Werder Bremen

Philipp Bargfrede als Sinnbild für Werders schwache Kaderplanung

Jan Kupitz
Gegen den BVB stand Bargfrede plötzlich wieder im Kader
Gegen den BVB stand Bargfrede plötzlich wieder im Kader / LEON KUEGELER/Getty Images
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Spätestens nach dem 1:4 gegen Borussia Dortmund steckt Werder Bremen wieder im Abstiegssumpf. Das formschwächste Team der Bundesliga muss aufpassen, nicht noch weiter unten reinzurutschen. Neben der sportlich brisanten Lage sorgte auch Philipp Bergfrede für Gesprächsstoff - seine Rückkehr in den Kader steht sinnbildlich für die verkorkste Kaderplanung am Osterdeich.


Nachdem die Grün-Weißen in der vergangenen Saison nur ganz knapp dem Abstieg entronnen waren, sollte sich im Sommer einiges ändern. Ein "weiter so" werde es am Weserstadion nicht geben, hieß es.

Doch wirklich viel getan hat sich seitdem nicht. Die sportliche Führungsriege um Frank Baumann und Florian Kohfeldt ist nach wie vor in der Verantwortung, der Kaderumbruch wurde (sicherlich auch aufgrund von finanziellen Engpässen) nur unbefriedigend fortgeführt.

Natürlich erhielten junge Spieler wie Jean-Manuel Mbom, Romano Schmid, Felix Agu und Eren Dinkci hier und da mal eine Chance von Kohfeldt, das ist auch vollkommen okay. Doch abseits davon sind die Kaderplanung und die wöchentlichen Aufstellungen am Osterdeich alles andere als okay. Sie sind sogar ziemlich miserabel.

Schaut man sich allein die vergangenen Transfers an, muss man erkennen, dass fast alle Spieler gefloppt sind: Tahith Chong ist nach nur einem halben Jahr wieder geflohen, Niclas Füllkrug ist - leider wie befürchtet - häufiger verletzt als fit. Über die Deals mit Davie Selke und Patrick Erras muss man an dieser Stelle kein Wort verlieren, auch von Leonardo Bittencourt hatte man sich mehr versprochen. Einzig Ömer Toprak (wenngleich sein Körper häufig streikt) und Marco Friedl sind ihr Geld wert gewesen.

Florian Kohfeldt, Frank Baumann
Sind Kohfeldt und Baumann noch die Richtigen? / Stuart Franklin/Getty Images

Kohfeldt muss an dieser Stelle ebenfalls hinterfragt werden: Statt sein Team weiterzuentwickeln, lässt er die Spieler von Woche zu Woche defensiver und somit auch mutloser auftreten. Die "Krönung" seiner zweifelhaften Personalentscheidungen ereignete sich am Sonntagnachmittag.

Denn die Fans staunten nicht schlecht, als gegen den BVB plötzlich die 44 und Philipp Bargfrede auf dem Spielberichtsbogen auftauchten. Das Bremer Urgestein, dessen Vertrag bei den Profis im vergangenen Sommer nicht verlängert worden war und der nach erfolgloser Vereinssuche bei Werder II angeheuert hatte, feierte urplötzlich und zur Überraschung aller sein Kader-Comeback. Patrick Erras, erst im vergangenen Sommer verpflichtet worden, musste dagegen in der Hansestadt bleiben.

Bargfrede bleibt vorerst bei den Werder-Profis

"Wir hatten in dieser Woche ein sehr gutes und offenes Gespräch, in dem er mir gesagt hat: 'Flo, ich bin bereit und kann helfen.' Es war keine Absage an Patrick Erras. Heute ging es nicht darum, lange Bälle wegzunehmen, sondern darum, Zwischenräume zu schließen und sich mutig aufzudrehen. Das sind Attribute, die auf Philipp am allermeisten zutreffen. Zumal er in einem ordentlichen körperlichen Zustand ist", erläuterte Kohfeldt im Anschluss gegenüber Deichstube seine Entscheidung.

Auch (mindestens) in den beiden kommenden Spielen gegen den FSV Mainz (Mittwoch) und Union Berlin (Samstag) wird Bargfrede erneut dem Profikader angehören. Kohfeldt: "Es geht darum, dass Werder Bremen stabil in der Liga bleibt."


90min diskutiert: Ist Florian Kohfeldt noch der richtige Mann für Werder Bremen?


Nur wie soll das gehen, wenn sich am Osterdeich rein gar nichts ändert? Die Bargfrede-Rückkehr unterstreicht eindrucksvoll, wie planlos die Personalentscheidungen beim SV Werder seit geraumer Zeit vonstatten gehen. Das kann und wird auf Dauer nicht gutgehen.

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