GMT+1
Sebastian Hoeneß wackelt in Hoffenheim.
Sebastian Hoeneß wackelt in Hoffenheim. | Matthias Hangst/Getty Images
facebooktwitterreddit

Die TSG 1899 Hoffenheim unterliegt im Spiel gegen den FC Schalke 04 mit 0:4. Eine blamable Leistung für einen Trainer, der nach den letzten Spielen schon angezählt war. Ist Sebastian Hoeneß' Zeit in Hoffenheim abgelaufen?

Kaum Argumente für weitere Beschäftigung

Die Zeit unter Hoeneß begann für Hoffenheim durchaus positiv. Der FC Bayern München wurde mit 4:1 nachhause geschickt und in der Europa League schoss man ein Tor nach dem anderen. Am Ende sollte ein neuer Torrekord für die Gruppenphase stehen. Auch im DFB-Pokal lief es gut. Chemnitz wurde besiegt. Da schien die Welt noch in Ordnung. Aber mit zunehmender Zeit fiel zunächst die Konstanz weg, dann kamen Verletzungen dazu und am Ende fuhr man einfach nicht mehr die gewünschten Ergebnisse ein.

Sebastian Hoeneß kam da noch als Trainer-Neuling von der zweiten Mannschaft des FC Bayern München. In Hoffenheim war er der absolute Wunschkandidat für den Trainerposten. Unter anderem deshalb bekommt er wohl so viel Zeit zur Verfügung. Trotz der Ergebnisse, es gab nur einen Sieg aus den letzten fünf Bundesliga-Partien. Er wurde geholt, um die junge Hoffenheimer Mannschaft anzuleiten und weiterzuentwickeln.

Hoeneß kam mit einigen Vorschusslorbeeren aus München.
Hoeneß kam mit einigen Vorschusslorbeeren aus München. | Christian Kaspar-Bartke/Getty Images

Aber eben jene Weiterentwicklung scheint auszubleiben. Unter anderem gegen den VfB Stuttgart gab man zweimal die Führung aus der Hand Natürlich muss man bedenken, dass er beim Spiel auf Schalke laut eigenen Angaben auf zwölf Spieler verzichten musste. Aber als Entschuldigung darf so etwas nie herhalten. Selbst Werder Bremen ruhte sich letzte Saison nicht darauf aus, viele Verletzte zu haben, obwohl man bis zum Hals im Abstiegskampf feststeckte.

Hoeneß wirkt überfordert

Bei Gegentoren steht Hoffenheim oft vogelwild. Gegen Schalke waren es drei Tore von Matthew Hoppe, die die Niederlage einleiteten. Eigentlich alle hatten das gleiche Schema. Auf eine individueller Fehler oder Ballverlust folgt der Pass auf Harit und der steckte schnell durch auf Hoppe. Hoffenheim trabbte immer nur hinterher. Sebastian Hoeneß stellte nach dem 0:2 um, aber trotzdem brachte das keine Sicherheit. Seine taktischen Konzepte scheinen nicht aufzugehen und er wirkt überfordert. Was bringt die Umstellungl, wenn die Absicherung fehlt und die Spieler nicht dazu bereit sind, die Extra-Meter zu machen?

Allzu oft sieht man den Enkel des Ehrenpräsidenten des FC Bayern München wütend auf der Bank sitzen. Er gibt ja etwas an die Mannschaft weiter, aber es wird schlicht nicht umgesetzt. Toptorjäger Andrej Kramaric wartet seit zwei Spielen auf ein Tor. Eigentlich nicht weltbewegend. Für einen Stürmer, der zu Saisonbeginn noch beim FC Bayern München auf dem Zettel stand, allerdings zu wenig. Gegen Schalke versemmelte auch er eine Topchance.

Es bleibt abzuwarten, wie lange die Verantwortlichen in Hoffenheim noch von der Philosophie von Sebastian Hoeneß überzeugt sind. Kredit hat er auf jeden Fall nicht mehr. Ds Spiel gegen Schalke hätte den optimalen Aufbaugegner gehabt.

Seit Nagelsmann kein Trainer länger als ein Jahr im Amt

Dass Julian Nagelsmann eines der gröten Trainertalente im deutschen Fußball ist, lässt sich nicht bestreiten. Seit seinem Abgang nach Leipzig hat die TSG noch nicht den optimalen Trainer gefunden. Alfred Schreuder hielt sich nur elf Monate im Amt. Matthias Kaltenbach als Interimscoach nur einen Monat und dann folgte Hoeneß. Würde er jetzt entlassen werden, wäre er nichtmal ein Jahr im Amt gewesen.

Von der Ruhe in Sinsheim darf man sich nicht täuschen lassen. Seit Ralf Rangnick versuchten es elf verschiedene Trainer bei der TSG. Nur zwei hielten es länger als ein Jahr im Verein von Mäzen Dietmar Hopp aus. Ein enormer Verschleiß, den man so eigentlich nur von Vereinen wie dem HSV, Schalke oder Stuttgart kennt.

Für Sebastian Hoeneß wird es jetzt ganz eng. Er kann nur darauf hoffen, dass ihm die Bosse das Vertrauen aussprechen. Ansonsten hat er fußballerisch und ergebnistechnisch kaum Argumente. Seine Hoffenheimer pendeln zwischen Genie und Wahnsinn. Diese Inkonstanz könnte ihm am Ende zum Verhängnis werden.

facebooktwitterreddit