Paris SG

Der Jahrmarkt der Eitelkeiten namens Paris St. Germain

Guido Müller
Das schillernde Star-Ensemble von Paris St. Germain
Das schillernde Star-Ensemble von Paris St. Germain / Marcio Machado/GettyImages
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Von außen betrachtet erscheint der aktuelle Kader von Paris St. Germain wie ein Fußballer-Paradies. Doch wie es sich für ein Paradies gehört, ist auch die "Sünde" nie weit weg. Immer wieder sieht sich der Klub mit - allerdings auch hausgemachten - Problemen konfrontiert.


Das französische Fachblatt L'Équipe hat sich nun mal daran gemacht, ein paar der problematischen Fälle und Vorkommnisse der jüngeren Vergangenheit aufzuzählen. Sie veranschaulichen die schwierige alltägliche Arbeit von Cheftrainer Mauricio Pochettino, der manchmal mehr Raubtier-Dompteur denn Fußball-Trainer sein muss.

Ein Torwart-Problem, das Pochettino nicht wollte

Wie zum Beispiel im Fall Gianluigi Donnarumma. Dessen Verpflichtung im vergangenen Sommer war nicht unbedingt mit dem argentinischen Coach abgestimmt. Aber nun war er nun mal da, der beste Torhüter der EURO 2020. Und einer der vielversprechendsten Keeper der Gegenwart.

Ein Problem für Pochettino - denn der wusste das Tor der Pariser mit Keylor Navas, seines Zeichens immerhin dreifacher Champions-League-Sieger (mit Real Madrid), eigentlich bestens gehütet. Zwei hervorragende Torhüter in einer Mannschaft - das sorgt nicht selten für Zündstoff in der Kabine.

Zumal beide das Selbstverständnis haben, für jede Mannschaft der Welt wichtig zu sein. Doch spielen kann natürlich immer nur einer der beiden. Pochettino optierte deshalb von Anfang an für eine Art Arbeitsteilung. Mal spielt der eine, mal der andere. Zufrieden ist vor allem der frisch gebackene italienische Europameister mit dieser Konstellation nicht.

"Nach außen", berichtet das Fachblatt, "macht er [Donnarumma] gute Miene zum bösen Spiel. Im Privaten jedoch beklagt er sich des Öfteren über sein Schicksal."

Gianluigi Donnarumma
Sieht sich öfter auf die Bank versetzt, als ihm lieb ist: Gianluigi Donnarumma / Xavier Laine/GettyImages

Nächtliche Eskapaden und anschließendes Fehlen beim Training

Des Weiteren weiß die Zeitung über regelmäßige nächtliche Eskapaden einiger PSG-Stars zu berichten. In einer Weltmetropole wie Paris kann auch dies nicht wirklich überraschen. Die Stadt der Liebe und des Lichts hat schließlich nicht nur Eiffelturm oder Arc de Triomphe zu bieten.

Doch der Klub zieht es lieber vor, die Augen vor den Realitäten zu verschließen. Vor kurzem, Messi hatte gerade seinen siebten Ballon d'Or eingeheimst, beschloss eine Clique um den Argentinier, diese Auszeichnung gebührend zu würdigen und feierte in einer bekannten Pariser Diskothek.

Wer feiern kann, kann auch arbeiten, heißt es. Doch am Morgen nach jener nächtlichen Exkursion meldeten sich la pulga und sein Landsmann Leandro Paredes vom vorgesehenen Training ab. An der offiziellen Begründung (Magenverstimmung) zweifelten logischerweise nicht wenige der Teamkollegen.

Lionel Messi, Leo Messi, Leandro Paredes
Gemeinsam feiern sie, gemeinsam machen sie "blau" - Leandro Paredes und Lionel Messi / John Berry/GettyImages

Verspätungen zu offiziellen Terminen

Wer in dieser Aufzählung bislang den Namen Neymar vermisst hat, der kann "beruhigt" sein. Auch der extravagante Brasilianer lässt immer mal wieder die prototypische Diva raushängen. Nicht umsonst ist er schließlich immer noch derjenige Spieler, der die höchste je gezahlte Ablösesumme im Weltfußball generiert hat. Eine solche Legende will natürlich gepflegt werden. Dies- und jenseits des Platzes.

Neymars verspätetes Erscheinen bei einem offiziellen Sponsor-Termin hätte jedenfalls disziplinarische Konsequenzen nach sich ziehen müssen. Die wollte Sportdirektor Leonardo wohl auch ziehen - zog aber kurz danach (ob nach Einflüsterung übergeordneter Stellen oder aufgrund einer eigenen Entscheidung ist unbekannt) kleinlaut zurück.

Offenbar, so spekuliert L'Équipe, fürchtete er den entsprechenden Medien-Rummel, den eine Bestrafung seines Landsmannes nach sich gezogen hätte. Deutlicher kann man sich als lame duck wohl nicht mehr outen.

Neymar Jr
Genießt, wie andere Stars auch, ziemlich viel Narrenfreiheit im Prinzenpark: Neymar / John Berry/GettyImages

Worthülsen und Phrasen rund um Mbappé

Einer, der für extra-sportliche Deviationen nicht unbedingt bekannt ist, sorgt stattdessen aufgrund seiner vertraglichen Situation für Dauerdiskussionen rund um den Klub. Die Rede ist von Kylian Mbappé.

Im Grunde genommen weiß der Klub schon längst, dass er das Rennen um den Superstar verloren hat. Zu deutlich hat sich der 22-Jährige in der Vergangenheit zu seinem Traum bekannt, sich das weiße Trikot der Königlichen überzustreifen.

Kylian Mbappe
Wird ziemlich sicher bei Real Madrid anheuern: Kylian Mbappé / John Berry/GettyImages

Doch anstatt sich den Verlust des Weltmeisters 2018 endgültig einzugestehen, eiert Leonardo mit halbgarem Wunschdenken und ausweichenden Antworten lieber weiter rum. So sehr, dass ihm vom ehemaligen PSG-Spieler Jerome Rothen nun harte Vorhaltungen gemacht wurden.

In seiner Funktion als Analyst beim Sender RCM kommentierte Rothen unlängst in aller Schärfe: "Leonardo erzählt den Leuten das, was er erzählen will. Er hält uns für Idioten." (via as.com)

Icardis Ehedrama

Doch auch die grundlegenden menschlichen Leidenschaften kommen in diesem Jahrmarkt der Eitelkeiten namens PSG nicht zu kurz. Während des von der gierigen Klatschjournaille sehr aufmerksam verfolgten Liebesdramas (mit zwischenzeitlicher Trennung inklusive!) zwischen Mauro Icardi und seiner Ehefrau Wanda Nara, flog diese nach Mailand, um Abstand zu gewinnen.

Icardi flog ihr hinterher - und pfiff dabei auf mehrere Trainingseinheiten mit seinen Team-Kollegen. Und Pochettino? Der schaute, wieder mal, weg. Und fragte sich vielleicht, wo er hier nur gelandet war.

Uns selbst für das Produzieren von Schlagzeilen eher unbekannte Akteure bekommen im grellen Licht der Öffentlichkeit, in dem PSG permanent steht, ihre Portion Glamour (oder das, was man dafür hält!) ab.

Impfweigerung und dubiose Absprachen mit den Behörden

Der Senegalese Idrissa Gueye hätte im August beim in Tel Aviv ausgetragenen französischen Supercup-Finale mit von der Partie sein sollen. Doch der Mittelfeldspieler, der sich zuvor aus religiösen Gründen geweigert hatte, sich impfen zu lassen, wurde kurz vor dem Spiel gegen den Pokalsieger OSC Lille corona-positiv getestet.

Eigentlich hätte dies eine zehntägige Quarantäne - in Tel Aviv - nach sich ziehen müssen. Doch wozu hat man einen katarischen Staatsfond im Rücken, wenn man mit dem Geld nicht auch die israelischen Behörden schm...pardon, davon überzeugen kann, dass drei Tage ja eigentlich auch ausreichen?

Schon diese kleine Auswahl an Anekdoten lässt durchschimmern, dass die Verantwortlichen im Prinzenpark sich öfter, als ihnen lieb ist, über alles Mögliche Sorgen machen müssen - nur nicht über das Wesentliche. Nämlich das, was auf dem Platz passiert.

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